Firmenchef aus OWL ist Gründer der Schlagerband „Goldjungs“
Ein Unternehmer stürmt die Charts

Bad Oeynhausen (WB). „Gänseblümchen“ kam auf Platz 1 der iTunes-Schlagercharts. Was bringt den Chef eines mittelständischen Unternehmens aus Ostwestfalen-Lippe dazu, Schlager zu singen? Und warum macht er das im goldenen Anzug? Über diese und andere Fragen hat Moritz Winde mit dem 48-Jährigen gesprochen.

Dienstag, 22.09.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 18:00 Uhr
Die drei Goldjungs: Das sind (von links) Bob Gold, Wasi Gold und Siggi Gold. Ihre Musik ist angelehnt an die Neue Deutsche Welle der 80er Jahre.
Das sind die „Goldjungs“

Die „Goldjungs“ sind eine der Musiküberraschungen des Jahres – landeten sie doch im Mai direkt mit der Debüt-Single „Gänseblümchen“ mehrere Top Chart-Platzierungen (u. a. Nr. 1 in den iTunes-Schlagercharts), und feierten sogar unerwartete Erfolge auf internationaler Ebene.

Die Band besteht aus Wasi Gold, Siggi Gold und Bobby Gold. Sänger und Gründer der Band Wasi wohnt in Ostwestfalen und sammelte schon frühe Erfahrungen als Sänger einer Punk-Band. Keyboarder Siggi wohnt in Berlin und spielte in der Jugend in einer Band mit seinem Klassenkameraden Laith Al-Deen. Weitere musikalische Projekte im Rock-, Pop und Schlagerbereich folgten. Goldjunge Bobby heimste als Produzent mit zwei internationalen Charthits schon zwei Goldene Platten ein.

Den drei kreativen Köpfen ist es gelungen, einen ganz eigenen Musikstil zu prägen: ein Wechselspiel des Flairs der Neuen Deutschen Welle und moderner Dance-Pop-Elemente.

Jetzt legen die Goldjungs einen weiteren Track vor: „Langeweile“. Im Text schwärmt die Band von Sonnen und Palmen. Doch es gibt ein Problem: alles ist perfekt und schön – und trotzdem Langeweile? Oder gerade deshalb?

Der Song spiegelt mit Blick auf die leeren Clubs das Gefühl wider, das alle in dieser Zeit kennen dürften – Langeweile und Sehnsucht nach Abwechslung! Obwohl doch eigentlich alles im Überfluss vorhanden ist.

Bereits in der ersten Woche nach der Veröffentlichung schaffte es das Lied auf Platz 1 der Schlagercharts von Apples iTunes und Amazon sowie in diverse Radiocharts.

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Wasi Gold, sind Sie Unternehmer oder Musiker?

Wasi Gold: Ich bin in erster Linie Unternehmer. Musik ist aber schon seit Kindheitstagen ein Hobby. Allerdings spiele ich kein Instrument, sondern bin eher der Ideengeber für Text, Aufbau und Klangideen der Songs. Der Rest wird dann in der Bandgemeinschaft zusammen mit den anderen beiden Goldjungs, Siggi und Bob Gold, produziert.

 

Warum machen Sie aus Ihrer Identität ein Geheimnis?

Gold: Das berufliche und das mit der Musik gehören für mich nicht zusammen. Leute, die mich kennen, wissen es ja ohnehin, und für die anderen tut es nichts zur Sache.

 

Haben Sie schon immer gerne gesungen?

Gold: Ich habe als Jugendlicher mal in einer Band gesungen. Ein paar Stunden Gesangsunterricht hatte ich auch, als ich mit 18 auf der Schule den Mackie Messer in der Dreigroschenoper gespielt habe. Allerdings kommt es ja bei unseren Liedern weniger auf klassische Gesangsausbildung an, sondern darauf, die Stimmung der Lieder rüberzubringen.

 

Sie führen ein mittelständisches Unternehmen in Bad Oeynhausen. Wann finden Sie Zeit für Musik?

Gold: Na, ja, wir haben bislang zwei Lieder und es wird voraussichtlich noch ein drittes Lied geben. Der Zeitaufwand ist überschaubar. Wir haben die Songs vorbereitet und uns dann für ein paar Tage im Studio getroffen und alles eingespielt. Die Musik ist ja komplett am Computer entstanden. Bandproben gab und gibt es nicht. Das meiste funktioniert ja heutzutage ohnehin am Wochenende über das Internet.

 

Gold möchte jeder gerne besitzen und Jungs klingt niedlich. Wie kam es zum Bandnamen?

Gold: Da uns als Band ja niemand kannte, wollten wir ein Outfit nehmen, das sofort in Erinnerung bleibt. Den goldenen Anzug hatte ich noch vom letzten Karneval, und außerdem fanden wir die Anspielung auf die Golden Girls ganz passend. Wir sind ja auch keine Teenager mehr.

 

Sie schreiben Ihre Songs selbst. Stimmt es, dass Sie dies auf Mallorca tun?

