Sa., 09.11.2019

Verkehrsplaner stellt neues Radverkehrssicherheitskonzept für Espelkamp vor Es wird ein langer Prozess

Auch in Espelkamp gibt es immer mehr Menschen, die auf das Rad umsteigen.

Auch in Espelkamp gibt es immer mehr Menschen, die auf das Rad umsteigen. Foto: dpa

Von Felix Quebbemann

Espelkamp (WB). Der Fahrradverkehr wird künftig verstärkt auf die Straße gebracht werden. Dies betonte der Verkehrsplaner Dennis Stocksmeier von der Planersocietät während der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses.

Stocksmeier stellte das Radverkehrssicherheitskonzept vor, das im Verbund mit dem Verkehrskonzept für die Stadt Espelkamp zu sehen ist. Das Gesamtkonzept soll nun auch folgen. Die Politik hatte aber die Verwaltung beauftragt, zunächst einen Experten zu beauftragen, der ein Radverkehrssicherheitskonzept erarbeitet.

Irritationen

Stocksmeier machte zunächst deutlich, dass es in der jüngeren Vergangenheit Irritationen in der Bevölkerung gegeben habe. »Das Sicherheitsgefühl ist verloren gegangen.« Dabei solle doch der Radverkehr sicherer und attraktiver gemacht werden.

Im Anschluss sagte Stocksmeier, dass es das Ziel sei, den Radverkehr möglichst auf der Fahrbahn zu führen. Dies sehe auch die Straßenverkehrsordnung (StVO), Paragraf 2, Abs. 1 vor. Darin stehe, das Fahrzeuge auf die Fahrbahn gehörten. »Fahrräder sind Fahrzeuge«, sagte er. Zudem hätten Studien gezeigt, dass die Nutzung eines Radweges ein fünf mal höheres Risiko beinhalte als das Fahren auf der Straße. Daher sagte er, dass es grundsätzlich das Ziel sei, den Radverkehr auf die Straße zu bringen. Es gebe aber Ausnahmen. So könne an bestimmten Stellen die Freigabe der Nebenanlage gegeben werden.

Im Anschluss widmete sich Stocksmeier bestimmten Straßen in Espelkamp. Dabei wurde deutlich: Einiges kann so bleiben, wie es ist.

Piktogramme

An der General-Bishop-Straße zum Beispiel soll die »vorherrschende Radverkehrsführung auf der Fahrbahn sein«. Dort seien bereits »Detmolder Piktogramme« aufgebracht. Auch bei der Birger-Forell-Straße, die in die Kolonie-straße übergeht, sagte Stocksmeier, dass der Radverkehr nur noch auf der Straße abgewickelt werden soll.

Kritik äußerte er an den Kreisverkehren. Diese seien in die Jahre gekommen und dort müsse über Neuerungen nachgedacht werden. Er schlug unter anderem vor, generell Fußgänger-Überwege und Radfahrerfurten an den Kreisverkehren zu installieren. Vor Ampelanlagen solle ein Aufstellbereich für die Radfahrer eingerichtet werden, »und vielleicht eine gesonderte Radfahrerampel, um den Radlern einen Vorsprung gegenüber den Autofahrern zu geben.« Darüber hinaus, so der Experte, solle bei T-Kreuzungen ebenfalls immer eine Radfahrerfurt auf die Fahrbahn aufgebracht werden.

Entlang der Lübbecker Straße soll »die Möglichkeit gegeben werden, auf der Straße zu fahren.« Dort sei es aber auch möglich, bei einem Ausbau des Radweges auf 2,50 Meter Breite auf der Nebenanlage zu fahren, wenn es den Menschen auf der Straße »zu unsicher ist«.

Auf der Beuthener Straße solle es so bleiben, wie es ist – nämlich dass die Radler auf der Straße fahren. Der dortige »andere Radweg« könne aber weiter genutzt werden. Es sei genügend Platz vorhanden. Für die Koloniestraße hatte der Experte auch eine Empfehlung – Radler auf die Straße. Als letztes erklärte Stocksmeier, dass in der Breslauer Straße alles so bleiben könne, wie es ist. Dort sei genügend Raum vorhanden, so dass die Radler, die langsamer fahren, auf dem »anderen Radweg« fahren könnten. Zügigere Radler könnten die Straße nutzen.

Erfolg

All dies den Radfahrern zu vermitteln sei natürlich nicht einfach. Daher sagte der Verkehrsplaner, sei es wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren und zu informieren. In Gütersloh habe man mit einer weiteren Maßnahme ebenfalls großen Erfolg. Dort gebe es Schilder, die darauf aufmerksam machten, dass Radfahrer zum Beispiel in bestimmten Straßenzügen auf der Fahrbahn radeln müssten, den Radweg benutzen könnten oder dass der Sicherheitsabstand von 1,50 Meter beim Überholen eines Radlers eingehalten wird.

Die Schilder werden von Woche zu Woche in anderen Straßen aufgestellt. Dies erhöhe die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer, so Stocksmeier. Die Maßnahme jedenfalls habe Erfolg.

All die vorgestellten Ideen und Neuerungen, so Stocksmeier, würden natürlich nur innerorts gelten. Aber er hielt sie für sinnvoll, denn er habe schon festgestellt, dass es in Espelkamp durchaus viele Radler gebe.

Investitionsvolumen

Als Investitionsvolumen für die Umsetzung der genannten Maßnahmen bezifferte Stocksmeier grob die Zahl von 650.000 Euro. Davon aber werde der überwiegende Teil auf die Anpassungen der Fahrbahnoberflächen entfallen. Zudem gebe es genügend Förderungen, so dass die Stadt nur einen Teil der Summe aufbringen müsse.

Bürgermeister Heinrich Vieker stellte die Frage, »wie wir einer Vielzahl von Bürgern beibringen sollen, dass das Radfahren auf der Straße sicherer ist? Das ist eine Frage, mit der wir jeden Tag konfrontiert werden.«

Stocksmeier erklärte, dass dies nur über die Zeit gehe. Espelkamp stehe mit dem Problem nicht alleine da. Man müsse auch Überzeugungsarbeit leisten und solle damit am besten schon in der Schule anfangen.

Thomas Rogalske (CDU) sagte, dass dies sein sehr emotionales Thema sei. Er wünschte sich mehr Ausnahmen, um mit dem Rad nicht auf die Straße zu müssen. Denn er sagte auch, dass er es wohl niemandem beibringen können , im Bereich der Fritz-Steding-Brücke auf der Straße und nicht auf dem Gehweg zu fahren.

Stocksmeier erklärte, dass für mehr Ausnahmen eine besondere Gefahrenlage bestehen müsse. »Aber das ist nicht gegeben.«

Selbstverständnis

Florian Craig (Grüne) bemängelte ebenfalls die Situation an der Koloniestraße und sagte, dass der Radfahrer dort »nicht der Abgeschossene sein darf«.

Paul-Gerhard Seidel (Unabhängige) sagte, dass er sich ein Bewusstsein wünsche, wie es in Holland schon lange vorherrsche. »Die haben ein ganz anderes Selbstverständnis.« Seidel forderte wie Gisela Vorwerg (FDP) zu mehr Rücksicht im Straßenverkehr auf. Das Thema jedenfalls werde die Politik noch lange beschäftigen. Und Seidel betonte auch mit Blick auf die StVO die eindeutige Rechtslage.

Bürgermeister Vieker sagte abschließend, dass »man noch einiges investieren und dicke Bretter bohren« müsse. Erfolg aber gebe es nur über Einsicht und nicht über Strafen.

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