Fr., 01.11.2019

Gestringen bekommt zum 1. Januar 2020 einen neuen Ortsheimatpfleger Uwe Lomberg wühlt in der Geschichte

Uwe Lomberg mit der Dorfchronik zum 700. Geburtstag von Gestringen. Der 62-Jährige ist Vater dreier Söhne. Seine Hobbys sind Ski- und Fahrradfahren.

Uwe Lomberg mit der Dorfchronik zum 700. Geburtstag von Gestringen. Der 62-Jährige ist Vater dreier Söhne. Seine Hobbys sind Ski- und Fahrradfahren. Foto: Felix Quebbemann

Von Felix Quebbemann

Gestringen (WB). Uwe Lomberg wohnt derzeit auf einer Baustelle. Der 62-jährige Gestringer ist damit beschäftigt, sein Wohnhaus zu sanieren. Da ist es auch mal notwendig, sich vom Lärm der Maschinen zu entfernen. Im Wintergarten findet er die Ruhe, um sich mit der Geschichte seines Heimatortes zu beschäftigen.

Dies tut der 62-Jährige sehr gerne, und ab dem 1. Januar 2020 auch in offizieller Funktion. Denn Lomberg wird dann Nachfolger des langjährigen Gestringer Ortsheimatpflegers Karl-Friedrich Hüsemann.

Steckenpferd

»Man hat mich von der Dorfgemeinschaft gefragt, ob ich es machen will und ich habe gesagt: ›Ja, mach ich.‹« Dabei kann sich Lomberg über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen. Er ist nicht nur in der Dorfgemeinschaft aktiv. Auch der Geschichtsverein ist eines seiner Steckenpferde. Und nicht zuletzt seine Tätigkeit als Vorsitzender des Fördervereins Gemeindezentrum Gestringen nimmt ihn doch sehr in Anspruch – vor allem jetzt, da die Zukunft des Gemeindezentrums noch ungewiss ist.

Die Dorfgemeinschaft aber hätte wohl kaum einen besseren Nachfolger für Hüsemann finden können. Lomberg ist gebürtiger Gestringer. »Zwischendurch bin ich mal als Kind mit meinen Eltern nach Lübbecke gezogen. Aber dann bin ich wieder gekommen.« In seiner Lübbecker Zeit habe er zudem immer die Verbindung zu Gestringen gehalten.

Die Wurzeln

Die Gestringer Wurzeln sind stark bei Uwe Lomberg. So stehe das Elternhaus seiner Mutter gleich nebenan. Sein Vater stammte aus der Lüneburger Heide, ist dann aber in Gestringen heimisch geworden.

Dass Lomberg, der ehemals Prokurist und Betriebsleiter war und nun im Vorruhestand ist, seinen Heimatort sehr liebt, wird mit jedem Satz deutlich, den er über Gestringen sagt. »Es ist ein ländlicher Ort«, der immer mehr gewachsen sei und »nach dem Krieg modern geworden ist«.

Über seinen Schwerpunkt als Ortsheimatpfleger hat Lomberg bereits klare Vorstellungen. »Ich möchte gerne die jüngere Geschichte des Ortes bearbeiten.« Er umriss diesen Zeitraum grob mit der Entstehung des Gestringer Bahnhofs im Jahr 1899. Dies sei deutlich vor der Einweihung des Mittellandkanals im Jahr 1915 gewesen. »Der Bahnhof hat grundlegend etwas verändert«, erläutert Lomberg. »Espelkamp gab es noch nicht. Die umliegenden Orte hatten keinen Bahnhof, so dass sie alle nach Gestringen kommen mussten.«

Dadurch habe sich der Ort sehr verändert. Von seiner Mutter und seiner Tante weiß Lomberg zum Beispiel, dass in Gestringen nur Hochdeutsch gesprochen wurde. Plattdeutsch sei schon früh verschwunden. »Es war ja ein Weltdorf«, meint Lomberg mit einem Schmunzeln. Diese These untermauert er mit der Eröffnung der Poststation. Dies fand kurz nach der Entstehung des Bahnhofs statt. Auch dies sei ein einschneidendes Erlebnis für die Gestringer gewesen.

Flüchtlingswelle

In den Jahren nach 1945 hätten sich dann viele Flüchtlinge angesiedelt. Der Bahnhof sei letztlich geschlossen worden und eine zweite Flüchtlingswelle habe ebenfalls die Entwicklung Gestringens geprägt. »Das muss alles gut aufgearbeitet werden«, sagt Lomberg, der Vater von drei Söhnen ist.

Die Geschichte vom Schloss Benkhausen sei von Hüsemann, der Familie Gauselmann und dem Historiker Rainer Pöppinghege gut aufgearbeitet worden. »Das muss man natürlich auch begleiten, kann aber nicht die Hauptaufgabe sein«, stellt Lomberg heraus. Sein Hauptaugenmerk liege eher auf der Entwicklung der vergangenen 150 Jahre.

Als Ortsheimatpfleger arbeite man eng mit der Dorfgemeinschaft zusammen. Dies sei für eine gute Koordination unerlässlich. Für die Zukunft könne er sich gut vorstellen, auch Führungen durch Gestringen anzubieten. In diesem Zusammenhang lobt er die Schnatgänge, die Karl-Friedrich Hüsemann angeboten hat. »Es ist ganz wichtig zu wissen, wo die Grenzen Gestringens sind.« In diesem Zusammenhang spricht Lomberg auch das kleine »Drei-Länder-Eck« zwischen Isenstedt, Gestringen und Fabbenstedt an. Viele wüssten gar nicht, dass zwischen Gestringen und Espelkamp noch »ein kleiner Gürtel« Fabbenstedt liegt. Im Vermitteln dieses Wissens »sehe ich den Schwerpunkt meiner Arbeit«.

Zeitzeugen

Lomberg ist gut vernetzt im Ort. »Das ist der Vorteil, wenn man hier lange wohnt.« Er will für seine Arbeit als Ortsheimatpfleger viele Quellen anzapfen. Dazu gehören Standardwerke wie die Dorfchronik zum 700-jährigen Jubiläum, aber auch Aufzeichnungen von Geschäftsleuten, Nachbarn und weiteren Einwohnern. Natürlich sucht Lomberg auch das direkte Gespräch. Aber: »Die Zeitzeugen werden immer weniger.«

Für die nächsten acht Jahre wird er sich darum kümmern, ein Stück Gestringer Geschichte zu erforschen und zu dokumentieren. Um diese Arbeit verrichten zu können zu können, müsse man einen Draht und Liebe zu Gestringen haben. »Man muss daran Spaß haben, auch einmal rumzuwühlen und sich mit Menschen zu unterhalten, damit man etwas erfährt.«

Wer im übrigen noch Dokumente über die Geschichte Gestringens hat, kann sich mit Uwe Lomberg gerne in Verbindung setzen, unter Telefon 05743/1272.

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