Anwohner der Rolandstraße wehren sich gegen die Pläne der Stadt – Angst vor Verkehrschaos
Kita-Neubau wird zum Streitfall

Bad Oeynhausen -

Stadt und Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) planen an der Rolandstraße, im Bereich der ehemaligen Britensiedlung, einen neuen Kindergarten. Darüber sind Susanne Wiete sowie Renate und Wolfgang Sarrach sauer. Nicht wegen des potenziellen Kinderlärms, wie sie selbst sagen. Die Anwohner der Rolandstraße ärgern sich vor allem über die Informationspolitik der Stadt.

Freitag, 20.11.2020, 18:07 Uhr
Anwohner der Rolandstraße wehren sich gegen die Pläne der Stadt – Angst vor Verkehrschaos: Kita-Neubau wird zum Streitfall

 

Der Standort für den neuen Kindergarten liegt mitten im Wohngebiet rund um das Schulzentrum Süd. Auch ohne den Kindergarten sei das Verkehrsaufkommen hoch, wie die Anwohner berichten: „Wir haben hier den Verkehr des Schulzentrums und derzeit eine Mehrbelastung durch die Baustelle an der Steinstraße, weil viele Autofahrer sich einen Weg durch die Nebenstraßen suchen“, sagt Wolfgang Sarrach. Der Anwohner fürchtet, dass durch den Neubau vis-à-vis zu seinem Eigenheim nicht nur der Verkehrslärm zunehmen könnte, er sieht vor allem in der Infrastruktur das größte Problem: „Die Rolandstraße, aber auch die Gneisenaustraße sind sehr schmal. Wenn ein Auto am Straßenrand parkt, kommt man so schon kaum vorbei. Wie soll das werden, wenn dann noch der Bring- und Abholverkehr des Kindergartens dazukommt“, fragt sich Sarrach. Seine Frau Renate fürchtet derweil um ihren Schlaf: „Ich bin im Schichtdienst tätig, wie soll das werden? Unser Schlafzimmerfenster liegt zur Straße.“

Das Ehepaar ist verärgert, dass die Stadt im Vorfeld der Planungen nicht mit den Anwohnern gesprochen habe. „Von dem Vorhaben haben wir erst durch eine Einladung der Johanniter zu einer Informationsveranstaltung rund um den Neubau erfahren“, berichtet Wolfgang Sarrach. Auch Susanne Wiete fühlt sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Weil die Informationsveranstaltung wegen der Pandemie kurzfristig abgesagt werden musste, hätten die Anwohner versucht, über Stadtverwaltung und Bauamt Informationen zu erhalten: „Vergebens. Niemand konnte oder wollte uns etwas darüber sagen“, fügt Susanne Wiete hinzu.

Als Alternative zur entfallenen Info-Veranstaltung hatten die Anwohner kurze Zeit später ein Anschreiben im Briefkasten, das sie dazu aufforderte, in einem Fragebogen ihre Sorgen, Wünsche und Hoffnungen bezüglich des Neubaus aufzuschreiben. Mit einer Auswertung sei laut der JUH bis Mitte Dezember zu rechnen. „Wir fühlen uns nicht ernst genommen und glauben nicht daran, dass unsere Einsendungen etwas bringen werden“, meint Renate Sarrach.

Die Anwohner bezweifeln außerdem die Notwendigkeit einer zusätzlichen Kindertagesstätte in der Innenstadt: „Wir haben fünf Einrichtungen in der Nähe. Auf der Westseite hingegen gibt es nur eine. Wieso verteilt man sie nicht auf die ganze Stadt?“, fragt Wolfgang Sarrach.

Die Gründe dafür erläutert Stadt-Pressesprecher Volker Müller-Ulrich aus Sicht der Stadtverwaltung: „Im Jugendhilfeausschuss wurde der Bedarf für eine weitere Kita im Bereich Innenstadt festgestellt. Aktuell haben wir laut Jugendhilfeplan 1196 Ü3-Plätze und 228 U3-Plätze. 98 Plätze wurden übergangsweise zusätzlich geschaffen, die zum neuen Kindergartenjahr voraussichtlich wegfallen werden. Zu den Plätzen in Einrichtungen kommen noch 220 Tagespflegeplätze. Der Jugendhilfeplan nennt für das Kindergartenjahr 2021/ 2022 einen Bedarf für 1349 Ü3-Kinder und 536 U3-Kinder.“

Laut Auskunft der Stadt soll die Einrichtung, die im östlichen Teil der ehemaligen Britensiedlung entstehen soll, Platz für 71 Kinder bieten. Wann mit dem Bau begonnen werden soll, ist nicht bekannt. In einer Stellungnahme der Stadt teilt der Pressesprecher ergänzend mit: „Der Kaufvertrag für das Grundstück ist mittlerweile geschlossen, so dass es sich für den geplanten Bau der Kita im Eigentum der Stadt befindet. Derzeit klären wir die rechtlichen Voraussetzungen für die Übergabe des Grundstücks an den Kita-Träger und in Abstimmung mit dem Landschaftsverband Westfalen Lippe die Rahmenbedingungen für die Ausschreibung der Bauarbeiten. Gleichzeitig wird der Vertrag zwischen der Stadt Bad Oeynhausen und den Johannitern als Träger vorbereitet.“ Volker Müller-Ulrich weist auch darauf hin, dass das Vorhaben einer Kita an der Britensiedlung nicht neu sei: „Seit Dezember 2019 ist das Grundstück an der Rolandstraße konkret dafür vorgesehen.“

Die Anwohner wollen indes noch nicht aufgeben: „Wir wollen dem neuen Bürgermeister schreiben“, sagt Renate Sarrach. Auch juristische Schritte schließt die Anwohnerin nicht aus.

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