Mi., 13.02.2019

Thomasgemeindezentrum: Turmsanierung in Espelkamp geht voran Es warten noch »schwere Brocken«

Wo sich einst die Turmspitze der Thomaskirche befand, blickt man nun in eine tiefes Loch hinab. Dieses ist umgeben von zahllosen Gerüsten. Ein Datum für die Fertigstellung der Turmsanierung gibt es noch nicht.

Wo sich einst die Turmspitze der Thomaskirche befand, blickt man nun in eine tiefes Loch hinab. Dieses ist umgeben von zahllosen Gerüsten. Ein Datum für die Fertigstellung der Turmsanierung gibt es noch nicht. Foto: Felix Quebbemann

Von Felix Quebbemann

Espelkamp (WB). Bauleiter Thomas Schwiertz steht mit Küster Arnhold Steffan und Kirchenbaumeister Kurt Henning auf dem provisorischen Plateau des Thomas-Kirchturms. Wo einst Kupferplatten und Glocken waren, klafft jetzt ein tiefer Schacht.

Die Drei haben sich gestern auf der Baustelle getroffen – zunächst im nördlichen Flügel des neuen Gemeindezentrums, um über die Baufortschritte zu sprechen. Bezugsfertig, so Schwiertz, sollen die beiden Flügel Ende März oder Anfang April sein. Die letzten Arbeiten seien im Gange. Mit dem Anstrich der Fassade und dem Anbringen der Treppen stehen noch wichtige Arbeiten aus.

Zukünftige Nutzung

Henning erklärt, dass man sogar schon weiter hätte sein können. Aber: »Wir kämpfen mit fehlerhaften Produkten.« Thomas Schwiertz geht bei der Thematik ins Detail. So seien zum Beispiel fehlerhafte Dielen geliefert worden. »Auch die Stufen wurden in der falschen Farbe geliefert.« Das sei sehr ärgerlich, so Henning. Auch die vollen Auftragsbücher und die damit einhergehende Überlastung der Handwerker mache die Situation nicht einfacher.

Wie und wann die Thomaskirche zumindest wieder teilweise nutzbar ist, dazu konnte und wollte Henning sich nicht äußern. Am heutigen Mittwoch treffe sich das Presbyterium, um Konzepte für die zukünftige Nutzung zu erarbeiten.

Henning, Schwiertz und Steffan leiten damit auf eines der größten Probleme über – nämlich auf die Glocken. Zwei der Klangkörper sind vor einigen Wochen aus dem Turm entfernt worden (wir berichteten). Diese beiden Exemplare müssen ersetzt werden.

»Wir haben bereits mit der Versicherung und der Denkmalschutzbehörde gesprochen«, sagt Schwiertz. Dies ist notwendig, da die alten Glocken aus Stahl waren. Heutzutage werden Glocken jedoch nur noch aus Bronze gegossen. »Angebote haben wir bereits vorliegen.«

Bronzeglocke

Der Klang einer Bronzeglocke sei aber »deutlich runder« als der von vergleichbaren Stahlexemplaren. Da werde man schauen, dass der Ton dem Original sehr nahe kommt. Bei der Größe und dem Gewicht der Glocken müsse man sich an die Originale halten. Denn davon hänge auch die Statik im Turm ab, erläutert Schwiertz.

Glück im Unglück hat die evangelische Martinskirchengemeinde gehabt, da die großen Glocken von einem Feuerschaden verschont geblieben sind. Die beiden kleineren jedoch nicht. »Eine davon hat im Feuer sogar rot geglüht«, sagt Steffan. Welche Hitze beim Brand im vergangenen März geherrscht hat, wird daran deutlich, dass sich eine Wartungsleiter aus Stahl komplett verbogen hat. Auch die Elektrik und der Antrieb im Glockenturm müssen erneuert werden.

Die alten Glocken sollen übrigens nicht einfach eingeschmolzen, sondern wahrscheinlich als Erinnerung in der Nähe der Thomaskirche deponiert werden. Als Zeuge der Geschichte sollen entweder eine oder beide Glocken an den Brand erinnern. »Wir müssen uns Gedanken machen, wo man sie ausstellt«, sagen Steffan und Henning.

Kirchenschiff

Mit Blick auf das Kirchenschiff erläutert Henning, dass die Unterbodenkonstruktion fertig ist. »In einem Monat werden die Dielen liegen.« Nachdem dies geschafft sei, müsse auch die Orgel saniert werden. Ein neuer Anstrich darf auch nicht fehlen. Arnhold Steffan fügt an, dass auch die Heizungsanlage saniert werden müsse. Zudem sei die Reparatur der Lüftungsanlage »ein großer Brocken«.

Etwa 15 Meter über dem Kirchenschiff sind die Bauarbeiter derzeit damit beschäftigt, dem Dach eine provisorische Abdichtung zu geben. »Wir müssen den Turm komplett abdecken«, macht Schwiertz deutlich. Das bedeutet, dass die alten Kupferplatten entfernt werden. Am Ende bleibt zunächst nur das nackte Stahlgerüst stehen. Dafür muss für einen reibungslosen Wasserablauf gesorgt werden. Eine neue Giebelwand wird provisorisch aufgestellt, um das Kirchenschiff zu schützen. Das Provisorium soll bis Ende des Monats fertiggestellt werden. »Anfang Mai werden wir dann anfangen, den Turm zu entkleiden.«

Kupferplatten

Die Kupferplatten werden als Altmetall verkauft und der Turm wird nach der Einkleidung mit neuen Kupferplatten in einem Goldton für die »nächsten paar Jahrzehnte« die Touristen begrüßen. »Es dauert, bis die Kupferplatten wieder die grüne Farbe annehmen«, sagt Schwiertz.

Man habe sich auch Gedanken darüber gemacht, »vorgereifte« Kupferplatten zu nehmen, um nicht alle alten Platten abnehmen zu müssen. Man treffe aber eben nicht immer genau den existierenden Farbton, so der Bauleiter. Daher habe man sich für eine Neu-Eindeckung und gegen das Flicken entschieden.

Sobald der Turm entkleidet ist, fangen die Schlosserarbeiten an. So müssen zum Beispiel Stahlträger für Stahlträger herausgeschweißt und neu eingesetzt werden. Denn die hätten sich bei dem Brand ebenfalls verbogen.

Ein Kunstwerk

Schwiertz geht auf dem Gerüst entlang und erläutert, dass der Experte im Inneren des Turms immer noch damit beschäftigt sei, das Gerüst aufzustellen. »Es ist schon ein Kunstwerk«, sagt der Bauleiter. Ganz oben angekommen, erläutert er, dass die Turm-Spitze am Ende der Sanierungsarbeiten in einem Stück angebracht werde. Lob sprach der Bauleiter den beteiligten Unternehmen bei der Turmsanierung aus. »Es ist ein großer Pluspunkt, dass die Handwerker motiviert sind. Die Arbeiten sind hochkompliziert.«

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