Mi., 12.06.2019

Standortübungsplatz Wickriede: Bundeswehr informiert – Bürger äußern sich besorgt »Die Anwohner sind die Deppen«

Etwa 150 Besucher sind am Dienstagabend in der Gesamtschule Hille zusammengekommen, um sich über die Zukunft des Bundeswehrübungsplatzes Wickriede zu informieren. Moderatorin Nadine Haßlöwer hat unter anderem Hans-Jürgen Fink interviewt.

Etwa 150 Besucher sind am Dienstagabend in der Gesamtschule Hille zusammengekommen, um sich über die Zukunft des Bundeswehrübungsplatzes Wickriede zu informieren. Moderatorin Nadine Haßlöwer hat unter anderem Hans-Jürgen Fink interviewt. Foto: Felix Quebbemann

Von Felix Quebbemann

Espelkamp-Frotheim/Hille (WB). »Es wird sich nichts ändern.« Diese Aussagen von Bundeswehrvertretern fasste Moderatorin Nadine Haßlöwer gleich mehrere Male während der Infoveranstaltung zur Zukunft des Standortübungsplatzes Wickriede zusammen.

Die Gemeinde Hille hatte sowohl Vertreter der Bundeswehr wie auch der Kreisjägerschaft und des Kreises eingeladen. Sie sollten den Bürgern erklären, wie sich eine voraussichtliche Änderung in der Nutzung des Platzes auswirke (wir berichteten mehrfach).

Weitsichtiger Zug

Die Bürger waren zahlreich in der Gesamtschule Hille erschienen und hatten jede Menge Fragen. Zunächst aber begrüßte Hilles Bürgermeister Michael Schweiß die Anwesenden und erläuterte gemeinsam mit der Moderatorin die Vorgehensweise. Dies war ein weitsichtiger Zug. Denn bei so manchem Anwesenden hatte sich Ärger aufgestaut und die Bürger sparten nicht mit Kritik, die in Richtung Bundeswehr aber auch in Richtung Kreisjägerschaft zielte.

Die Vertreter der Bundeswehr erläuterten kurz, dass es zwar Änderungen in der Nutzung des Übungsplatzes gebe. Diese beziehe sich aber, so Oberleutnant Helge Lammerschmidt, Kommandeur des Panzerbataillons 130, lediglich auf die Entschärfung von Kampfmitteln. Dies solle geübt werden.

Nutzungsänderung

Sobald es zu einer Nutzungsänderung käme, müsse seitens der Bundeswehr ein neuer Antrag gestellt werden. Weitere Veränderungen würden sich aber nicht ergeben. Auch die vorgesehenen 20 Wochen, die man für Übungszwecke beantragt habe, seien zwar ein Maximalwert. Aber der sei in der Vergangenheit ebenfalls bereits häufig so beantragt worden. Daher betonte Lammerschmidt: »Es wird sich nichts ändern.«

Ähnliches hörten die Bürger vom Leiter der Flugeinsatzzentrale beim Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Achum, Oberstleutnant Steen Pfähler. Auch er betonte, dass sich nichts verändern werde. Es gebe wie in der Vergangenheit weiterhin 800 Starts und Landungen im Gebiet der Wickriede – obwohl sogar 500 Starts und 500 Landungen beantragt seien. Die Zahl habe sich auch in den vergangenen Jahren nicht verändert. Das könne er sagen, weil er seit ein paar Jahren jährlich diese Zahlen auch beim neu geschaffenen Luftfahrtamt der Bundeswehr beantrage.

Die Bürger zeigten sich dennoch besorgt. Schließlich werde mit Übungsmunition geprobt. Zudem hatten einige Besucher den Eindruck, dass die Anzahl der Hubschrauberflüge zum Übungsplatz in der jüngeren Vergangenheit zugenommen habe.

Unverständnis

Unverständnis herrschte bei den Besuchern, die vor allem aus Espelkamp, Hille und Diepenau kamen, darüber, dass das Genehmigungsverfahren nicht öffentlich sei und so die Bürger keinerlei Einblick unter anderem in die Ergebnisse zur Gesamt-Lärmimmissionsbelastung erhielten. Dr. Lutz Freiberg, zuständiger Dezernent im Kreisumweltamt, erklärte jedoch, dass das so genannte vereinfachte Verfahren »komplett rechtens« sei.

Ein Besucher meinte jedoch zu den Aussagen der Bundeswehr: »Das klingt für mich sehr verharmlosend.« Hans-Jürgen Fink, Sprecher der Initiative »Kein Kriegslärm in Hille« erklärte, dass die Bürger Angst hätten, mit immer mehr Kriegslärm belästigt zu werden. »Die Immissionsproblematik in der Gesamtheit wird nicht gesehen.« Fink bezeichnete den Bereich des Standortübungsplatzes als »komplexes Ballungsgebiet«. Die Lärmimmissionen würden vom Kreis lediglich durchgewunken, »und die Anwohner sind die Deppen«.

Kritik an Jäcker

Viel Kritik musste auch Dr. Walter H. Jäcker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Minden-Lübbecke, einstecken. Er erläuterte, dass die Jäger in der Wickriede schon seit langem die vorhandenen Schießbahnen nutzen. Nun wollen sie einen Tontaubenstand bauen, der geschützt wird von einer 21 Meter hohen und 240 Meter langen Holzwand, und so den Schall auffangen soll. Dies sei bereits 2016 genehmigt worden.

Mit Flinten bis zu einer Energie von 20.000 Joule – zum Vergleich: die Bundeswehr schießt mit 4500 Joule – dürften die Jäger auf dem Stand üben, stellte ein Bürger fest. Jäcker erläuterte, dies sei der Maximalwert und an den Plänen zum Tontaubenstand sei nichts Geheimnisvolles.

Nun aber wollten es die Bürger genau wissen. Fink sagte, dass er sich gewünscht hätte, die Jäger würden zunächst einmal etwas am Schallschutz für ihre Schießbahnen machen. Dies sei den Jägern jedoch offensichtlich egal. Das wiederum verneinte Jäcker zwar, sagte aber, dass man es dennoch wie geplant machen wolle.

Ein Bürger sagte, die Schießübungen, die täglich ab 8 Uhr und sonntags ab 9 Uhr starten dürften, könne man bis zum Kanal hin hören. Auf die Frage, ob die Jäger bereit wären, freiwillig etwas zu tun, um den Schallschutz zu verbessern, sagte Jäcker, dass eine freiwillige Investition dieser Art finanziell nicht machbar sei. Die Erweiterung des Tontaubenstandes wird aus Mitteln der Jagdabgabe und aus Fördermitteln bezahlt.

Bessere Information

Schließlich erläuterte der Kreisvertreter noch die Pläne für die künftige Ausgestaltung und Erweiterung der Mülldeponie Pohlsche Heide.

Hartmut Stickan, Anwohner aus Schmalge und Espelkamper Ratsmitglied, kritisierte an dem gesamten Verfahren, dass die »Menschen, die um den Übungsplatz herum wohnen, das Schutzgut Nummer 1 sind. Und die werden am schlechtesten informiert«.

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