Do., 22.08.2019

Kirchengemeinde Alswede kann Standort in Espelkamp-Gestringen nicht mehr halten Gemeindezentrum steht vor dem Aus

Dem Gemeindezentrum in Gestringen droht das Aus. Das Presbyterium der Kirchengemeinde hat beschlossen, das Gemeindezentrum nicht mehr nutzen zu wollen. Vor allem finanzielle Probleme seien ausschlaggebend dafür.

Dem Gemeindezentrum in Gestringen droht das Aus. Das Presbyterium der Kirchengemeinde hat beschlossen, das Gemeindezentrum nicht mehr nutzen zu wollen. Vor allem finanzielle Probleme seien ausschlaggebend dafür. Foto: Eva Rahe

Espelkamp-Gestringen (WB/eva). Das Presbyterium der Kirchengemeinde Alswede hat Dienstagabend beschlossen, das Gemeindehaus und die Trinitatis-Kirche in Gestringen als Standorte der Kirchengemeinde Alswede zukünftig nicht mehr zu nutzen.

Als Gründe wurden die gestiegenen Unterhaltungskosten durch eine Neuregelung im kirchlichen Finanzwesen genannt. Der Beschluss soll bereits im Frühjahr 2020 umgesetzt werden.

Rücklagen

Der letzte Gottesdienst in der Trinitatiskirche in Gestringen wird am Sonntag, 5. April 2020, stattfinden. »Ab diesem Zeitpunkt wird es keine kirchlichen Veranstaltungen in den Gebäuden des zweiten Pfarrbezirks in Gestringen mehr geben«, sagte Pfarrer Klaus-Dieter Obach. Ausschlaggebend für diesen Beschluss, den die neun Presbyteriumsmitglieder bei der Sondersitzung am 20. August einstimmig gefasst haben, sei eine Umstellung des kirchlichen Finanzmanagements gewesen. Das »Neue Kirchliche Finanzwesen« (NKF) sehe demnach zwingend vor, dass für jedes kirchliche Gebäude ab 2019 eine Substanzerhaltungsrücklage gebildet werden müsse. Für das Gestringer Gemeindezentrum hieße das, eine Rücklage von 15.000 Euro jährlich zu bilden, so Obach.

Kürzungen

Die Substanzerhaltungsrücklage errechnet sich aus dem Versicherungswert eines kirchlichen Gebäudes. Für jedes Gebäude müsse es eine Rücklage von einem Prozent des Versicherungswertes geben, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums, Martin Lückermann. Zusätzlich zu dieser Summe würden jährlich mehr als 10.000 Euro von der Kirchengemeinde plus Mittel des Fördervereins in die Unterhaltung des Gemeindezentrums fließen. »Die Kirchengemeinde Alswede kann diese Summe aus den verfügbaren Geldmitteln nicht mehr stemmen«, erklärte Obach. Hinzu kämen Kürzungen der Kirchensteuerzuweisungen, mit denen die Kirchengemeinde ab dem Jahr 2020 rechnen müsse. Es würden also noch zusätzliche Einnahmen wegfallen.

Die zurückgehende Zahl der Mitglieder sei ein weiterer Faktor, der gegen den Erhalt des Standortes Gestringen spreche. Daneben würde auch die Zahl der Personen, die sich aktiv am Gemeindeleben beteiligen, drastisch zurückgehen, so Kirchmeister Wilhelm Schnelle. Lediglich 20 Prozent von den insgesamt 3500 Mitgliedern der Kirchengemeinde Alswede seien im Pfarrbezirk Gestringen-Fabben-stedt beheimatet. »Es ist erschreckend zu sehen, wenn ein Raum, der eigentlich für 400 Personen gedacht ist, nur noch zwei Mal im Jahr annähernd voll besetzt ist«, so der Kirchmeister.

Schnelles Handeln

Da die Substanzerhaltungsrücklage schon in diesem Jahr im Haushalt ausgewiesen werden müsse, sei schnelles Handeln von Nöten gewesen. »Wenn wir jetzt beschließen, den Standort aufzugeben, dann muss diese Rücklage auch nicht mehr gebildet werden«, erklärte Pfarrer Obach. Natürlich seien in diesem Prozess alle Beteiligten mit einbezogen worden, sagte er weiter. Carsten Schöneberg, Verwaltungsleiter des Kreiskirchenamtes, habe sein Einverständnis gegeben und auch der Förderverein sei über alle Schritte informiert gewesen.

Der Förderverein habe die Kirchengemeinde immer dabei unterstützt, den zweiten Pfarrbezirk zu erhalten. Dafür spreche das Presbyterium seinen großen Dank aus, sagte Obach. »Der Förderverein hat nun bis Ende Oktober Zeit, ein realistisches, tragfähiges und nachprüfbares Konzept vorzulegen, um den Standort zu erhalten«, teilte Klaus-Dieter Obach mit.

Letzter Gottesdienst

Der Zeitpunkt des letzten Gottesdienstes, der in der Trinitatis-Kirche gefeiert werde, sei mit Bedacht gewählt, führte Obach aus. Die Eltern der Konfirmanden hätten den Wunsch, den Vorstellungsgottesdienst der Gesamtkonfirmanden in Gestringen zu feiern. Dieser sei für den 29. März 2020 geplant. Am Palmsonntag, eine Woche später, werde der Entwidmungsgottesdienst der Trinitatis-Kirche gefeiert. »Nichts ist ewig. Alles hat seine Zeit, sowohl der Aufbau als auch der Rückbau einer Kirche. Mit Ostern beginnt etwas Neues«, sagte Obach.

Info-Abend

Das Presbyterium lädt zu einem Informationsabend am 29. August um 20 Uhr in das Gemeindezen-trum in Gestringen ein, um den Beschluss detailliert zu erläutern.

Daten

Am 1. Juli 1964 wurde der Pfarrbezirk Gestringen-Fabbenstedt gegründet, damals mit Pfarrer Hermann Bissinger. Das Gemeindehaus wurde am 11. Dezember 1966 offiziell eröffnet. Der Erweiterungsbau samt Trinitatis-Kirche wurde am 16. September 1979 eingeweiht.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6864226?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F