So., 17.03.2019

Altonaer Theater spielt »Die Analphabetin, die rechnen konnte« in Espelkamp Herrlich schrulliger Bühnenspaß

Tumult und herrlich furioser Klamauk – »Die Analphabetin« wurde vom Altonaer Theater genau in dem Stil auf die Bühne , wie Schriftsteller Jonas Jonasson das Werk geschrieben hat: Skurril, schräg und einfach abgedreht. Ein großer Spaß.

Tumult und herrlich furioser Klamauk – »Die Analphabetin« wurde vom Altonaer Theater genau in dem Stil auf die Bühne , wie Schriftsteller Jonas Jonasson das Werk geschrieben hat: Skurril, schräg und einfach abgedreht. Ein großer Spaß. Foto: Felix Quebbemann

Von Felix Quebbemann

Espelkamp (WB). Schräg, abgedreht und skurril – das Stück »Die Analphabetin, die rechnen konnte« gehört sicherlich zu den verrücktesten Stücken, die in der aktuellen Spielzeit im Neuen Theater aufgeführt wurden. Es hatte aber allerhöchsten Unterhaltungswert.

Zu einem großen Teil ist das dem spielfreudigen und bestens aufgelegten Ensemble des Altonaer Theaters zu verdanken. Zum anderen sicher den grandiosen und außergewöhnlichen Einfällen, die notwendig waren, um die Action des Werkes von Jonas Jonasson (»Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg. . .«) intelligent und wunderschön überzogen auf die Bühne zu bringen.

Verwirrungen

Nach ersten verwirrenden Minuten steigt der Zuhörer schnell durch die verrückte Geschichte. Nombeko (frech und aufmüpfig gespielt von Lennora Esi), eine Schwarzafrikanerin, erzwingt mit List und Tücke ihre Ausreise nach Schweden. Sie kann nicht nur gut rechnen, sondern ist auch eine große Liebhaberin von Antilopen-Trockenfleisch. Doch statt einer Zehnkilo-Ladung Fleisch, wird ihr eine Atombombe zum schwedischen Flughafen nachgeschickt.

Mit Hilfe der beiden Brüder Holger 1 und Holger 2 (grandios: Dirk Hoener und Georg Münzel), der linksradikalen Celestine (forscher Auftritt von Theresa Horeis) und ihrer bodenständigen aber adligen Oma (furios: Kartin Gerken) wird der Versuch, die Bombe loszuwerden, zu einem Slapstick sondergleichen.

Mossad-Agenten, der Ministerpräsident und am Ende auch der König von Schweden, der eigentlich von Holger 2 »um die Ecke gebracht werden soll«, steuern den Klamauk letztlich auf ein tolles Finale furioso zu.

Schnalzgeräusche

»Die Analphabetin« ist kein klassisches Theaterstück. Das wurde sofort deutlich, als Holger 1 und Nombeko im Lkw vom Flughafen wegfahren. Der Lastwagen wird von den beiden auf einer Kiste sitzend, zappelnd und wippend imitiert. Der Blinker wird mit Schnalzgeräuschen der Schauspieler gesetzt. Genau diese Schlichtheit im Theaterstück machte es so charmant und unterhaltsam. Und es passte einfach zum Jonasson-Klamauk.

Die Schauspieler wandten sich auch immer wieder ans Publikum und nahmen die Aufführung selbst bei einigen Gelegenheiten gehörig auf die Schippe. »Auf der Bühne vergehen drei Jahre sehr schnell«, sagte Holger 2 ins Publikum, um einen Zeitsprung in der Geschichte zu überbrücken.

Eine große Kiste, ein langer Tisch und kleinere Bühnenelemente, die von den Schauspielern selbst nach Szenenschluss teilweise »nebenbei« umgebaut wurden – mehr brauchte es nicht, um den Besucher mit Haut und Haar in das Stück zu holen.

Eine Hausgeburt

Die beiden Brüder Holger avancierten zu Publikumslieblingen. Sie trugen den gleichen Namen, weil »sie eine Hausgeburt waren und die Eltern nur den Namen für ein Kind hatten«. Nach der Geburt der Zwillinge hatten sie aber keine Lust mehr, einen zweiten Namen zu suchen. Die beiden trotteligen Mossad-Agenten, die bei ihren Auftritten mit der James-Bond-Melodie angekündigt wurden, trieben den Spaßfaktor ebenfalls in die Höhe. Allein die vielen verschiedenen Codenamen, die sie am Ende selbst nicht mehr zusammenbringen konnten, schufen eine schräge Atmosphäre. Abgefahren – die Kampfszenen bei einer Demo: von den Schauspielern gekonnt in Slow-Motion auf die Bühne gebracht, inklusive verrückter Mimik. Ein Riesenspaß.

Am Ende ist die Atombombe auf dem Weg nach China, Holger 1 und 2 bekommen Nombeko und Celestine. Beide werden Eltern und die Großmutter hat ebenfalls ihren Traumann gefunden.

Hoher Spaßfaktor

»Die Analphabetin, die rechnen konnte« – ein ungewöhnliches Stück mit hohem Spaß- und Unterhaltungsfaktor, der vor allem für einige Besucher in der ersten Reihe noch etwas höher gewesen sein dürfte, als für das übrige Publikum im nicht ganz ausverkauften Theater. Denn sie wurden plötzlich und erwartet Teil des Stücks. Herrlich!

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