Gold: Auf Mallorca ist das Studio von Bob Gold, in dem die Songs fertiggestellt wurden. Das ist der einzige direkte Mallorca-Bezug, mal abgesehen davon, dass auch einige Szenen des Videos zu Langeweile dort gedreht wurden. Beide Songs basieren zumindest in Elementen auf Songs aus den 80er Jahren. Der Refrain von „Gänseblümchen“ ist im Original von den United Balls. „Langeweile“ hat einige Textzeilen aus einem Lied meiner alten Jugendband übernommen. Die Strophen und den übrigen Text habe ich im Zug geschrieben. Lediglich der dritte Song, der noch nicht erschienen ist, hat keinerlei direkte Anleihen aus den 80ern.

 

Ihre Songs sind wie für den Ballermann gemacht. Es geht um Sommer, Strand und Palmen. Welche Botschaft wollen Sie vermitteln – oder sollen die Lieder nur gute Laune machen?

Gold: Die Lieder sollen in der Tat primär gute Laune machen und ein wenig an die Neue Deutsche Welle erinnern, ohne dabei alt zu wirken. Klassische Ballermann-Musik ist es nicht, wir singen ja weder übers Saufen noch über Sex.    Trotzdem kommen die Lieder auch in der Ballermann-Szene gut an. Unter anderen waren wir in den Ballermann-Charts mit „Gänseblümchen“ auf Platz 18. Mal sehen, wo wir mit „Langeweile“ landen...

 

Welche Musik hören Sie?

Gold: Mein Musikgeschmack ist nicht so festgelegt. Ich höre auch Schlager, aber primär Alternative Music und viel Musik aus den 80ern. Einen guten Überblick über das, was wir so privat hören und was uns geprägt hat, bekommt man auf unserer Spotify Playlist „Musik für Goldjungs“.

 

Ihre neue Single „Langeweile” hat bei Amazon und i-Tunes Top-Platzierungen erreicht. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Gold: Wir freuen uns sehr über das positive Feedback, sei es in den Charts oder von den Playlist-Kuratoren. Hilfreich waren sicher die verschiedenen Promo-Maßnahmen, die wir und unsere Vertriebsgesellschaft Kontor gebucht haben. Das ist sicher etwas, was neue junge Bands ohne entsprechenden Hintergrund so nicht ohne weiteres machen können. Es war von Anfang an erklärtes Ziel, zu zeigen, dass man mit dieser Art von Musik zumindest mal in den sichtbaren Bereich kommen kann, wenn man die entsprechende Marketingunterstützung hat. Dass das jetzt gleich so gut geklappt hat, hat uns auch überrascht.

 

Arbeiten Sie an einem Album?

Gold: Nein. Weiter als bis zum dritten Song gehen die Planungen mit den Goldjungs bislang nicht. Aber wer weiß, wie es weitergeht. Ein paar Ideen haben wir schon noch…

 

Wann treten Sie mal in der Region auf?

Gold: Das ist ja im Moment coronabedingt ohnehin nicht möglich. Eine Handvoll Auftritte wird es vielleicht später mal geben, das hatten wir uns eigentlich vorgenommen. Für mehr fehlt uns die Zeit. Die Länge des Auftritts ist dann ja bei drei Liedern auch überschaubar.   Wer uns auf Facebook oder Instagram folgt, wird nichts verpassen. Unseren Fans sind wir für die tolle Unterstützung noch ein Dankeschön schuldig. Daher wollen wir einen Auftritt auf einer privaten Party verlosen. Wir legen ein paar Stunden Musik auf und werden auch einen kleinen „Live Auftritt“ haben. Bewerben kann man sich per Nachricht auf Facebook und Instagram oder über unsere Internetseite. www.goldjungsmusik.de.

 

Ist Ihre Familie Ihr größter Fan? Wie reagieren Ihre Angestellten?

Gold: Nein, als Fans würde ich die Familienmitglieder nicht bezeichnen. Ich denke, den Kindern ist das tendenziell eher unangenehm, auch wenn sie die Musik nicht total schlecht finden und sie auch in deren Freundeskreis teilweise ganz gut ankommt. Außerdem haben sie uns bei den Videos und bei der Verbreitung der Musik toll geholfen.      Meine Frau mag die Musik, sagt sie zumindest. Außerdem unterstützt Sie mich phantastisch, ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Im Unternehmen sind die Goldjungs kein großes Thema. Der Zeitpunkt ist ja auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise nicht ideal, aber das konnten wir nicht ahnen, als wir die Sache Ende letzten Jahres losgetreten haben. Vor dem Hintergrund der sehr schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kann man das ja auch durchaus kritisch sehen, wenn der Chef im Goldanzug singt. Aber ich denke, die Mitarbeiter merken, dass der Fokus auf das Unternehmen darunter nicht leidet. Die Goldjungs sind nur ein Hobby, und dazu noch kein sehr zeitintensives. Das Unternehmen steht klar an erster Stelle.

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