Do., 30.08.2018

»Phantomschmerz« kommt am 6. September in die Kinos Ostwestfalen schreiben Kinogeschichte

Sven Martinek als Ben in einer Szene des Films »Phantomschmerz«.

Sven Martinek als Ben in einer Szene des Films »Phantomschmerz«. Foto: dpa

Espelkamp/Bielefeld (dpa). Hollywood, Bollywood, Espelkamp: Bis dieser Dreiklang in der Kinowelt ertönt, wird es wohl noch mindestens eine ganze Weile dauern. Aber zwei junge Männer aus dem ostwestfälischen Städtchen haben sich entschlossen, auf die Fesseln der Filmindustrie zu verzichten und ein eigenes Projekt gestartet. Nach mehr als 70 Kurzfilmen haben Daniel Littau (27) und Andreas Olenberg (28) ihren ersten Spielfilm gedreht. »Phantomschmerz« kommt am 6. September ins Kino.

Bereits am Montag, 3. September, feiert »Phantomschmerz« ostwestfälische Kino-Premiere. Zuvor wird der Film nur am Samstag, 1. September, im neuen Theater in Espelkamp gezeigt. Laut Veranstalter ist die Vorstellung bereits ausverkauft. Wegen der erwarteten großen Nachfrage läuft der Streifen im Dersa-Kino in zwei Sälen. Beginn ist um 19 beziehungsweise um 19.45 Uhr. Insgesamt stehen etwa 300 Sitzplätze zur Verfügung.

Im Taxi nimmt das Schicksal seinen Lauf

Im Film geht es um den Taxifahrer Finn, der den Schuldigen für den Tod seines kleinen Bruders sucht. Der war vor zwei Jahren nach einem Autounfall nach einer Operation gestorben. Finn hat den behandelnden Chefarzt Ben in Verdacht, Fehler vertuschen zu wollen. Eines Tages setzt sich der Mediziner betrunken in Finns Taxi. Damit nimmt das Schicksal seinen Lauf. Zusätzliche Verwicklungen gibt es, weil sich bei Finn eine Beziehung anbahnt – ausgerechnet mit Bens Tochter.

Viel Liebe für Details

Die Story ist an sich nicht außergewöhnlich, das Ganze aber mit viel Liebe für Details wie Lichtverhältnisse umgesetzt. Was das Projekt allerdings besonders macht, sind die Umstände: »Wir haben lange nach einem passenden Verleih gesucht und unseren Film bei so gut wie jedem Verleih Deutschlands vorgestellt«, schreiben die Produzenten und Drehbuchautoren Littau und Olenberg im Presseheft. Die Rückmeldungen seien zwar überwiegend positiv gewesen, jedoch habe kein Verleih den Film in die Kinos bringen wollen. »Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden den Verleih komplett selbst zu übernehmen.«

Crowdfundingkampagne bringt den Erfolg

Daniel Littau als Finn in einer Filmszene. Foto: dpa

Weil sie keine Filmförderung bekamen, s tarteten sie im Internet eine Crowdfundingkampagne – ein Mittel, mit dem schon Kinofilme wie das Trash-Spektakel »Iron Sky« über eine Nazi-Gemeinde auf der dunklen Seite des Mondes finanziert wurden. 10.500 Euro sammelten die beiden nach eigenen Angaben so zusammen, 40.000 weitere von regionalen Sponsoren. Das Drehbuch stellten sie für Verbesserungsvorschläge öffentlich bereit – die finale Fassung war die zehnte.

Darsteller verzichten auf Gagen

Bei den Schauspielgagen konnte das Duo sparen: Alle Darsteller verzichteten darauf. Über Facebook suchten die zwei Schauspieler für acht Rollen, bekamen mehr als 900 Anfragen und luden zum Casting. Nicht alle sind Vollprofis, was man an manchmal etwas steif wirkenden Dialogen merkt. Auch Littau selbst, der die Hauptrolle Finn spielt, hat keine Schauspielausbildung - aber schon in Filmen und Serien mitgespielt. Die Liste der Besetzung ist jedoch nicht nur mit Unbekannten gefüllt. Auch bekannte Schauspieler wie Katy Karrenbauer (»Hinter Gittern«) und Sven Martinek (»Der Clown«) stehen darauf.

Dreh in der Heimat trägt zum Erfolg bei

Während Karrenbauer aber nur gute fünf Sätze spricht, stand Martinek ohne Bezahlung über zwei Monate zur Verfügung: als Ben. Darüber hinaus ermöglichten Lebensmittelspenden, kostenlose Hotelübernachtungen und ein Filmteam, das überwiegend aus Freunden und Bekannten bestand, die Produktion. Auch dass die Crew in ihrer Heimat Espelkamp und Orten in der Umgebung drehte, trug zum günstigen Gelingen bei: »Dies hat uns eine Menge Kosten sowie organisatorische Schwierigkeiten erspart. Zudem war es deutlich einfacher eine Drehgenehmigung für ein Gefängnis, ein Krankenhaus etc. zu bekommen.«

Drehort für den Film war auch die Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede sowie Räume der Firma Fast 52 in dem Gebäude des früheren Blusenherstellers Verse an der Apfelstraße.

Duo startet Karriere schon 2003

Gestartet haben Littau und Olenberg ihre Filmkarriere im Sommer 2003 – da waren sie 12 beziehungsweise 13 Jahre alt. Damals gründeten sie das Filmteam Camcore, das nun »Phantomschmerz« in die Kinos bringt. Jetzt hoffen die zwei Männer aus Ostwestfalen auf den nötigen Erfolg: »Wir sind fest davon überzeugt, dass unser Film ein Publikum hat.«

Weitere Infos gibt es auf der Facebook-Seite »Phantomschmerz« .

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