Mi., 08.05.2019

Tag der offenen Tür in der Hospiz-Initiative – Ehrenamtliche stellen ihre Arbeit vor »Pflege für die Seele«

Die Vorsitzende der Hospiz-Initiative Espelkamp, Bettina Dreyer (von links), und ihr ehrenamtliches Team Denise Günther, Henrike Eagen, Sergej Fuchs und Regina Bodemann haben beim Tag der offenen Tür über ihre Arbeit informiert.

Die Vorsitzende der Hospiz-Initiative Espelkamp, Bettina Dreyer (von links), und ihr ehrenamtliches Team Denise Günther, Henrike Eagen, Sergej Fuchs und Regina Bodemann haben beim Tag der offenen Tür über ihre Arbeit informiert. Foto: Andreas Kokemoor

Von Andreas Kokemoor

Espelkamp (WB). Die ambulante Begleitung todkranker Menschen ist keine leichte Aufgabe. Die Hospiz-Mitarbeiter kommen täglich mit Sterbenden zusammen. Sie besuchen die Menschen, hören den Patienten zu und versuchen, ihnen den letzten Weg im Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.

Die Hospiz-Initiative Espelkamp hat jetzt ihre Türen geöffnet, um ihre Aufgaben der Allgemeinheit näher zu bringen und die Einrichtung und ihre Mitarbeiter vorzustellen.

Kleine Gruppe

Es ist derzeit eine kleine Gruppe Ehrenamtlicher, die sich in der Initiative engagieren. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Sterbebegleitung und Besuchsdienste von Sterbenden. Die Helfer befassen sich täglich mit Themen wie Krankheit, Sterben, Tod und Trauer. Aktuell gehören zu den Aktiven acht ehrenamtliche Frauen und Männer unterschiedlicher Altersgruppen mit verschiedenen Berufen, Lebenserfahrungen und Konfessionen.

Sie alle sind geschult im Umgang mit Schwerkranken und deren Angehörigen. Die zu Betreuenden sind im Alter zwischen 40 und 102 Jahre. Die Ehrenamtlichen beschreiben ihre Aufgabe als »sehr intensiv«, weil sie eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Leben, der Trauer und dem Tod sei. Dazu gehöre das Bewusstsein und das Annehmen der eigenen Vergänglichkeit sowie das Reflektieren der damit verbundenen Vorstellungen, Gefühle, Hoffnungen und Ängste.

Emotionen

Das klassische Handhalten bis zuletzt, ist immer weniger die Aufgabe – aber das gibt es auch noch. Sowohl der Sterbende als auch die ihm nahestehenden Menschen werden von den Hospizmitarbeitern betreut. »Hospizarbeit ist keine Krankenpflege. Hospizarbeit bedeutet Pflege für die Seele«, sagt Sergej Fuchs. Die Arbeit stehe im Einklang mit einer guten ärztlichen Versorgung und der Betreuung durch die Angehörigen.

»In unserer Arbeit gibt es alle Emotionen. Und alle Emotionen werden zugelassen. Es wird geweint, gelacht und geschwiegen«, erklärt die Vorsitzende Bettina Dreyer. Wünsche werden wahr: »Ein letztes Mal« – die Lieblingsmusik, das Lieblingsessen oder die Weserfahrt.

Träume

Es wird auch geträumt. Zukunftsträume gibt es immer wieder. »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wann endet Leben? Wann beginnt das Sterben? Dazwischen können so viele schöne Dinge passieren. Loslassen, Zulassen und Rübergleiten sind Anforderungen und Aufgabenbereiche in der Hospiz. Viele Patienten haben den Wunsch, nicht vergessen zu werden. Wichtig ist den meisten, dass alles ›aufgeräumt‹ ist. Es muss alles geregelt sein«, so Dreyer.

»Manche wollen aber auch ihren eigenen Weg gehen – wollen nicht, dass ihnen jemand dabei in die Quere kommt, sie an die Hand nimmt oder hinterher läuft.

»Hospizarbeit bedeutet für die pflegenden Angehörigen für einen Moment einmal, dem Alltag entfliehen zu können«, erläutert Dreyer. »Aber auch die Patienten wollen dem Alltag entfliehen, möchten nicht zur Last fallen, vertrauen sich oft in Gesprächen einem Fremden eher und mehr an, als dem Ehepartner, den Kindern oder den Geschwistern.«

Kontakte

Dinge müssten besprochen werden. Die Hospizmitarbeiter können Gesprächspartner sein oder einfach nur Zuhörer. Der Senior, der von Kriegserlebnissen erzählt oder die Seniorin, die davon berichtet, wie sie vor 70 Jahren ihr eigenes Kind zu Grabe getragen hat. »Hospizarbeit bedeutet in diesem Zusammenhang auch Verschwiegenheit«, betonen die Ehrenamtlichen.

»Das Hospiz möchte nicht missionieren, kann aber Seelsorge ermöglichen. Wir begleiten unsere Patienten zu Hause, im Krankenhaus, im Alten- und Pflegeheim. Meistens entsteht der Kontakt durch die Angehörigen.« Über die Hausärzte und nicht selten auch über die Verantwortlichen in Seniorenheimen würden ebenfalls Kontakte hergestellt.

Der Pflegedienst zuhause oder Pfleger in Seniorenheimen hätten keine Zeit mehr, sich ans Bett ihrer Patienten zu setzen und diese Aufgabe zu übernehmen. Vielleicht könnten sie nach der Pflege einmal kurz über die Hand streichen, mehr gehe nicht. Deswegen sei die Betreuung durch ein Hospiz so wichtig.

Austausch

Die Ehrenamtlichen treffen sich regelmäßig, um sich auch untereinandern auszutauschen und Erfahrungen zu teilen – anonym selbstverständlich. Dieses umfassende Bild ihrer Arbeit haben die Hospiz-Mitarbeiter den Besuchern beim Tag der offenen Tür vermittelt. Unterstützung beim Team der Ehrenamtlichen ist natürlich immer gefragt seitens der Hospiz. Zudem informierten die Ehrenamtlichen darüber, dass jeden ersten Montag im Monat eine Beratung zur Patientenverfügung ab 15 Uhr stattfindet und jeden dritten Freitag im Monat das Hospiz-Café öffnet.

Hospiz-Termine sind nach Absprache per Telefon 05771/979270, oder per E-mail info@hospiz-initiative-espelkamp.de möglich.

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