Fr., 17.05.2019

80 Aussteller bei Berufsausbildungsmesse BAM in Espelkamp Einfach machen!

Hannelotte Hecker von der Firma Depenbrock übernimmt im Beisein von Bürgermeister Heinrich Vieker das BAM-Steuerrad für das kommende Jahr von Thomas Brinkmann (Kreishandwerkerschaft).

Hannelotte Hecker von der Firma Depenbrock übernimmt im Beisein von Bürgermeister Heinrich Vieker das BAM-Steuerrad für das kommende Jahr von Thomas Brinkmann (Kreishandwerkerschaft).

Von Arndt Hoppe

Espelkamp (WB). Handwerk ist dreckig, anspruchslos und langweilig. Mit diesem Vorurteil hat Thomas Brinkmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Wittekindsland (KHW), bei der Eröffnung der Berufsausbildungsmesse (BAM) in Espelkamp aufgeräumt.

»Das Handwerk ist modern und da ist heute auch ganz viel 4.0 dabei«, stellte er klar. Davon können sich die Messebesucher noch bis Samstag ein Bild machen. Brinkmann und das Team der Handwerkerschaft waren diesmal federführend bei der Planung der BAM. Und so lehnte sich das Motto der Messe an die Imagekampagne des Handwerks an: »Einfach machen. Grundlagen schaffen.«

Brinkmann rief die jungen Leute auf, genau das zu tun: »Sie sollen einfach machen. Grübeln hat noch keinen weiter gebracht.« Er verwies auf die hohe Abbrecherquote beim Studium und sagte: »Nicht jeder kann und muss studieren. Das war früher so und das gilt heute auch noch.« Auch Ausbildungen wie etwa im Handwerk böten ausgezeichnete Perspektiven.

»Wir haben im Kreis 1200 Innungsbetriebe und 3000 Ausbildungsplätze«

Cornelia Schöder, Dezernentin für Bildung, Arbeit und Recht im Kreis Minden-Lübbecke, sagte, sie begrüße, dass sich die Handwerkerschaft bei der BAM engagiere. »Wir haben im Kreis 1200 Innungsbetriebe und 3000 Ausbildungsplätze.« Doch sie ergänzte: »Ich glaube, dass da noch mehr geht.« Die Betriebe sollten selbst ausbilden und sich »nicht darauf verlassen, dass es die anderen machen«. Sie plädiere dafür, dass Betriebe auch Jugendlichen mit weniger guten Zeugnissen die Chance geben sollten, über Praktika in einen Beruf hineinzukommen.

Bürgermeister Heinrich Vieker sagte, er freue sich, dass sein erster öffentlicher Auftritt nach einer Knie-Operation die Eröffnung der BAM sei: »Sie ist eine meiner Lieblingsveranstaltungen. Denn hier geht es darum, die Zukunft unserer Stadt Espelkamp zu gestalten.« Es habe sich bewährt, dass die in jedem Jahr das Leitungsteam wechsele. »Während der BAM wird schon hinter den Kulissen an der Vorbereitung für die nächste gearbeitet.«

80 Aussteller

Die Teamleitung habe 2020 erstmals eine Firma aus der Berufsgruppe »Bauen«. Das symbolische Steuerrad übernahm Hannelotte Hecker, Leiterin der Personalentwicklung des Stemweder Bauunternehmens Depenbrock. Sie lobte die Espelkamper BAM, die es nun seit 26 Jahren gebe, als Erfolgsrezept. »Mit 80 Ausstellern bietet die Messe den Jugendlichen immense Möglichkeiten.« Sie sei gespannt und freue sich auf die Zusammenarbeit für das nächste Jahr.

Während in der Stadtbücherei die offizielle Eröffnung lief, tummelten sich im Bürgerhaussaal bereits hunderte von Schülern aus dem gesamten Altkreis. In bewährter Weise gingen sie in Kleingruppen, geführt von Lotsen durch die Ausstellung. »Wir haben im Vorhinein die Gesundheitsberufe ausgewählt und mit dem Lotsen fünf oder sechs Stände angesteuert«, sagen Merle und Alina von der Gesamtschule Hüllhorst. Sie sind zusammen mit ihren Schulkameradinnen am Stand der Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken. Pflegelehrerin Daniela Becker berichtet dort über die Ausbildung in den Pflegeberufen.

»Die Chancen sind zurzeit so gut wie nie«

»Wir haben bislang keine Nachwuchssorgen. Unsere Kurse sind immer ausgebucht«, sagt sie. Das sei bei der Altenpflegeausbildung möglicherweise anders. »Ab dem kommenden Jahr soll die Basisausbildung in den Pflegeberufen allerdings angeglichen werden«, weiß sie. Für die Berufswahl empfiehlt sie, nach einem mehrwöchigen Praktikum auch den Bundesfreiwilligendienst in Betracht zu ziehen. »Dabei kann man herausfinden, ob einem die Aufgabe wirklich liegt.«

Wie moderne Technik inzwischen auch beim Handwerk angekommen ist, lernt Patrick aus Preußisch Oldendorf am Stand des Metallhandwerks bei Johann Albert vom Handwerksbildungszentrum. Mit einem digitalen Schweißgerät kann er dort virtuell eine Schweißnaht setzen. »Am Anfang der Ausbildung kann mit diesem Gerät die Arbeit mit dem echten Schweißgerät simuliert werden.

Ungebrochen gefragt sei das Interesse am Polizeiberuf, sagt Hauptkommissarin Astrid Bauer. Voller Begeisterung vermittelt sie den Schülern, dass Polizist mehr als ein Beruf ist: »Es ist eine Berufung.« Für die Teilnahme am Einstellungstest sei inzwischen Abi oder Fachabitur notwendig. »Weil derzeit viele ältere Kollegen in Ruhestand gehen, werden viele Neue gesucht. Die Chancen sind zurzeit so gut wie nie.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6617644?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F