Dr. Dieter Pfalzgraf schließt seine Hausarztpraxis auf der Lohe zum Februar – Nachfolgeregelung ist noch offen
Mehr Zeit für Familie und Motorrad

Bad Oeynhausen-Lohe -

Um mehr Zeit für sich und seine Familie zu haben, schließt Dr. Dieter Pfalzgraf zum Februar kommenden Jahres seine Hausarztpraxis auf der Lohe. Dort hat er knapp 30 Jahre lang seine Patienten behandelt. Von ihnen bekommt er für seine Entscheidung reihenweise Zuspruch.

Sonntag, 22.11.2020, 13:26 Uhr
Dr. Dieter Pfalzgraf dankt seinen Mitarbeitern und allen Patienten für die vielen schönen Jahre. Er hat knapp 30 Jahre lang in seiner Praxis auf der Lohe kranke Menschen behandelt. Jetzt freut er sich auf mehr Zeit für seine Familie. Ob es einen Nachfolger geben wird, steht noch nicht fest.
Dr. Dieter Pfalzgraf dankt seinen Mitarbeitern und allen Patienten für die vielen schönen Jahre. Er hat knapp 30 Jahre lang in seiner Praxis auf der Lohe kranke Menschen behandelt. Jetzt freut er sich auf mehr Zeit für seine Familie. Ob es einen Nachfolger geben wird, steht noch nicht fest. Foto: Kristin Wennemacher

Dass er Hausarzt werden möchte, wusste der heute 61-Jährige schon früh. Bewusst wurde es ihm durch seine Nebentätigkeit im Krankenhaus während seines Medizin-Studiums. Er fasste den Entschluss: „Ich möchte meine eigene Praxis aufmachen.“

Und so kam es, dass er nach der Beendigung seines Studiums für eine lange Zeit nach einer Möglichkeit suchte, seinen Traum zu verwirklichen. Plötzlich wurde ihm das damals noch unbebaute Grundstück auf der Lohe gezeigt. „Ich habe gleich gemerkt, dass ich hier meine Praxis eröffnen möchte“, erinnert er sich.

1992 ging es los

Im Jahr 1992 konnte der Mediziner diese eröffnen und ist noch heute stolz auf diesen Entschluss: „Das war meine zweitbeste Entscheidung in meinem Leben.“ Dabei stehe die Heirat seiner Ehefrau Gabriele an erster Stelle.

Die ersten Jahre als Hausarzt wurden ihm aber nicht leicht gemacht. Damals habe er viel mehr Kinder behandelt als der durchschnittliche Hausarzt. Das führte dazu, dass er der Kassenärztlichen Vereinigung ein Ordnungsgeld entrichten musste. Auch manche Kinderärzte in der Umgebung riefen ihre Patienten dazu auf, seine Praxis nicht zu besuchen.

Dafür verliefen die darauf folgenden Jahre umso besser. Als Zuhörer und Begleiter machte er sich auf der Lohe und in der Umgebung einen Namen. Der Grund dafür ist, dass es für ihn an oberster Stelle steht, sich genügend Zeit für seine Patienten zu nehmen: „Ich behandele sie so, wie ich gerne behandelt werden möchte. Das gab ich meinen Mitarbeitern weiter“, erklärt er.

„Das war der bitterste Tag“

Dass ab Februar Schluss sein wird, machte er vor etwa zwei Monaten öffentlich. Am schwierigsten war es, diese Entscheidung seinen Mitarbeitern mitzuteilen: „Das war der bitterste Tag“, ist sich Dieter Pfalzgraf sicher und fügt hinzu, „ich finde, wir waren ein ganz besonderes Team. Es ist schade, dass es das nicht mehr geben wird.“

Beeindruckt ist er von den Reaktionen seiner Patienten: „Alle sagen zu mir, dass es eine gute Entscheidung ist.“ Etwa 1500 Patienten habe er in einem Quartal behandelt. Dabei liegt der Durchschnitt in Ostwestfalen-Lippe bei 920.

Ob es einen Nachfolger geben wird, steht noch nicht fest. Zwar habe es Bewerber gegeben, jedoch haben sich manche von ihnen für eine andere Stelle entschieden oder meinten ihre Bewerbung nicht gänzlich ernst. Letzteres sieht Dieter Pfalzgraf als problematisch an: „Die wenigsten jungen Menschen möchten eine Hausarztpraxis.“

Zu viel Arbeit, kein Unternehmergeist und eine zu große Verantwortung sei es für die jungen Mediziner, vermutet er. Daher entscheiden sich einige für eine Tätigkeit im Ausland oder arbeiten in Krankenhäusern. Außerdem kritisiert er, dass sich zu wenige Ärzte politisch engagieren. Zudem sei der Druck der Kassenärztlichen Vereinigung zu hoch.

Viele neue Pläne und Ziele

„Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Dr. Pfalzgraf. Er blickt auf fast 30 Jahre guter Erinnerungen zurück und freut sich gleichzeitig auf sein „zweites Leben“. So plant er als leidenschaftlicher Motorradfahrer, mit seinen drei Harley-Davidson-Maschinen Touren durch Deutschland zu unternehmen.

„Ich habe auch den Oldtimer für mich entdeckt“, erzählt er. Nebenbei möchte er sich mehr für die Natur engagieren. Auch mit der Musik möchte Dieter Pfalzgraf wieder anfangen. Sein Schlagzeug würde nämlich seit Jahren einstauben, meint er. Am meisten freut er sich aber auf die Zeit mit seiner Familie: „Unsere Kinder nehmen uns mit auf ihrem Lebensweg.“

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