Mo., 08.10.2018

Viertes Kurzfilmfestival »Spitziale« in der Alten Gießerei in Espelkamp Jonathan Behr holt »Goldenen Spitz«

Jonathan Behr hat für seinen Film »Fremde« den goldenen Spitz bekommen. Adi Wojaczek (mit Darsteller Marlon Heidel) erhielt den Silbernen Spitz, Daniela Opp holte sich den bronzenen. Stephan und Günter Fröhlich (im Hintergrund) gratulierten.

Jonathan Behr hat für seinen Film »Fremde« den goldenen Spitz bekommen. Adi Wojaczek (mit Darsteller Marlon Heidel) erhielt den Silbernen Spitz, Daniela Opp holte sich den bronzenen. Stephan und Günter Fröhlich (im Hintergrund) gratulierten. Foto: Jan Lücking

Von Jan Lücking

Espelkamp (WB). 22 Kurzfilme in drei Filmblöcken an zwei Abenden – die vierte Espelkamper »Spitziale« hat den heimischen Filmfans einiges geboten. Der Besucherandrang war groß.

320 Sitzplätze

Nur für den zweiten Filmblock am Samstag gab es noch wenige Restkarten. Erstmals

fand das Kurzfilmfestival nicht im urigen Elite-Kino, sondern in deutlich größerem Rahmen in der »Alten Gießerei« statt. Den Organisatoren des Festivals gelang es, trotz der Größe des Saals, mit stimmungsvollem Licht, Tontechnik und einer großen Leinwand eine kinoähnliche Atmosphäre zu schaffen, wenn auch in dem Saal mit den 320 Sitzplätzen und ohne die obligatorischen Kinosessel nicht das gleiche Kinofeeling entstehen konnte. Hin und wieder fielen laut klirrend leere Flaschen und Gläser um und störten ein wenig die Atmosphäre.

Ernste Themen wie Krieg, häusliche Gewalt, Zwangsprostitution, Cybermobbing und Abschiebung dominierten in den Filmbeiträgen das Festival. Nur wenige humorvolle Beiträge, wie zwei aufwendig produzierte, bunte Animationsfilme lockerten das Filmfestival ein wenig auf.

»Fremde«

Jonathan Behr (Regie und Drehbuch) überzeugte die Jury und mit seinem 15-minütigen Film »Fremde«, der in drastischen Szenen die nächtliche Abschiebung einer Familie zeigt. Er konnte sich über den Golden Spitz und 2000 Euro Preisgeld freuen. Die Jury lobte in ihrem Urteil die durch Kameraführung, Schnitt und Ton erzeugte Dramatik in diesem »aufwühlenden und ungewöhnlichen Film«, der zum Nachdenken und Hinterfragen anrege, so die Jury.

Den zweiten Preis der Jury erhielt Regisseur Adi Wojaczek für seinen Film »Es wird besser«, der prominent mit Ursula Strauss besetzt das Thema Cybermobbing aufgreift. Der Preis war mit 1000 Euro Preisgeld dotiert.

Dritter Preis an »Gelato«

Den dritten Preis der Jury, dotiert mit 500 Euro Preisgeld, erhielt der Animationsfilm »Gelato« (Regie: Daniela Opp), der in bunten Bildern eine Liebesgeschichte zwischen einem deutschen Mädchen und einem italienischen Jungen erzählt, der mit seiner Familie nach Deutschland kam, um dort Speiseeis zu verkaufen. Etwas völlig Neues zu der Zeit. Doch dann kommen die dunklen Jahre des Zweiten Weltkrieges. Die italienische Familie muss fliehen. Beide sehen sich erst viele Jahre später im hohen Alter wieder.

Über die Publikumspreise, die in jedem Block vergeben wurden, konnten sich folgende Beiträge freuen: »Der Junge mit dem Teddy« (Regie: Alessandro Schuster), »Herr Mandrill« (Regie: Tabea Edelkott, Johannes Lörz, Julian Schleier) und »Es wird besser« (Regie: Adi Wojaczek).

Witz und Humor

Wie in den Jahren zuvor führte Moderator Søren Eiko Mielke mit Witz und Humor durch das Kurzfilmfestival. Zwischen den Filmbeiträgen holte er die Filmemacher der jeweiligen Beiträge auf die Bühne. So erfuhren die Besucher einiges über die Idee und die Entstehungsgeschichte der Kurzfilme, was das Flair des Festivals bereicherte.

»Das war ein tolles Festival. Wir haben schon während der ›Spitziale‹ ganz tolle Rückmeldungen von den Besuchern bekommen und wurden für die Location gelobt. Der Schritt in ein größeres Gebäude war notwendig, weil wir gesehen haben, dass noch viel mehr Leute an unserem Festival teilhaben wollen. Wir waren uns im Vorfeld unsicher, ob es der richtige Weg ist, in einen größeren Saal zu gehen, der eigentlich nicht für das Kino gemacht ist. Aber das positive Feedback der Besucher hat uns darin bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Vielleicht hat nicht alles geklappt, aber ich denke, wir haben vieles richtig gemacht«, sagte »Spitziale«-Pressesprecher Florian Jürgens nach den beiden Tagen. Er betonte, dass sich der Verein nach dem Festival zusammensetzen werde, um kontinuierlich an der Verbesserung des Kurzfilmfestivals zu arbeiten. Bereits während der Veranstaltung stellten die Organisatoren kurzfristig noch zusätzliche Lautsprecher auf, um den Ton zu verbessern.

Applaus

Auch Søren Eiko Mielke lobte die neue Location und erhielt zustimmenden Applaus vom Publikum. Das Kurzfilmfestival überzeugte mit zahlreichen qualitativ hochwertigen Beiträgen. Eine tolle Plattform bei der insbesondere junge Filmschaffende ihre Arbeit präsentierten.

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