Der Espelkamper Geschichtskreis feiert seinen zehnten Geburtstag
Ein Mammutprojekt ist in Arbeit

Espelkamp (WB/fq). Die Geschichte Espelkamps ist alles andere als alltäglich. Es gibt nicht viele Städte, die aus einer ehemaligen Munitionsanstalt des Zweiten Weltkrieges entstanden sind und deren Bevölkerung sich aus so unterschiedlichen Kulturen und Ländern zusammensetzt.

Donnerstag, 16.01.2020, 20:00 Uhr
10.000 Bilder hat der Geschichtskreise gesammelt – etwa vom Ostteil der Breslauer Straße (1969, oben links), von der Breslauer Straße (1956, oben rechts), vom Jugendzentrum (1979, unten rechts), von der Breslauer Straße West (1965, unten links). Foto: Quebbemann
10.000 Bilder hat der Geschichtskreise gesammelt – etwa vom Ostteil der Breslauer Straße (1969, oben links), von der Breslauer Straße (1956, oben rechts), vom Jugendzentrum (1979, unten rechts), von der Breslauer Straße West (1965, unten links). Foto: Quebbemann

Erstes Treffen

Als im Jahr 2009 die Stadtverwaltung mit verschiedenen Projekten an die Verleihung der Stadtrechte vor 50 Jahre erinnerte, wurde der Wunsch geäußert, einen Arbeitskreis oder Verein zu gründen, der sich mit der Stadthistorie beschäftigt. Damit sollte die Tradition der Gesprächskreise von Zeitzeugen unter Leitung von Dr. Ruby Simon wieder aufgenommen und fortgeführt werden.

Das erste Treffen interessierter Bürger fand im August 2009 statt und Anfang 2010 gründete sich der Geschichtskreis. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Christel Senckel, Ernst Becker, Hartwig Berges, Jürgen Heimsath, Karl-Heinz Hentschel sowie die zwischenzeitlich verstorbenen Mitglieder Hans-Georg Meyer, Siegfried Nötzel und Waltraud Meyer. Mittlerweile sind auch Monika Dose, Anneliese Meyer, Manfred Steinmann, Hans Brink, Gerd Kleinehollenhorst, Gerd Könemann, Dr. Dieter Köpper und Karin Keller dabei.

Der Auftakt

Die offizielle Auftaktveranstaltung des Geschichtskreises erfolgte mit der Übergabe der beiden Info-Tafeln am Tannenbergplatz im Oktober 2010. Von Anfang an stand für die Mitglieder fest, dass die vielen Informationen zu den Anfängen des Stadtzentrums nicht in irgendeiner Schublade verstauben dürfen.

Durch die Beschäftigung mit den Texten für die beiden Tafeln entwickelte sich die Idee, interessierten Bürger die Geschichte ihrer Stadt in Form von Spaziergängen näher zu bringen. Zwei ausgearbeitete Touren wurden angeboten, weitere Themenspaziergänge wurden angedacht.

Im Jahr 2012 wurde die Steil-Hof-Chronik veröffentlicht, die viele Jahre im Stadtarchiv schlummerte. Sie umfasst den Zeitraum von 1946 bis 1962 und ist von drei Mitarbeiterinnen des Steil-Hofes verfasst worden, die aktiv an den Ereignissen beteiligt waren.

Die Vorarbeiten

Nach umfangreichen Vorarbeiten konnte der Geschichtskreis ein weiteres Projekt vorstellen, den Bildband „Espelkamp 1945 – 1966: Aufbau einer Stadt – Aufbruch in eine hoffnungsvolle Zukunft“. „640 Fotos aus der Entstehungszeit Espelkamps zeigen die Aufbruchstimmung und den großen Gestaltungswillen der Gründergeneration, deren Lebensleistung nicht vergessen werden darf“, sagt Geschichtskreismitglied Manfred Steinmann.

Die große Resonanz führte dazu, dass von vielen Lesern der Wunsch nach einer Fortsetzung laut wurde. Diesem Wunsch konnte der Geschichtskreis 2015 entsprechen mit der Vorlage des zweiten Bildbandes „Espelkamp 1969 – 1999: Zweiter Aufbruch mit neuen Herausforderungen“.

Das Archiv

Von Anfang an bemühte sich der Geschichtskreis auch darum, vorhandene historische Bilder zu sammeln, zu digitalisieren und zu archivieren. In diesem Bemühen wurde der Geschichtskreis durch die Öffentlichkeit unterstützt. Viele wertvolle Bilder zur Entstehungsgeschichte der Stadt, die im Privatbesitz schlummerten, konnten so für eine interessierte Öffentlichkeit „gerettet“ werden.

„Inzwischen umfasst das Archiv über 10 000 Bilder zur Geschichte Espelkamps – von den Anfängen bis zur Gegenwart“, sagt Steinmann weiter. Das sei auch der Grund, warum der Geschichtskreis mit Bildern und Texten das Vorhaben der Stadt unterstützen konnte, im Stadtgebiet neun Multifunktionskästen der Telekom mit Bildern aus der Vergangenheit und Texten zu versehen. „Zu den ursprünglich neun Standorten sind Ende 2019 zwei hinzugekommen, an der Görlitzer Straße und am Südtor“, bilanziert Steinmann.

2018 jährte sich am 4. Juli der 60. Todestag Birger Forells und am 27. September sein 125. Geburtstag. Das war Grund genug, um sich in Espelkamp wieder an einen Mann zu erinnern, von dem Bischof Hermann Kunst in seiner Laudatio sagte: „Unter den Vätern unserer Stadt ist er der Bedeutendste“. Aus diesem Anlass erinnerte der Geschichtskreis mit seinem Buch „Birger Forell und Espelkamp, weshalb Schulen und Straße seinen Namen tragen“ an die Hilfe, die Forell im Namen der Mitmenschlichkeit für die Gründung Espelkamps geleistet hat.

Das letzte Projekt, das der Geschichtskreis der Öffentlichkeit vorstellen konnte, war Anfang dieses Jahres die Schulchronik von Karl-Heinz Hentschel, die der Geschichtskreis in Buchform und reicher Bebilderung gestaltete.

Das Mammutprojekt

Während all dieser Aktivitäten arbeiteten die Mitglieder des Geschichtskreises an einem Mammutprojekt, nämlich an der Erstellung des Films „Die Leistung der Gründergeneration“. An mehreren Drehtagen wurden bis jetzt Bürger interviewt, die noch aus eigener Erfahrung die Entstehung der Stadt miterlebt haben und über ihre persönlichen Schicksale berichten.

„Diese sensible und zeitaufwendige Sicherung von Zeitzeugeninformationen zur Entstehung und Entwicklung des jungen Gemeinwesens wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Steinmann.

Die Informationen

Es bleibe ein zentrales Anliegen des Geschichtskreises, die vielfältigen Informationen zu den Anfängen des Stadtzentrums nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sondern in geeigneter Form weiterzugeben, teilt Manfred Steinmann stellvertretend für den ganzen Geschichtskreis mit.

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