Fr., 30.03.2018

»Phantomschmerz«: Hauptdarsteller Daniel Littau spricht über Erfolge und Zukunft »Einfach machen, nicht warten«

Preise für »Bester Film«, »Bester Hauptdarsteller« und »Bester Regisseur« hat es beim New Renaissance Filmfestival gegeben. Daniel Littau (hinten, rechts) spricht im Interview über den Erfolg von »Phantomschmerz« und künftige Projekte.

Preise für »Bester Film«, »Bester Hauptdarsteller« und »Bester Regisseur« hat es beim New Renaissance Filmfestival gegeben. Daniel Littau (hinten, rechts) spricht im Interview über den Erfolg von »Phantomschmerz« und künftige Projekte.

Espelkamp (WB). »Phantomschmerz« heißt der erste Spielfilm, den das Espelkamper Camcore-Team um Daniel Littau und Andreas Olenberg abgedreht hat. Und das Werk räumt zu Beginn des Jahres ordentlich Preise ab. Littau und Olenberg waren ebenfalls auf der Berlinale, um ihr Erstlingswerk dort vorzustellen. Mareile Mattlage sprach mit Hauptdarsteller Daniel Littau über den Erfolg von »Phantomschmerz«, die Berlinale und die Zukunftspläne.

Das erste Mal auf der Berlinale: Wie war es?

Daniel Littau: Die Berlinale ist ein wirklich eindrucksvolles Festival. Die ganze Stadt verwandelt sich in ein Riesen-Event für Filmliebhaber aus der ganzen Welt. Überall sieht man Plakate, die Kinos sind geschmückt und egal wo man hin sieht, spielt sich irgendwas im Rahmen der Filmfestspiele ab. Man kann innerhalb weniger Tage mehr Menschen mit Einfluss im Filmbereich kennenlernen als vielleicht in einem gesamten Jahr. Es ist einfach wichtig als Filmemacher bei solchen Events präsent zu sein. Uns hat es eine Menge Spaß gemacht, neue Leute kennenzulernen und auch Kontakte zu knüpfen, die für zukünftige Projekte von Vorteil sein können.

Neben wem habt ihr gesessen?

Littau: Also genau genommen haben wir uns weniger an den Orten aufgehalten, an denen die Stars rumliefen. Uns war es wichtig, geschäftliche Kontakte zu knüpfen und Werbung für Camcore zu machen. Klar haben wir den einen oder anderen Star gesehen, wie zum Beispiel den Regisseur der Netflix-Erfolgsserie »Dark«, aber unser Fokus lag mehr auf der Suche nach potenziellen Partnern.

 

Beim International Moving Pictures Film Award habt ihr für »Phantomschmerz« zwei Preise abgeräumt. Beim New Renaissance Film Festival in Amsterdam gab es drei. Habt ihr mit diesem Erfolg und dieser Aufmerksamkeit gerechnet?

Littau: Die Festivalphase beginnt ja gerade erst und die Resonanz ist bisher echt nicht schlecht. Dass unser Film auch international gut ankommt, haben wir so nicht erwartet. Vor allem über die Auszeichnungen in Los Angeles freuen wir uns sehr. Jetzt muss es nur noch so weiter gehen.

 

Was gehört außer den Festival-Besuchen noch alles zur Vermarktung des Films?

Littau: So gesehen beginnt nach Fertigstellung des Films erst die richtige Arbeit. Der Film wird weltweit auf Festivals eingereicht, ein Vertriebspartner muss gefunden werden und anschließend muss eine durchdachte und für die potenziellen Zuschauer attraktive Marketingstrategie erstellt werden. Der Film soll im Herbst 2018 in den Kinos starten. Dafür müssen wir jetzt viel vorbereiten.

 

Habt ihr inzwischen einen Verleiher gefunden?

Littau: Wir haben bereits einige Interessenten, die »Phantomschmerz« in die Kinos bringen möchten. Eine andere Option, die uns im Kopf herum schwebt, ist es, den Verleih selbst zu übernehmen. Somit wären wir unabhängig und hätten die Kontrolle über den gesamten Verleih.

 

Gibt es schon einen festen Termin für die Premiere in Espelkamp? Was erwartet die Besucher im Elite-Kino?

Littau: Für Espelkamp haben wir etwas ganz Besonderes vor - nämlich die offizielle Kinopremiere im Herbst 2018. Dies soll auch ein kleines Dankeschön an die Stadt, die Bürger und die Unterstützer sein.

 

Hatte es eher praktische oder auch ideelle Gründe, dass ihr vor allem Drehorte in eurer Heimat gewählt habt?

