Familie des verletzten Hassan Hammoud (27) wendet sich an die Öffentlichkeit
Nach Innenstadt-Attacke: Tatverdächtiger wieder frei

Bad Oeynhausen (WB/lmr). Nach dem Angriff auf den Libanesen Hassan Hammoud am Montag, bei dem der 27-Jährige eine Stichverletzung erlitten hat, kommen immer mehr Details ans Tageslicht. Auf der Herforder Straße, zwischen dem Restaurant „New Orleans“ und dem Nordbahnhof, ist der Bad Oeynhausener mit einer Stichwaffe schwer verletzt worden .

Mittwoch, 28.10.2020, 09:37 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 10:02 Uhr
Im Krankenhaus haben Polizisten der Familie Hammoud eine Gefährderansprache gehalten. Foto: Ruthe
Im Krankenhaus haben Polizisten der Familie Hammoud eine Gefährderansprache gehalten. Foto: Ruthe

Einen Tag später wendet sich die Familie an die Öffentlichkeit, um ihre Sicht auf den Vorfall zu schildern. Bereits am Montagabend hat Ali Hammoud (32), Bruder des Verletzten, über die Sozialen Medien ein Video, in dem er nach seinem Erleben detailliert die Auseinandersetzung schildert, verbreitet. Auslöser des Geschehens am Montagmorgen auf offener Straße sollen nach der Beschreibung von Ali Hammoud, Inhaber einer Gebäudereinigung und künftiges Integrationsratsmitglied der Stadt Bad Oeynhausen, ein falsch abgestellter Anhänger sowie zwei Palmen, die vor der Löschwasserzufuhr für das Lenné-Karree standen, gewesen sein.

„Am Freitagmorgen hat im Lenné-Karree die Brandmeldeanlage angeschlagen“, berichtet der Bad Oeynhausener. Dort ist Ali Hammoud Hausmeister. Nachdem sich der Einsatz als Fehlalarm herausstellte, „wurde ich von der Feuerwehr auf die Anhänger und Palmen der benachbarten Gastronomie vor der Löschwasserzufuhr aufmerksam gemacht und gebeten, dafür zu sorgen, dass die Einspeisungsstelle für das Löschwasser nicht mit solchen Dingen versperrt ist.“

Spezialkräfte der Polizei in Bad Oeynhausen im Einsatz

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  • Foto: Christian Müller, Jenny Karpe
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Dass es zu diesem Einsatz gekommen ist, bestätigte der Leiter der Feuerwehr Bad Oeynhausen im Gespräch mit dieser Zeitung. Am nächsten Morgen habe Ali Hammoud den Besitzer des Lokals darauf angesprochen. „Einfach so hat er mein Leben bedroht“, sagt Ali Hammoud. Er habe dies nicht ernst genommen. Erst als am Samstagnachmittag auch sein Vater mit dem Tode bedroht worden sei, „kam mir die Sache immer seltsamer vor.“ Nach einem „ruhigen Sonntag“ sei Ali Hammoud am Montagmorgen erneut ins Lenné-Karree gefahren, um dort seiner Arbeit nachzugehen. Durch „einen Zufall“ seien auch sein Bruder sowie sein Vater an diesem Morgen vor Ort gewesen, als es erneut zu einem verbalen Konflikt mit „dem lieben Nachbarn“ kam.

„Ich habe versucht, die Situation zu beruhigen, denn mein Bruder hat sehr impulsiv auf die Drohung reagiert“, berichtet Ali Hammoud. Doch dann seien drei weitere Personen aus dem Lokal herausgestürmt, mit Baseballschlägern, Schlagstöcken und Messern in der Hand. Sie seien auf die drei Männer zugerannt. Sichtlich angeschlagen erzählt sein 27-Jähriger Bruder Hassan Hammoud am Dienstag, dass er zuerst zugeschlagen habe, nachdem die Drohungen gegen die Familie immer „skrupelloser“ geworden seien. Von dem später tatverdächtigen Gegenüber soll zudem eine Schusswaffe gezogen worden sein. Diese sowie die Stichwaffe hat die Polizei noch nicht sicherstellen können.

Hintergründe weiter unklar

„Ich habe einen Schlag auf den Hinterkopf bekommen, dann war ich sehr benommen. Als nächstes kann ich mich nur noch daran erinnern, dass ich meinen Bruder blutüberströmt auf der Herforder Straße gefunden habe“, berichtet Ali Hammoud. Passanten hätten da schon erste Hilfe geleistet und die Polizei gerufen. „Wäre meinem Bruder nicht sofort geholfen worden, wäre er jetzt tot“, sagt Ali Hammoud.

Der verletzte Hassan Hammoud beschreibt seinen eigenen Zustand am Dienstag als kritisch, da er Blut in der Lunge habe. In Lebensgefahr schwebe er jedoch nicht. Zuletzt lebte Hassan Hammoud von 2012 bis vor wenigen Wochen mit seiner Frau und seinen vier Kindern in Wuppertal. „Wir sind wieder nach Bad Oeynhausen gezogen, weil wir näher an der Familie sein wollten“, sagt er. Arbeit habe der Bad Oeynhau­sener deutschlandweit als Personenschützer.

SEK-Einsatz am Restaurant „New Orleans“

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Nach Auskunft der Polizei Bielefeld sei eine Gefährderansprache auf beiden Seiten vorgenommen worden und es seien entsprechende Kontrollmaßnahmen ergriffen worden. Die drei Festgenommenen, der Haupttatverdächtige sowie zwei mutmaßliche Mittäter, sind am Dienstagmittag entlassen worden. Der Aspekt der Tötungsabsicht habe sich seitens der Staatsanwaltschaft nach den bisherigen Ermittlungen nicht bekräftigt, folglich kamen die vorläufig festgenommenen Männer wieder auf freien Fuß.

Die Hintergründe der Tat sind laut Polizei weiter unklar und Gegenstand der Untersuchungen. Die Ermittlungen zum Aufenthaltsort eines mutmaßlich an der Tat beteiligten Flüchtigen dauern an. Am Montag waren Beamte eines Spezialeinsatzkommandos vor Ort und durchsuchten das „New Orleans“ nach einem Hinweis, dass sich der Mann in dem zu diesem Zeitpunkt geschlossenen Restaurant aufhalten könnte. Dies bestätigte sich nicht. Auch am Dienstag gab es weitere Durchsuchungen. Die gebildete Mordkommission „Corso“ sucht Zeugen, die das Tatgeschehen am Montag gegen 9.40 Uhr beobachtet oder gefilmt haben. Sie bittet sie, sich bei der Polizei Bielefeld, Tel. 0521/5450, oder jeder anderen Polizeidienststelle zu melden.

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