Fr., 13.07.2018

Friedhofswesen: Bürger beschweren sich über die Verwaltung– Kämmerer handelt »Mir ist der Hut hoch gegangen«

Viele Bürger haben das Verhalten von Verwaltung und Friedhofswärtern bezüglich der Grabpflege – auch auf dem Waldfriedhof – kritisiert. Die Verwaltungsspitze hat sich in der Ratssitzung am Mittwochnachmittag entschuldigt.

Viele Bürger haben das Verhalten von Verwaltung und Friedhofswärtern bezüglich der Grabpflege – auch auf dem Waldfriedhof – kritisiert. Die Verwaltungsspitze hat sich in der Ratssitzung am Mittwochnachmittag entschuldigt. Foto: Felix Quebbemann

Von Felix Quebbemann

Espelkamp (WB). Die Friedhöfe sollen ein Ort der Ruhe und der Einkehr sein. Doch für so manchen Espelkamper sind die städtischen Friedhöfe in der jüngeren Vergangenheit eher ein Ärgernis geworden.

Eskalation

Die Situation ist bereits so weit eskaliert, dass sich Bürgermeister Heinrich Vieker in der Ratssitzung am Mittwochnachmittag gar entschuldigte. Anschreiben der Friedhofsverwaltung hatten unter anderem durch Stil und Wortwahl einige Bürger, die sich um die Grabpflege kümmern, sehr verärgert. Vieker sei über die heftigen Reaktionen der Bürger erschrocken gewesen.

Die 85-jährige Hertha Hotter aus Espelkamp, die sich um das Grab ihres Mannes kümmert, erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung. »Der Bürgermeister weiß wohl nicht, wie erschrocken wir alle waren.« Sie führte als Beispiel an, dass sie eines Tages zur Grabstätte ihres Mannes kam. Dort musste sie feststellen, dass ein Blumenstrauß vom Grab entfernt worden war. Warum, das konnte sich Hertha Hotter auch nicht erklären?

»Sehr harter Umgang«

Der Strauß sei gerade drei Tage alt und nicht verwelkt gewesen. Er war ein Geschenk der Nachbarn und sollte an das Datum der goldenen Hochzeit von Hertha und Georg Hotter erinnern. Einen Diebstahl schloss die 85-Jährige aus. Auf ihre Nachfrage bei der Friedhofsverwaltung habe sie nur den Hinweis bekommen, doch mal in die Friedhofssatzung zu schauen. Der Strauß entsprach wohl nicht den Vorgaben. Man sei »sehr hart mit ihr umgegangen«, sagte die 85-Jährige. Ihr sei beim Lesen der gestrigen Entschuldigung des Bürgermeisters »der Hut hoch gegangen. Warum hat er sich nicht eher gekümmert?«, fragte sie.

Bereits Ende Juni hatten sich einige Leser in einem Leserbrief über die »Arroganz der Friedhofsverwaltung« beschwert (wir berichteten). Sie kritisierten den Stil der Anschreiben, der beim Bürger Angst hervorrufen würde. Zudem seien die angeprangerten »Missstände« durch die Verwaltung nicht nachvollziehbar.

Die richtige Pflege

Als am Mittwochnachmittag der Punkt Friedhofssatzung anstand, regte Reinhard Bösch (SPD) an, in der nächsten Hauptausschuss-Sitzung darzustellen, was bei der Pflege der Gräber zu beachten sei.

Vieker erklärte daraufhin, dass es nicht beabsichtigt gewesen sei, die Angehörigen und Grabpfleger mit den Schreiben zu verletzen. Der Teufel stecke im Detail. Und so seien in der Verwaltung unter anderem die falschen Vordrucke für die Schreiben genommen worden. Vieker machte aber deutlich, dass die Botschaft der Bürger »angekommen ist«.

Handlungsbedarf

Kämmerer Björn Horstmeier, in dessen Ressort das Friedhofswesen fällt, teilte die Auffassung des Bürgermeisters und sagte: »Es tut uns leid.« Er machte deutlich, dass er im Friedhofswesen der Stadt Handlungsbedarf sehe. »Ich würde gerne einen Arbeitskreis gründen«, sagte Horstmeier. Ziel sei es, alle Akteure in diesem Handlungsfeld – und dieser Bereich sei von zahlreichen Akteuren geprägt – an einen Tisch zu bringen.

Auch die Friedhofssatzung ließ er nicht außen vor. Diese habe insgesamt 30 Paragrafen. »Die Grabpflege wird sehr stark reguliert. Ist das überhaupt zielführend?«, fragte Horstmeier in die Runde. Das Friedhofswesen sei ein »großes Handlungsfeld«, betonte der Kämmerer ausdrücklich.

Mittel eingestellt

Im Haushalt 2019 seien bereits »erste Mittel bereitgestellt worden, um das Thema anzupacken«, sagte Horstmeier. »Weitere Maßnahmen werden wir in Angriff nehmen«, versprach er.

Hertha Hotter jedenfalls hat die Geschehnisse der jüngeren Vergangenheit zum Nachdenken gebracht. »Wenn ich das gewusst hätte, dass das so ein Zirkus ist«, sagte sie gegenüber dieser Zeitung. Sie habe für sich selbst nach ihrem Tod einen Platz in der Grabstätte ihres Mannes vorgesehen. Doch nach den Geschehnissen der vergangenen Wochen würde sie sich das nun überlegen.

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