Do., 13.02.2020

„Monsieur Claude und seine Töchter“ im Neuen Theater aufgeführt Ein ernstes Thema mit viel Humor

Die drei Töchter des Ehepaars Claude und Marie Verneuil sind mit ihren Ehemännern glücklich verheiratet. Monsieur Claude aber hofft, dass wenigstens Tochter Nummer vier einen Mann heiratet, der seinen Vorstellungen entspricht.

Die drei Töchter des Ehepaars Claude und Marie Verneuil sind mit ihren Ehemännern glücklich verheiratet. Monsieur Claude aber hofft, dass wenigstens Tochter Nummer vier einen Mann heiratet, der seinen Vorstellungen entspricht. Foto: Jan Lücking

Espelkamp (WB/JP). Dieses Stück hat beste Unterhaltung und turbulente Szenen versprochen. „Monsieur Claude und seine Töchter“ ist im Neuen Theater aufgeführt worden. Der gleichnamige Film war bereits ein Publikumsmagnet. Die Bühnenfassung hat ebenfalls für ein ausverkauftes Neues Theater gesorgt.

Inszenierung

Dort überzeugte die Inszenierung von Stefan Zimmerman mit dem Ensemble der a.gon Theaterproduktion aus München mit ausdruckstarken Schauspielern, Dynamik und viel Witz.

Das Ehepaar Claude und Marie Verneuil hat vier Töchter. Die eine ist mit einem Moslem, die zweite mit einem Juden und die dritte mit einem Chinesen verheiratet. Für den konservativen Vater durchaus eine Herausforderung. Als nun die vierte Tochter ihre Verlobung verkündet, scheint es endlich ein Schwiegersohn nach Wunsch zu werden. Charles Koffi heißt er. Er hat nicht nur die richtige Konfession – er ist Katholik – sondern hat auch noch den gleichen Vornamen wie Charles de Gaulle. Ein Glücksgriff – bis Claude Verneuil den künftigen Schwiegersohn zu Gesicht bekommt. Denn der ist „schwarz“. Jetzt wird es den braven Eheleuten Verneuil, pardon, wirklich zu bunt. Es benötigt viel Streit und französischen Rotwein bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass der Untergang des Abendlandes vorerst ausbleibt.

Bühnendekoration

Einfache Holzmöbel auf einem Holzpodest wurden vom Ensemble flexibel eingesetzt. Auf der linken und auf der rechten Seite der Bühne standen jeweils drei hohe Säulen, die die Szenen mit der passenden Beleuchtung betonten. Im Hintergrund zeigte eine Leinwand verschiedene Projektionen. Mal war eine Gebäudefassade zu sehen, in einer anderen Szene wurde der Blick vom Wohnzimmer nach außen gezeigt. Eine schöne Idee, um mit einfachen Mitteln die Atomsphäre auf der Bühne zu verändern.

Das Weihnachtsessen der Familie entpuppte sich zu einem Höhepunkt des Abends: Ein Dinner mit einem Chinesen, einem Moslem und einem Juden am Tisch in einem konservativen, französisch-katholischen Haus gelingt nur, wenn man nicht über Israel, den Dalai Lama und die französische Armee spricht, um den Familienfrieden zu wahren. Solange Monsieur Claude am Heiligen Abend nicht mit Stäbchen essen muss, lässt er sich auf das Festessen ein und muss miterleben, wie die Schwiegersöhne mit Monsieur Claude die französische Nationalhymne schmettern, um ihrem Schwiegervater zu imponieren.

Ausnüchterungszelle

Die Komödie wusste das heikle Thema „Rassismus“ mit Humor auf die Bühne zu bringen. Am Ende sitzen Monsieur Claude und der Vater seines künftigen Schwiegersohnes in der Ausnüchterungszelle. Dort findet das Drehbuch einen weiteren komödiantischen Höhepunkt. Nach all diesen Turbulenzen kommt es am Ende nämlich zur fröhlichen vierten Hochzeit und Marie und Claude Verneuil arrangierten sich mit ihren individuellen Schwiegersöhnen.

Das Stück hatte höchsten Unterhaltungswert. Inhaltlich war dies einem Großteil des Publikums bereits bekannt.

Keine Wünsche

Die Darbietungen der Schauspieler ließen aber auch keine Wünsche offen. Dabei zeigte das Ensemble eine glänzende Vorstellung. Ihm gelang es, den inhaltsstarken Plot, der vor Vorurteilen nur so strotzte, mit einer gewissen Leichtigkeit zu vermitteln. Rassismus ist ein ernstes Thema. Aber auch über die Komödie konnte man sich mit dieser schweren Kost beschäftigen. Dank einer tollen Schauspielerriege gelang dies ohne Fremdscham und Verharmlosung. Toleranz und Vielfalt wurden mit einer großen Portion Humor vermittelt. Ein gelungener Theaterabend.

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