„Kulturbühne“ – Folge 11 – Heute: Oboistin Hannah Mörchen
Viel Liebe zur „Chefin im Orchester“

Bad Oeynhausen (WB). Wer weiß schon, dass die Oboe die geheime Chefin im Orchester ist? „Von ihr bekommt sogar die Geige das ‚a‘“, erklärt Oboistin Hannah Mörchen. Sie liebt ihr Instrument – seit Kindertagen. Doch diese Musikliebe hat auch ihre tragischen Seiten: Ein wenig nachgefragtes Instrument und ein enger Markt für Newcomer erschweren die Praxis. Und Corona setzt dieser Situation noch die Krone auf.

Donnerstag, 17.09.2020, 06:01 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 06:10 Uhr
Den Bachelor in Orchestermusik hat sie schon. Eine Festanstellung als Instrumentalistin sei aber „schwer zu ergattern“. Trotz vieler Preise, die sie gewonnen hat, muss Hannah Mörchen sich mit einem zweiten Standbein absichern. Dafür hat sie Instrumentalpädagogik studiert. Dies befähigt sie zum Unterricht an der Städtischen Musikschule. Derzeit studiert sie zudem in Detmold den Masterstudiengang Solist. Foto:
Den Bachelor in Orchestermusik hat sie schon. Eine Festanstellung als Instrumentalistin sei aber „schwer zu ergattern“. Trotz vieler Preise, die sie gewonnen hat, muss Hannah Mörchen sich mit einem zweiten Standbein absichern. Dafür hat sie Instrumentalpädagogik studiert. Dies befähigt sie zum Unterricht an der Städtischen Musikschule. Derzeit studiert sie zudem in Detmold den Masterstudiengang Solist.

Hannah Mörchen streicht behutsam über ihr Instrument. Eine glänzende Oboe, fünf Jahre alt. Dann befeuchtet sie das Mundstück mit Doppelrohrblatt, steckt es auf das Instrument. Jetzt geht’s los: Sie spielt eine schnelle Tonfolge vor, und Omar Karmoushah spielt ihr nach. Der 19-Jährige kommt seit 2017 an die Musikschule nach Bad Oeynhausen, um von Hannah Mörchen das Oboenspiel zu lernen. Er ist einer von drei Schülern.

„Leider hat die Oboe sehr wenig Nachfrage“, bedauert die Lehrkraft. Andere Ins­trumente seien weitaus populärer. Dabei verfügt gerade die hiesige Musikschule über einen großen Fundus an Leih-Oboen, der Interessierten den Einstieg erleichtern kann. „Ein Probeunterricht ist jederzeit möglich“, sagt sie.

„Alte Heimat“ Bad Oeynhausen

Die 26-Jährige ist seit 2015 Dozentin an der Musikschule. Nebenberuflich als Honorarkraft. „Momentan studiere ich noch an der Hochschule für Musik Detmold den Masterstudiengang Solist“, erläutert sie. Dort hat sie auch Beate von Rüdiger kennengelernt, die Mörchen als Dozentin angeworben hat. Einmal wöchentlich kommt die Studentin dafür zurück in die „alte Heimat“ Bad Oeynhausen.

Hier, so erzählt sie, seien ihre Großeltern nach dem Krieg sesshaft geworden. Und bisweilen passiert es ihr, dass ältere Mitbürger sie aufgrund ihres Namens ansprechen: „Mörchen? Da gab es doch mal eine Lehrerin in der Berufsschule, die so hieß.“ Richtig, sagt sie dann, das sei ihre Verwandtschaft. Die Familie war es auch, die ihr früh den Zugang zur Musik ermöglicht hat.

Bereits seit Kindertagen spielt Hannah Mörchen Oboe. Ihr Ziel: Oboistin in einem Orchester. Den Bachelor in Orchestermusik hat sie schon. „Aber das allein reicht nicht“, sagt sie nüchtern. Denn eine Festanstellung als Instrumentalistin sei „schwer zu ergattern“.

Trotz vieler Preise und Wettbewerbe, die sie gewonnen hat, muss Mörchen sich mit einem zweiten Standbein absichern. Dafür hat sie den Bachelor Instrumentalpädagogik studiert. Dieser befähigt zum Unterricht und hat ihr den Weg an die Musikschule Bad Oeynhausen eröffnet.

Schweres Leben als Honorarkraft

Doch als Honorarkraft ist das ein „hartes Brot“. „Vor den Sommerferien wurde mir gekündigt, denn die Musikschule musste ja schließen“, berichtet sie. Glücklicherweise war sie wenige Wochen später wieder unter Vertrag – dank der Schulleitung, die sich für die Honorarkräfte eingesetzt hatte. Doch von dem Job allein könne sie nicht leben, sagt Mörchen. Zudem fehlt diesen Verträgen die soziale Absicherung: Wenn die Schüler ausbleiben, gibt’s kein Geld.

„Das ist besonders schwer in dieser Zeit, wo durch Corona vieles nicht stattfindet“, bedauert sie. Denn nicht nur mit Unterrichtsausfall hat sie zu kämpfen, auch mit fehlenden Konzerten. Zu viel freier Platz im Terminkalender und ein schmales Budget. Doch Hannah Mörchen bleibt zuversichtlich: „Ich bin sicher, die Musiklandschaft wird wiederbelebt. Ohne Musikgenuss wäre es armselig, und die Menschen wären unglücklich“, ist sie überzeugt.

Bis dahin steckt sie weiterhin ihre ganze Kraft in den Unterricht. „Es ist auch eine schöne Aufgabe, musikalischen Nachwuchs zu fördern und für mein Instrument zu begeistern“, sagt sie lächelnd, hebt ihre Oboe an den Mund – und übt mit der nächsten Schülerin weiter.

Rubrik: Künstlerin im Hauptberuf .

Im Rahmen der Reihe „Kulturbühne“ sind bislang diese Beiträge erschienen:

Vorhang auf für die Kulturbühne

Folge 1: Bildhauerin Astrid Mulch

Folge 2: Theatergruppe Newcomers

Folge 3: Quartettverein Bad Oeynhausen

Folge 4: Violinistin Veronika Bejnarowicz

Folge 5: Kleines Theater Rehme

Folge 6: Handstand-Artist Sven Böker

Folge 7: Flechtwerkgestalterin Kerstin Eikmeier

Folge 8: Kantorei an der Auferstehungskirche

Folge 9: Last Action Heroes

Folge 10: Improtheater Spek-Spek

Anrufen und GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ Hannah Mörchen Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis Sonntag, 20. September 2020, über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50 €/ Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté verlost. Es hat nach einer Corona-Zwangspause den Spielbetrieb am 24. Juli 2020 wieder aufgenommen.

Der Rechtsweg ist bei der Aktion ausgeschlossen.

 

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