Littau: Eigentlich war es anfangs so geplant, dass die Dreharbeiten in Berlin stattfinden. Nachdem wir uns aber einige Drehorte in Berlin angeschaut haben und es sich herausgestellt hat, dass es bei uns in der Heimat und Umgebung schöner und vor allem günstiger ist, haben wir uns schnell dazu entschieden, die Dreharbeiten nach OWL zu schieben. Es war einfach überwältigend, wieviel Unterstützung und Motivation wir von den Menschen aus Espelkamp und der Umgebung bekommen haben. Sowas ist nicht selbstverständlich und ein Traum für jeden Filmemacher.

 

Wie viel hat der Film nun am Ende gekostet? Und wie viel konnte davon durch das Crowd-funding abgedeckt werden?

Littau: Das ausgegebene Budget des Films betrug knapp über 50.000 Euro. Davon haben wir 10.000 Euro über unsere Crowd-fundingkampagne bekommen und den Rest von regionalen Sponsoren wie Firmen und privaten Investoren.

 

Eurer Film packt ein »heißes Eisen« an: Organhandel. Wie seid ihr auf dieses Thema gekommen? Ihr seid doch nicht etwa Verschwörungstheoretiker?

Littau: Die Idee zum Film kam Andy und mir irgendwann mitten in der Nacht gegen 3 Uhr. Das Thema ist aktueller denn je. Wir haben viel recherchiert und auch mit Verantwortlichen aus der Deutschen Organspende-Organisation gesprochen, um uns ein realistisches Bild der aktuellen Situation zu machen. Wir möchten mit »Phantomschmerz« nicht Partei für oder gegen Organspende ergreifen. Uns ist es wichtig, dem Zuschauer das Thema etwas näher zu bringen, damit er sich damit auseinander setzt und sich Gedanken darüber macht. Das größte Problem der sinkenden Organspenderzahlen ist, dass die Menschen nicht genug aufgeklärt sind und das Thema einfach nicht präsent genug ist. Ein sehr wichtiges Thema, das unserer Meinung nach mehr in der Öffentlichkeit behandelt werden muss.

 

Nach mehr als 70 Kurzfilmen habt ihr nun eure erste Produktion auf Kino-Niveau gemacht. Was begeistert euch so sehr am Filme machen?

Littau: Naja – Andy und ich haben im Alter von 12 und 13 Jahren mit dem Filmedrehen angefangen. Ganz spontan als einfaches Hobby, weil es uns Spaß gemacht hat, Geschichten zu erzählen und dabei machen zu können, was man möchte. An dieser Idee hat sich nichts geändert. Wir machen Filme, weil es uns Spaß macht.

 

Ist das schon immer euer Berufswunsch gewesen?

Littau: Nicht so ganz. Ich selber wollte immer mal im Zoo mit Tieren arbeiten. Andreas hatte schon immer die Leidenschaft fürs Programmieren und Spiele entwickeln. Irgendwann mal hat es sich dann ergeben, dass wir durch die Webcam, die wir von Andys Vater geschenkt bekommen haben, ein gemeinsames Hobby entdeckt haben, was dann schnell zum Berufswunsch wurde.

 

Was würdet ihr anderen Nachwuchsfilmern für die Umsetzung ihrer Projekte raten?

Littau: Aus meiner Sicht kann ich allen Filmemachern, die vorhaben, ihre eigene Idee zu verwirklichen nur raten, auf keinen Fall zu warten. Ich bin froh darüber, dass wir gesagt haben, dass wir das Ding durchziehen, egal was kommt. Ich glaube, dass solange die Leidenschaft und das Feuer in einem da ist, seine Geschichte erzählen zu wollen, man zusätzlich auch noch das Vertrauen und den Mut haben muss, unabhängig von allen Förderungen und Studios sein eigenes Ding durchzuziehen. Kurz gesagt: Einfach machen, nicht warten.

 

Habt ihr schon Ideen für neue Projekte?

Littau: Wir möchten Camcore zu einer Produktionsfirma machen, die in den Bereichen Vorproduktion, Dreh sowie Nachproduktion und Vertrieb selbstständig agiert. Somit können wir uns ganz auf unsere Geschichten konzentrieren und unabhängig produzieren. Neue Projekte haben wir bereits im Kopf und spinnen mit der Idee einer Serie herum.

Mehr zum Thema:

Eindrücke von den Dreharbeiten hat das WESTFALEN-BLATT gesammelt: So wurde etwa Schmalge zum Tatort und auch in einem Operationssaal wurde für den Film gedreht. Und Schauspieler Sven Martinek wurde für den Film in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede in eine Zelle gesperrt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5627020?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F