Unbekannte zerstören Jalousien am künftigen Flüchtlingswohnheim am Hindenburgring – Staatsschutz ermittelt
Brandsatz beschädigt Flüchtlingsunterkunft

Espelkamp (WB). Nach der schweren Sachbeschädigung am künftigen Flüchtlingswohnheim am Hindenburgring ist die Besorgnis bei den Verantwortlichen der Stadtverwaltung und bei der Polizei groß. Ein Unbekannter hat dort am Samstag einen Brandsatz gezündet. Der Schaden hält sich allerdings in Grenzen. 

Montag, 24.08.2015, 14:49 Uhr aktualisiert: 25.08.2015, 12:50 Uhr
Unbekannte zerstören Jalousien am künftigen Flüchtlingswohnheim am Hindenburgring – Staatsschutz ermittelt : Brandsatz beschädigt Flüchtlingsunterk...
Achim Post, SPD-Bundestagsabgeordneter, und Claudia Strobel, SPD-Ratsmitglied in Espelkamp, haben sich gestern vor Ort ein Bild von dem Schaden an den Containern gemacht. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen zu der Tat aufgenommen. Foto: Felix Quebbemann

»Am Samstagabend um kurz vor 20 Uhr hat uns der Bauunternehmer, der dort die Container aufstellt, angerufen«, sagte Ralf Steinmeyer, Sprecher der Kreispolizeibehörde in Minden. Der Unternehmer habe mitgeteilt, dass an den Flüchtlingsunterkünften ein Brandsatz zwei Kunststoff-Jalousien und die Fensterrahmen an der Front beschädigt habe. »Wir haben sofort den Staatsschutz, wie es in solchen Fällen üblich ist, in Kenntnis gesetzt«, erläuterte Steinmeyer.

Staatsschutz ermittelt

Weitere Angaben zur Art des Brandsatzes und zu möglichen Hintergründen der Tat machte die Pressestelle des Staatsschutzes in Bielefeld nicht. Warum nur zwei Fenster, Jalousien und Rahmen beschädigt wurden, sei noch unklar. Die Ermittlungen dazu liefen derzeit noch, sagte Hella Christoph von der Staatsschutz-Pressestelle. Die Kollegen seien vor Ort gewesen und hätten sich ein Bild von dem Schaden gemacht. Erst am heutigen Dienstag könnten die ermittelnden Beamten mehr dazu sagen, sagte Hella Christoph im Gespräch mit dieser Zeitung.

Stadt ist besorgt

In der Stadtverwaltung, die den Bau der Flüchtlingswohnheime in Auftrag gegeben hatte, herrscht ebenfalls Besorgnis. Ob die Tat einen fremdenfeindlichen Hintergrund habe oder ob es sich um Nachahmer oder sogenannte Trittbrettfahrer handeln könnte, dazu könne man noch nichts sagen, erklärte Stadtsprecher Torsten Siemon. Es hätten sich jedenfalls keine fremdenfeindlichen Parolen an dem Gebäude befunden.

Derzeit sei die Stadt auch nur Auftraggeber und habe die Container noch nicht übernommen. »Wir sind nicht Herr des Verfahrens«, sagte Siemon mit Blick auf eine eventuelle Anzeige. Siemon geht davon aus, dass der Bauunternehmer eine Anzeige gegen Unbekannt stellen werde. Seinen Angaben zufolge werde es noch etwa zwei Wochen dauern, bis die Flüchtlingsunterkünfte bezugsfertig seien.

Die Stadt werde aber aufgrund des Zwischenfalls reagieren. »Wir werden das Gelände teilweise einzäunen«, sagte Siemon. Auch könne es durchaus sein, dass künftig ein Wachdienst die Container für die Flüchtlinge überwache. Polizeisprecher Ralf Steinmeyer kündigte unterdessen an, dass mit dem Bezug der Container durch die Flüchtlinge die Polizei dort verstärkt präsent sein werde. »Die Kontrollfahrten werden häufiger werden.« Dies habe die Polizei auch in Minden und in Bad Oeynhausen so gehandhabt.

Achim Post schockiert

Achim Post, der heimische Bundestagsabgeordnete der SPD, machte sich gestern vor Ort ein Bild von der Tat und zeigte sich schockiert über den Vorfall. »Da fehlen einem die Worte und ich bin entsetzt. So etwas gehört nicht zu Deutschland und schon gar nicht zu Espelkamp.« Post sprach sich dafür aus, seitens des Bundes »sehr viel Druck aufzubauen«, um solche Taten künftig zu unterbinden. Er forderte einen schnellen »Flüchtlingsgipfel« und sprach sich für eine Stärkung der inneren Sicherheit in Deutschland sowie der Polizeikräfte aus.

Steffen Kampeter, heimischer CDU-Bundestagsabgeordneter aus Minden, wollte sich noch nicht zu der Tat äußern, da er zunächst die weiteren Ergebnisse der Untersuchungen abwarten wolle. Der Aufbau der Container im Hindenburgring ist notwendig geworden, da die Zahl der Flüchtlinge, die nach Espelkamp kommen, stetig anwächst. Hat die Stadt es bis vor kurzem noch geschafft, die Flüchtlinge vor allem in Wohnungen der Aufbaugemeinschaft unterzubringen, sind diese Möglichkeiten nun erschöpft.

Container-Übergabe

Der Bau der Unterkünfte wird sich wohl trotz des Zwischenfalls von Samstagabend nicht großartig verschieben. Geplant war, die Container Anfang September an die Stadt zu übergeben. Auch gestern noch ging Siemon davon aus, dass die Beschädigungen an den zwei Fenster. den Jalousien und den Rahmen das Einzugsdatum nicht verzögern würde. 

Insgesamt sollen in den Unterkünften am Hindenburgring 32 Menschen wohnen können. Es soll die erste Auffangstation sein. Nach wenigen Wochen, so der Plan der Stadtverwaltung, sollen die Flüchtlinge, die in Espelkamp ein neues Leben beginnen wollen, in feste Wohnungen umziehen. Die Containerstadt wird nach Angaben der Stadt etwa 600 000 Euro kosten.

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