Mitarbeiter der Mühlenkreiskliniken bringen ihre Ideen ein – Viele Vorschläge von Intensiv-Fachpfleger Timo Mayer
Ungekrönter König der Ideenbörse

Bad Oeynhausen/Minden -

Im Silicon Valley nennt man es „Spaghetti-Strategie“: Man lässt die Mitarbeiter frei von Zwängen viele Ideen entwickeln, testet diese, verwirft die meisten, aber revolutioniert mit den übrigen die Welt. Um im Spaghetti-Bild zu bleiben: Man wirft Spaghetti an die Wand, die meisten fallen herunter, aber einige wenige bleiben hängen. Angeblich ist auf diese Weise die Idee zum ersten iPhone und damit das Prinzip des Smartphones entstanden.

Montag, 04.01.2021, 15:04 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 15:06 Uhr
Intensivpfleger Timo Mayer ist ungekrönter König der Ideenbörse bei den Mühlenkreiskliniken. Zahlreiche seiner Vorschläge sind bereits umgesetzt worden – so die Verplombung der Notfallrucksäcke auf den Intensivstationen, was ihm und seinen Kollegen etwa vier Stunden Arbeitszeit im Monat spart. Auf für ihn lohnt sich sein Einfallsreichtum: Seine Ideen haben ihm schon einige Tausend Euro eingebracht.
Intensivpfleger Timo Mayer ist ungekrönter König der Ideenbörse bei den Mühlenkreiskliniken. Zahlreiche seiner Vorschläge sind bereits umgesetzt worden – so die Verplombung der Notfallrucksäcke auf den Intensivstationen, was ihm und seinen Kollegen etwa vier Stunden Arbeitszeit im Monat spart. Auf für ihn lohnt sich sein Einfallsreichtum: Seine Ideen haben ihm schon einige Tausend Euro eingebracht. Foto: MKK / Sven Olaf Stange

 

Auch bei den Mühlenkreiskliniken (MKK) gibt es seit langer Zeit eine solche Institution. Spaghetti werden zwar nicht geworfen, aber die Mitarbeiter sind aufgerufen, Verbesserungsideen zu entwickeln und einzureichen. Eine Jury, bestehend aus Standortvertretern sowie Vertretern des Betriebs- und Personalrats, bewertet die Ideen und lobt Preise bis zu 1000 Euro je Vorschlag aus. Über die Umsetzung der Ideen entscheidet die Unternehmensleitung. Auf diese Weise sind schon 240 Ideen der Mitarbeiter prämiert worden.

Die konzerneigene Ideenbörse tritt jetzt unter neuem Namen „MKK Impulse – Ihre Idee bewegt uns“ auf. Der bisherige sperrige Name „Betriebliches Vorschlagswesen“ hat ausgedient. Zudem können Ideen jetzt digital eingereicht werden. Auch ihre Bearbeitung erfolgt nun mittels eines digitalen Workflows. Das soll wesentlich schneller gehen. „Damit wollen wir unsere Ideenbörse attraktiver machen und unsere mehr als 5100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einladen, Ideen einzureichen. Es sind letztlich diese Ideen, die uns als Gesundheitskonzern voranbringen“, sagt die Abteilungsleiterin des Projektmanagements Julia Städter, die die MKK Impulse organisiert.

Der ungekrönte König der Ideenbörse ist Intensivfachpfleger Timo Mayer. Er hat bislang acht Vorschläge eingereicht, die fast alle umgesetzt wurden. Seine Lieblingsidee spart seinen Kollegen jeden Monat etwa vier Stunden Routinearbeit. Zeit, die sie nun mehr für die Patienten auf den Intensivstationen I12 und I13 im Johannes-Wesling-Klinikum haben. Die Idee kam ihm bei der vorgeschriebenen monatlichen Kontrolle der Notfallrucksäcke auf der Intensivstation. Die mit allen wichtigen Medikamenten und Hilfsmitteln ausgestatteten Rucksäcke werden auf dieser Station so gut wie nie gebraucht. Dennoch sind sie wichtig. Jeder muss sich immer darauf verlassen können, dass im Notfall alle etwa 200 standardisierten Inhaltselemente an ihrem Platz sind. Doch die zeitfressende Kontrolle nervte Intensivpfleger Timo Mayer zunehmend. Deswegen kam ihm die Idee, die vier Rucksäcke auf seiner Station einfach mit einer Plombe zu versehen und auf einer Inventarliste alle Ablaufdaten aufzulisten: „So ist der Rucksack jederzeit einsetzbar und niemand braucht Angst zu haben, dass irgendetwas herausgenommen und nicht wieder aufgefüllt wurde“, erklärt er. Pro Rucksack kostete die Kontrolle etwa eine Stunde. „Diese vier Stunden pro Monat haben wir jetzt mehr Zeit für unsere Patienten. Und das bei gleicher Sicherheit im Notfall“, sagt Mayer.

