Land gibt keine Informationen zum Bieterverfahren für Casino-Gruppe
Geheimsache Westspiel

Düsseldorf/Bad Oeynhausen/Espelkamp -

Die Privatisierung der landeseigenen Casino-Gruppe Westspiel mit den Spielbanken-Standorten Aachen, Bad Oeynhausen, Dortmund und Duisburg wird zur großen Geheimsache. Das Land NRW ließ nach Ablauf der Anmeldefrist für Interessenten am Montag mitteilen, dass das gesamte Bieterverfahren vertraulich ist.

Dienstag, 02.02.2021, 04:10 Uhr aktualisiert: 02.02.2021, 06:24 Uhr
Roulette im Casino Bad Oeynhausen. Die Spielbank in OWL ist einer von vier Standorten der bislang landeseigenen Westspiel-Gruppe, die nun in einem Bieterverfahren privatisiert werden soll.
Roulette im Casino Bad Oeynhausen. Die Spielbank in OWL ist einer von vier Standorten der bislang landeseigenen Westspiel-Gruppe, die nun in einem Bieterverfahren privatisiert werden soll. Foto: WestSpiel

„Dies betrifft bereits die Frage, ob und wie viele Anträge im Teilnahmewettbewerb eingereicht wurden“, erklärte Marc Oswald von der vom Land mit der Transaktion beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton AG in Düsseldorf. Es müsse nun zunächst geprüft werden, „ob die eingereichten Teilnahmeanträge und Unterlagen vollständig sind und alle formellen Anforderungen erfüllen“.

Im Vorfeld der ersten Frist in dem mehrstufigen Bieterverfahren wurde in Branchenkreisen über eine Handvoll Interessenten spekuliert. Als ein Kandidat gilt die Gauselmann-Gruppe in Espelkamp (Kreis Minden-Lübbecke), die bereits Mitbetreiber von Spielbanken in Berlin und Sachsen-Anhalt ist. Gauselmann-Sprecher Mario Hoffmeister lehnte eine Stellungnahme zum Bieterverfahren ab.

Folgen der Corona-Krise können Gebote beeinträchtigen

Als weitere Interessenten gelten der Gauselmann-Erzrivale Novomatic aus Österreich, mit dem die Espelkamper in Berlin gemeinsam Spielbanken betreiben, sowie das Wiener Unternehmen Casinos Austria, das 2004 den Zuschlag für zehn Spielbanken in Niedersachsen für 90 Millionen Euro erhielt. Als Kandidat galt auch der in Malta ansässige Sportwetten- und Onlinecasino-Anbieter Tipico. Es war aber fraglich, ob er alle Anforderungen erfüllt. Tipico könnte aber auch Teil einer Bietergemeinschaft sein.

Das Land will die Spielbanken-Konzession für 15 Jahre vergeben, mutmaßlich ab 2022. Sie umfasst auch die Erlaubnis zweier weiterer Standorte, im Gespräch waren zuletzt Münster und Köln oder Düsseldorf. Der Gesamtwert der Westspiel-Gruppe mit 900 Mitarbeitern wird in den Ausschreibungsun­terlagen auf 2,7 Milliarden Euro taxiert. Über einen Kaufpreis sagt die Summe aber wenig aus. Auch könnten die Folgen der Corona-Krise die Gebote beeinträchtigen. Die Glücksspiel-Branche leidet unter den Schließungen von Spielhallen und Casinos, bei Gauselmann sind mehrere tausend der 14.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Auswahl von drei Bietern geplant

Im zweiten Schritt steht nun die eigentliche Angebots- und Verhandlungsphase bevor. Dabei sollen drei Bewerber oder Bietergemeinschaften, die ein Eigenkapital von mindestens 20 Millionen Euro vorweisen und über Erfahrungen im Spielbanken-Geschäft verfügen müssen, zur Abgabe eines konkreten Angebots aufgefordert werden. Sofern mehr als drei Bewerber die Voraussetzungen erfüllen, soll die Auswahl anhand eines Kriterienkatalogs erfolgen. So erhalten Bewerber Punkte etwa für den Betrieb stationärer Spielbanken in den vergangenen drei Jahren, für im Glücksspielbereich tätige Mitarbeiter, Umsatzgrößen im Glücksspielbereich sowie in der Gastronomie.

Die bis zu drei ausgewählten Bewerber sollen dann nach Angebotsabgabe zu einer ersten Verhandlungsrunde eingeladen werden. Auf Basis dieser Gespräche soll dann ein einheitlicher Vertragsentwurf erarbeitet werden, für den die Bewerber ihr Gebot abgeben sollen. Mit den beiden Höchstbietenden sind anschließend finale Verhandlungen geplant. Dem Meistbietenden soll schließlich durch Zustimmung des Innenministeriums die Konzession erteilt werden.

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