Fr., 13.09.2019

Der Espelkamper Unternehmer Dietmar Harting feiert am Sonntag runden Geburtstag Der Chef wird 80

Dietmar Harting (links) feiert am Sonntag, 15. September, seinen 80. Geburtstag. Seine Frau Margrit Harting (2. von links) sowie seine Kinder Maresa Harting-Hertz und Philip Harting werden dem Unternehmer zum runden Geburtstag gratulieren.

Dietmar Harting (links) feiert am Sonntag, 15. September, seinen 80. Geburtstag. Seine Frau Margrit Harting (2. von links) sowie seine Kinder Maresa Harting-Hertz und Philip Harting werden dem Unternehmer zum runden Geburtstag gratulieren. Foto: Harting

Espelkamp (WB). »Chef werden« war schon sein Berufswunsch als ganz kleiner Junge. Und ein richtiger Chef ist er geworden.

Beinahe fünf Jahrzehnte stand Dietmar Harting an der Spitze der 1945 von seinen Eltern gegründeten Firma, der heutigen Harting Stiftung & Co. KG, und machte den kleinen Mittelständler in seiner Ära zum erfolgreichen Global Player. Am Sonntag, 15. September, feiert der Seniorchef der Espelkamper Technologiegruppe, vielfach geehrt und ausgezeichnet nicht zuletzt für sein Engagement in bedeutenden Branchenverbänden und Normungsorganisationen, seinen 80. Geburtstag.

Das Studium

An eine Karriere im elterlichen High-Tech-Unternehmen hatte der gebürtige Berliner anfänglich gar nicht gedacht. Geschichte und Archäologie faszinierten den ältesten Sohn von Wilhelm und Marie Harting weit mehr als Wirtschaft und Technik. Doch der Vater durchkreuzte alle Pläne. Dietmar Harting musste sich zunächst für Elektrotechnik entscheiden, beendete sein Studium aber schließlich als Diplom-Kaufmann, nachdem sich sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jürgen in Richtung Technik orientiert hatte. 1967, fünf Jahre nach dem frühen Tod des Firmengründers, trat der damals 27-Jährige in das Familienunternehmen ein, das seinerzeit mit etwa 1.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 29 Millionen D-Mark erzielte. Zunächst gemeinsam mit seiner Mutter und seinem Bruder (er starb 1973), dann ab 1987 mit Ehefrau Margrit, leitete Harting das aufstrebende Unternehmen.

Nach dem Abschied von den Produkten der ersten Dekaden wie Waffeleisen, Kochplatten und Plattenspielern konzentrierte sich Harting auf die Verbindungstechnik. Neben den Industriesteckverbindern erreichte Harting eine Spitzenposition auch als Hersteller von Zigarettenautomaten.

Strategischer Mut

Von großer Bedeutung war die 1979 mit der Eröffnung einer Tochtergesellschaft in Paris eingeleitete Internationalisierung. »Ich war unsicher und hatte Zweifel«, bekannte Dietmar Harting später. Doch der strategische Mut wurde belohnt und war ausschlaggebend für die Eroberung wichtiger Märkte. In rascher Folge wurden Vertriebsbüros in Europa, Amerika und Asien eröffnet, entstanden erste Produktionsstätten in der Schweiz und Großbritannien. Der Auslandsanteil am Umsatz verdoppelte sich von 30 Prozent (1981) auf fast 60 Prozent 1999 und erreichte rund 70 Prozent im Geschäftsjahr 2017/2018.

Weit über die Grenzen der Region und des Landes hinaus wurde Harting bekannt als Präsident bundesdeutscher und internationaler Organisationen und Gremien. 1998 rückte er als erster Mittelständler an die Spitze des einflussreichen Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Nach dem Abschied 2004 ernannte ihn der ZVEI zum Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit. Im selben Jahr wurde Dietmar Harting Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und leitete von 2003 bis 2009 das Deutsche Institut für Normung (DIN).

Die Bundeskanzler Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel beriefen den Espelkamper in den »Rat für Forschung, Technologie und Innovation« und in die Initiative »Partner für Innovation«.

Dietmar Harting wurde 2009 mit der Ehrendoktorwürde der Leibniz Universität Hannover ausgezeichnet. Sein langjähriges Wirken in der Deutschen Messe AG, unter anderem zwölf Jahre als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, wurde 2008 mit der Goldenen Messe-Ehrenmedaille gewürdigt. 2009 ehrte die Stadt Espelkamp Dietmar und Margrit Harting mit der Ehrenbürgerwürde. 2009 wurde dem Ehepaar das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Die dritte Generation

2015 übernahm mit Sohn Philip die dritte Generation den Vorsitz des Vorstandes, dem außerdem seine Eltern, seine Schwester Maresa Harting-Hertz und drei familienfremde Manager angehören. In der E-Mobilität ist das Unternehmen mit seinem Ladetechnik-Portfolio Zulieferer wichtiger Automobilhersteller, unterstützt durch seine Angebote für Windenergieanlagen die Energiewende und hat sich mit der Herstellung von Kassenzonen im Einzelhandel positioniert.

Wichtige Prinzipien

Solide Geschäftspolitik, strategisches Denken, hohe Innovationsbereitschaft sowie gesellschaftliche Verantwortung sind für Dietmar Harting die wichtigsten Prinzipien. In der Heimatregion des Familienunternehmens unterstützt der Jubilar den Breiten- und Spitzensport, fördert die Jugendarbeit und den Bau von Sportanlagen.

Nach dem Rückzug vom Vorstandsvorsitz und der operativen Unternehmensführung widmet sich Dietmar Harting den neuen Technologien und anderen Zukunftsthemen. Die Technik und ihre Perspektiven sind seine große Leidenschaft geworden.

So ist er nicht nur Start-up-Unternehmer einer Software-Schmiede in Berlin, sondern widmet sich auf seinem Hof in Uchte mit Leidenschaft der nachhaltigen Landwirtschaft und der regenerativen Energie-Gewinnung.

Seit vielen Jahren arbeitet Dietmar Harting an der Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie. So setzt Harting konsequent auf die Energiewende, ist Gründungsmitglied des Vereins der Klimaschutz-Unternehmen und setzt zu 100 Prozent auf CO2-freie Energie in der Produktion. Allein 25 Prozent dieser Energie stammen mittels einer Biomethangasanlage in Uchte aus eigener Erzeugung.

Die Zukunft

Dass es ihm um die Zukunft geht, zeigt sich auch in seiner Aufgabe als leidenschaftlicher Großvater für seine acht Enkelkinder. Ob rätseln, puzzeln oder basteln – gerne mit Technikbezug – »einfach mal machen« ist sein Leitmotiv.

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