Mit einem weiteren Vorschlag hat er die Verlegung von Patienten vereinfacht. Wird ein Patient in ein anderes Krankenhaus oder eine Reha-Einrichtung verlegt, müssen bestimmte Befunde und medizinische Daten mitgegeben werden. Das erfolgt klassisch in Papierform in einem Umschlag. Doch was kommt in diesen Umschlag? „Bevor man jedes Mal wieder nachschaut, habe ich vorgeschlagen, eine Checkliste auf den Umschlag drucken zu lassen. So weiß jeder, was hinein muss, und kann es abhaken, sobald man es in den Umschlag gesteckt hat. Auch die Kollegen können sofort sehen, welche Unterlagen schon da sind. Das hat zu deutlich weniger Anrufen und Nachfragen aus den aufnehmenden Häusern geführt“, erklärt Timo Mayer.

Mittlerweile hat er schon einige Tausend Euro Prämien aus der Ideenbörse erhalten. Seine Kollegen nennen es bereits scherzhaft einen „eingeplanten Lohnbestandteil“. „Und ich bin bei Weitem noch nicht fertig. Ich habe noch mindestens für die nächsten zehn Jahre Vorschläge“, sagt er.

Mit seinem Ideenreichtum hat er mittlerweile auch seine Kollegen angesteckt. Sven Urban hat auch bereits etliche Ideen vorgeschlagen. Seine Lieblingsidee ist der Verzicht auf Ernährungspumpen in der Intensivpflege. „Früher mussten die Magensonden über eigene Systeme gesteuert werden, um eine Verwechslung auszuschließen. Das war aber wieder ein Gerät mehr, welches gewartet und im Blick behalten werden musste. Zudem muss es für jedes Gerät eine Geräteeinweisung und regelmäßige Schulungen geben. Ich habe vorgeschlagen, auf die Ernährungspumpen zu verzichten und stattdessen die normalen Spritzenpumpen zu benutzen. Durch ein neues Anschlusssystem ist eine Verwechslung zwischen intravenösen Medikamenten und der Nahrung völlig ausgeschlossen“, erklärt Urban. 500 Euro war dem Bewertungsausschuss diese Idee wert. Und auch die Geschäftsführungen und den Vorstand hat diese Idee überzeugt. Nach und nach werden nun alle Ernährungssonden außer Dienst gestellt und auf das neue, besser handhabbare System über die normalen Spritzenpumpen umgestellt.

Professor Dr. Heinz-Jürgen Lakomek, der die Jury der MKK Impulse leitet, ist begeistert von solchen Ideen. „Das bringt uns voran. Und niemand kann solche Impulse besser geben als diejenigen, die täglich damit arbeiten“, erklärt er.

MKK Impulse steht Mitarbeitern aus allen Bereichen zur Verfügung. So hat beispielsweise Melanie Brüggemann aus dem Sekretariat der Geschäftsführerin des Krankenhauses Lübbecke Tanja Nestler eine Inhouse-Schulung für Sekretariate im Krankenhaus vorgeschlagen. „Mir war bei Fortbildungen aufgefallen, dass sie sehr allgemein und nicht unbedingt für die Situation in einem Krankenhaus geeignet waren. Also habe ich mir gedacht, dass es sinnvoll ist, eine spezielle Schulung bei uns anzubieten“, erklärt Melanie Brüggemann. Die hat bereits mehrfach stattgefunden und hat Melanie Brüggemann 300 Euro beschert.

Und was war die bislang skurrilste Idee, die beim Vorschlagswesen eingereicht wurde? „Die Idee, das Vorschlagswesen zu verbessern. Und genau das haben wir jetzt gemacht. Wir sind jetzt digital und haben einen neuen Namen und einen neuen Auftritt. Mit den ‚MKK Impulse‘ werden die Mitarbeiter die Mühlenkreiskliniken noch weiter voranbringen“, sagt Julia Städter (Projektmanagement). Und wer hat den Vorschlag zur Verbesserung des Vorschlagswesens gemacht? Klar, der König des Vorschlagswesens Timo Mayer. Für den Vorschlag gab es aber nur einen Sachpreis.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7750729?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516044%2F
BVB feiert Pokalsieg nach Sieg gegen Leipzig
Dortmunds Top-Stürmer Erling Haaland hebt den Pokal in die Höhe. Der BVB hat den DFB-Pokal zum fünften Mal gewonnen.
Nachrichten-Ticker