Mi., 11.07.2018

Großes Interesse am Qumran-Vortrag von Armin Lange im Teppichhaus Gemeinsame Wurzeln entdecken

Anne Tönsmann (links) und Jürgen Tönsmann (rechts) vom Espelkamper Teppichhaus haben den Wissenschaftler Professor Dr. Armin Lange begrüßt. Er hat in Espelkamp über die verschollenen Qumran-Rollen gesprochen.

Anne Tönsmann (links) und Jürgen Tönsmann (rechts) vom Espelkamper Teppichhaus haben den Wissenschaftler Professor Dr. Armin Lange begrüßt. Er hat in Espelkamp über die verschollenen Qumran-Rollen gesprochen. Foto: Andreas Kokemoor

Espelkamp (WB/fq). Die Zeiten, als noch auf Papyrus geschrieben wurde, sind längst vorbei. Kurz nach Christi Geburt jedoch war dies selbstverständlich. Für viele Menschen, die heute nur noch auf Bildschirme starren, eigentlich kaum noch vorstellbar.

Zeitreise

Eine solche Zeitreise zurück zu den Wurzeln der Menschheit und auch des Glaubens übt aber bei vielen Menschen eine große Faszination und Neugier aus.

»Wie genau war eigentlich das Verhältnis von Juden und Christen zueinander?« Auf diese Frage geben unter anderem die historischen Qumran-Rollen Antworten. Diese Schriften wurden vor etwa 70 Jahren in einigen Höhlen am Toten Meer entdeckt.

Professor Dr. Armin Lange – Wiener Judaist und Antisemitismusforscher sowie Experte für die Qumran-Rollen – ist im Teppichmuseum Tönsmann zu Gast gewesen, um über die Schriften zu sprechen. Das Thema jedenfalls ist hoch aktuell. Das zeigte schon das große Interesse an dem Vortrag. 180 Besucher kamen in das Teppichhaus.

In Rahden geboren

Lange fing seinen Vortrag mit Grundlagen an. »Jesus war Jude, die Apostel waren Juden, Paulus war Jude. Viele Menschen hier und heute empfinden aber eine breite Kluft zwischen Judentum und Christentum.« Sie verstünden das Christentum als eine Religion der Liebe und das Judentum als eine Religion des Gesetzes. Aus dieser Kluft habe sich Hass entwickelt. Noch heute glaubten viele Christen, dass die Juden Jesus ermordet hätten, noch heute gebe es antisemitische Bischöfe wie den Holocaust-Leugner Richard Williamson, so Lange.

Der Wissenschaftler ist gebürtiger Rahdener und hat seine schulische Laufbahn am Söderblom Gymnasium mit dem Abitur beendet. Danach folgten ein Studium der evangelischen Theologie in Münster sowie Promotion und Habilitation in Münster und Tübingen. Lange hat Professuren in den USA und Wien innegehabt. Sein Interesse am Christentum führte ihn zum Alten Testament und der hebräischen Sprache. Die Liebe zu beidem weckte Neugierde an den Qumrantexten. Sie wurden bald zu einer seiner Lebensaufgaben. Heute ist Lange nicht nur ein weltweit angesehener Qumran-Wissenschaftler sondern engagiert sich aufgrund des weltweit zunehmenden Antisemitismus auch in der Erforschung des Antisemitismus und seiner Bekämpfung. Mit seinem Vortrag in Espelkamp verbindet Lange beide Forschungsinteressen.

Der Fundort

Er warf nicht nur einen Blick auf die Qumranrollen und ihren Fundort, sondern berichtete auch von den Essenern, die in Qumran lebten. An mehreren Beispielen wurde gezeigt: »Die Gedanken der essenischen Texte von Qumran ist dem jüdischen und christlichen Glauben so ähnlich, dass Judentum und Christentum als Geschwister erscheinen.«

Zum Abschluss seines Vortrags betonte Lange, dass »die gemeinsamen Wurzeln von Judentum und Christentum helfen können, Hass zu überwinden. Die gemeinsame Herkunft und das geteilte Erbe von Juden- und Christentum erziehen zu gegenseitigem Respekt und zu gegenseitiger Wertschätzung. Statt zu betonen, was uns trennt, sollten wir sehen, was uns verbindet.«

Überwältigendes Interesse

Langes Vortrag stieß auf ein überwältigendes Interesse. Schon während, aber auch nach dem Vortrag kam es zu lebendigen Diskussionen. Der Wissenschaftler betonte: »Ich habe selten ein so interessiertes und lebendiges Publikum erlebt. Mein Vortrag in Espelkamp zeigt mir, dass die Qumrantexte helfen können, bei Christen Interesse an sowie Verständnis und Respekt für das Judentum zu wecken. Das möchte ich auch künftig in meinen Forschungen weiterverfolgen.«

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