„Kulturbühne“ – Folge 15 – Heute: Musikverein Dehme
Wenn die Werkshalle zum Konzertsaal wird

Bad Oeynhausen (WB). Corona macht kreativ – auch im Hinblick auf räumliche Veränderung. Das hat der Musikverein Dehme erlebt, als er erkennen musste, dass das Feuerwehr-Gerätehaus am Alten Postweg nicht die Voraussetzungen erfüllt, die für Proben im Rahmen der Corona-Schutzverordnung einzuhalten sind.

Donnerstag, 15.10.2020, 05:00 Uhr
Dirigent Yasuo Wada probt mit den Mitgliedern des Musikvereins Dehme in der Werkshalle der Firma Süllwold in Eidinghausen. Im Feuerwehr-Gerätehaus Dehme können die Vorgaben aus der Corona-Schutzverordnung nicht eingehalten werden. Foto: Gabriela Peschke
Dirigent Yasuo Wada probt mit den Mitgliedern des Musikvereins Dehme in der Werkshalle der Firma Süllwold in Eidinghausen. Im Feuerwehr-Gerätehaus Dehme können die Vorgaben aus der Corona-Schutzverordnung nicht eingehalten werden. Foto: Gabriela Peschke

Was tun? „Wir sind in unserem Ort gut vernetzt“, sagt Wilhelm Stein. „Als es hieß, Blaskapellen dürfen wieder proben, da hat sich glücklicherweise ein Kontakt zu der Firma Süllwold ergeben“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Seit gut sechs Wochen sitzen die Mitglieder der traditionsreichen Kapelle jetzt zu ihren wöchentlichen Proben im großen Kreis in der Werkshalle des Metallbetriebes in Eidinghausen. Mit knapp zwei Metern Abstand zu­einander, den Blick auf den Dirigenten Yasuo Wada gerichtet.

Der lässt in der hohen Halle zunächst Tonleitern anspielen, dann einige Takte Marschmusik. Doch immer wieder winkt er ab; das Zusammenspiel gestaltet sich schwierig, denn es hallt, und die Musiker sitzen so weit voneinander entfernt, dass Blechbläser und Holzbläser einander nicht unbedingt hören.

Kompromisse erforderlich

„Wir müssen viele Kompromisse machen“, sagt Simone Hannig. Die stellvertretende Vorsitzende trägt dafür Sorge, dass die Corona-Schutzauflagen eingehalten werden. Dazu gehört auch, dass einige Schalltrichter der Blasins­trumente mit dem so genannten Pop-Schutz versehen sind. Das sind Stoffbezüge, die verhindern sollen, dass sich Aerosole ausbreiten.

Auch Raimund Hannig hat einen solchen Schutz über den Trichter seines Tenorhorns gezogen. „Selbstgenäht“, verkündet der 76-Jährige stolz. Seit über sechs Jahrzehnten ist er im Verein. „Da habe ich schon so manches erlebt“, sagt das dienstälteste Mitglied schmunzelnd. Deshalb kommt für ihn auch nicht in Betracht, „dass Corona eine so traditionsreiche Kapelle in die Knie zwingt“, wie er sagt.

Immerhin seit 100 Jahren eine Instanz in Dehme, ist der Musikverein untrennbar mit der Geschichte der Feuerwehr verknüpft. „Inzwischen haben wir die vierte Generation Bläser am Start“, erzählt Simone Hannig und freut sich, dass von den mehr als 20 Mitgliedern auch in schwierigen Zeiten alle dem Verein die Treue halten. Denn: „Wir proben und leben ja eigentlich für unsere Auftritte. Dafür, dass wir den Menschen mit unserer Musik Freude machen“, sind sich Wilhelm Stein und Simone Hannig einig.

Alle Darbietungen abgesagt

Da tut es schon weh, dass in diesem Jahr alle Darbietungen abgesagt wurden. Ob beim traditionellen Besuch in der Maternusklinik, dem Backfest Dehme, auf dem Sommerkonzert oder beim Weihnachtsmarkt in Eidinghausen – der Musikverein Dehme „gehört für viele einfach dazu“, fasst Hannig zusammen. Das bunte Repertoire aus traditioneller Blasmusik, Märschen und Potpourris, gemischt mit Filmmusiken und Evergreens, komme bei den Zuhörern immer gut an.

Normalerweise spült der musikalische Einsatz der Blaskapelle einen vierstelligen Betrag in die Vereinskasse – doch in diesem Jahr bleibt sie leer. „Wir haben zwar wenige Ausgaben“, räumt Hannig ein. „Doch für die Jugendarbeit brauchen wir Geld“, stellt die Musikerin klar. Ausbildung, Noten, auch mal ein Trainingswochenende. „Vielleicht finden sich Sponsoren, die das übernehmen möchten“, überlegt Hannig. Denn ihr ist wichtig, besonders für die Jugendlichen ein Zeichen zu setzen, dass ihr Einsatz Sinn macht. „Gemeinsam für den guten Ton“, ist ein Motto des Musikvereins Dehme. Das bleibt auch in Corona-Zeiten gültig.

Rubrik: „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“

Im Rahmen der Reihe „Kulturbühne“ sind bislang diese Beiträge erschienen:

Vorhang auf für die Kulturbühne

Folge 1: Bildhauerin Astrid Mulch

Folge 2: Theatergruppe Newcomers

Folge 3: Quartettverein Bad Oeynhausen

Folge 4: Violinistin Veronika Bejnarowicz

Folge 5: Kleines Theater Rehme

Folge 6: Handstand-Artist Sven Böker

Folge 7: Flechtwerkgestalterin Kerstin Eikmeier

Folge 8: Kantorei an der Auferstehungskirche

Folge 9: Last Action Heroes

Folge 10: Improtheater Spek-Spek

Folge 11: Oboistin Hannah Mörchen

Folge 12: Rollschuhabteilung des RRC Lohe

Folge 13: Comedienne Joanna Steinmann

Folge 14: Staatsbad-Jugendorchester

Anrufen und GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ dem Musikverein Dehme Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis Sonntag, 18. Oktober, über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50 €Euro/Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté verlost. Nach einer Corona-Zwangspause läuft der Spielbetrieb dort wieder seit dem 24. Juli. Der Rechtsweg ist bei der Aktion ausgeschlossen.

 

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