Fr., 18.10.2019

Stadtentwicklungsausschuss: Politik und Verwaltung sprechen über Bürgerwald Noch keine geeignete Fläche gefunden

Die Idee eines Bürgerwaldes finden Parteien und Verwaltung gut. Das Problem aber ist, dass im Stadtzentrum bereits viele Stellen mit Bäumen bepflanzt sind – wie zum Beispiel der Park in der Lausitzer Straße. Dort sind einige Bäume aber abgängig.

Die Idee eines Bürgerwaldes finden Parteien und Verwaltung gut. Das Problem aber ist, dass im Stadtzentrum bereits viele Stellen mit Bäumen bepflanzt sind – wie zum Beispiel der Park in der Lausitzer Straße. Dort sind einige Bäume aber abgängig. Foto: Arndt Hoppe

Von Arndt HoppeEspelkamp (WB). Es gibt sie schon in vielen Kommunen: Bürgerwälder – Flächen also, wo Bäume gepflanzt werden, unterstützt durch Patenschaften oder Spenden von den Bewohnern der Stadt. Auf Antrag der SPD befasste sich der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Thema, ob und wie ein Bürgerwald in Espelkamp umgesetzt werden könnte.

»Ich halte die Idee, Bürger an dieser Stelle teilhaben zu lassen, für sehr gut«, sagte Thorsten Blauert, Fachbereichsleiter im Bauamt, der die Möglichkeiten ausgelotet hatte. Doch in seiner anschließenden Darstellung machte Blauert deutlich, dass es für einen solchen »Wald« in Espelkamp wenige bis keine geeigneten Flächen gibt. Allerdings schlage das Quartiermanagement dennoch »in dieselbe Kerbe«, da sie an der Idee einer Bürgerobstwiese am Frotheimer Weg arbeite.

Kriterien

Aber eine Obstwiese sei streng genommen eben kein »Wald«, ebenso wenig wie ein Hain oder ein »mit Bäumen bestandenes Grundstück«, eine Allee oder etwa Solitärbäume. Einige der Kriterien, die eine Fläche für einen Bürgerwald aus seiner Sicht erfüllen sollte, sind: zentrumsnah – oder zumindest idealerweise mit dem Rad erreichbar, ausreichend groß für Baumanpflanzungen und kein potenzielles Bauland.

Thorsten Blauert nannte einige Beispiele im Stadtgebiet, wo gewisses Potenzial zum Pflanzen von Bäumen vorhanden sei. Ein Beispiel sei eine Fläche am Schüsselbruchweg. Diese sei aber kritisch, weil sie in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. »Vor dem Bahnhof standen früher mehr Bäume. Hier könnte man eventuell Bäume nachpflanzen, aber das müsste maßvoll passieren«, sagte er.

Parklandschaft

Des Weiteren nannte er Areale in der Gabelhorst und am Fabbenstedter Graben, die eher als Parklandschaft geeignet seien, eine Wiese an der Dresdner Straße (»Da passen vielleicht drei großkronige Bäume hin«), eine Grünlandfläche nahe der Henri-Dunant-Straße sowie den Lausitzer Park. »Einige der Bäume im Lausitzer Park sind abgängig, so dass einige neue gepflanzt werden könnten«, sagte Blauert.

In privaten Gärten würde erfahrungsgemäß wenig mit großen Bäumen bepflanzt. »Wollen wir den Bürgern etwas ermöglichen, was sie im eigenen Garten nicht machen möchten?«, fragte er in die Runde. Er schloss die Frage an, welche Baumarten für einen Bürgerwald ausgewählt werden sollten. Sollten sie nach Möglichkeit beständig gegen Hitze, Schädlinge und Trockenheit sein? Heimisch, langlebig, Laubbäume und fruchttragend?

Das Ziel

Das Ziel war dagegen recht klar: Die Aktion solle langfristig zur Senkung der Treibhausgasemissionen beitragen und die Beteiligung der Bürger daran ermöglichen. Für diese Beteiligung stellte Blauert im Wesentlichen zwei Varianten vor. Die erste wäre, dass Bürger für Bäume und deren Pflege spenden. Bei der zweiten Variante würde die Stadt den geeigneten Ort zur Verfügung stellen und mit Bürgern einen Vertrag schließen. Diese würden dann die Pflege ihres Baumes im Sinne einer Patenschaft übernehmen.

»Da fragt sich unter anderem, wie intensiv wird das kontrolliert?«, gab Blauert zu bedenken. »Dieser Klimaschutzbeitrag der Bürger sollte nicht von der Stadt erbracht werden. So etwas ist kein Ablasshandel, um mit gutem Gewissen weiter mit dem SUV zu fahren.«

Spendenvariante

Hartmut Stickan (SPD) fügte hinzu, dass er die Spenden-Variante für praktikabler halte. Die Baum-Patenschaft durch Spende erschien auch Christian Schmitt (SPD) attraktiver. »In Löhne gibt es zum Beispiel eine Allee des Grundgesetzes. Jeder Baum entspricht einem Artikel. Das ist auch ein schöner Gedanke.«

Wilfried Windhorst (CDU) sah ebenfalls die Spenden-Variante als die bessere an: »Niemand wird einen Baum pflanzen, wenn er dabei eine Liste von Auflagen hat.«

Florian Craig (Grüne) bestätigte die vorherigen Ausführungen und betonte, dass eine Streuobstwiese einen besonderen Sozialcharakter haben könne.

Schnelles Angebot

André Stargardt (SPD) sagte: »Wir müssen den Bürgern ein Angebot machen, das relativ schnell funktioniert. Mit Alleen oder dergleichen geht doch was.« Die Menschen bekämen dann das Gefühl, etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Blauert wandte ein, dass sich die Stadt schwer tue, geeignete Plätze zu finden. »Es gibt keine Fläche, die mich zu 100 Prozent überzeugt hat.«

Florian Craig und August-Wilhelm Schmale (CDU) verwiesen darauf, dass auch die Ortschaften eine Möglichkeit haben sollten, sich zu beteiligen. Schmale sagte: »Für Klimaschutz ist viel Potenzial in den Dörfern. Vielleicht könnte man da eine Gemeinschaftsinitiative machen. Die Menschen wissen jetzt, dass etwas getan werden muss.«

Auf den Vorschlag von André Stargardt, dass es ermöglicht werden sollte, Patenschaften für einzelne Bäume zu übernehmen, gab Blauert zu bedenken, dass der Bauhof am Ende seiner Kapazitäten sei.

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