Mi., 19.02.2020

Ursula Heinen-Esser spricht beim Kreisverbandstag über zukunftsfähige Landwirtschaft Ministerin fordert: „Machen Sie weiter!“

Gut gelaunt hat die NRW-Landwirtschaftsministerin, Ursula Heinen-Esser, ihre Rede vorgetragen. Sie erhielt von den anwesenden Landwirten Applaus. Sie hat sich unter anderem mit der Düngemittelverordnung und dem Tierwohl beschäftigt.

Gut gelaunt hat die NRW-Landwirtschaftsministerin, Ursula Heinen-Esser, ihre Rede vorgetragen. Sie erhielt von den anwesenden Landwirten Applaus. Sie hat sich unter anderem mit der Düngemittelverordnung und dem Tierwohl beschäftigt. Foto: Felix Quebbemann

Von Felix Quebbemann

Espelkamp (WB). Positiv in die Zukunft schauen und den Wert der Landwirtschaft sowie deren Produkte offensiver kommunizieren. Das waren nur zwei der Punkte, die Ursula Heinen-Esser, NRW-Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, beim Landwirtschaftlichen Kreisverbandstag im Bürgerhaus angesprochen hat. Dies dürfte den mehr als 300 anwesenden Landwirten am Dienstagabend durchaus gut gefallen haben.

Verspätung

Der Auftritt von Heinen-Esser begann zunächst mit einer Verspätung. Denn die Landesministerin stand noch im Stau auf der Autobahn.

Das war jedoch kein Problem für die Landwirte. Rainer Meyer, Vorsitzender des Kreisverbandes im Westfälisch-Lippischen-Landwirtschaftsverband, übernahm die Begrüßung und gab gleich weiter an Dr. Beatrix Wallberg, Leiterin des Kreis-Umweltamtes. Die betonte, dass die Landwirte eine „wichtige Rolle beim Klimaschutz“ übernehme. Zum einen würden sich die negativen Folgen der Klimaveränderung ganz unmittelbar auf die Landwirtschaft auswirken. Zum anderen trage der Berufszweig auch zum CO 2 -Ausstoß bei. Wallberg sprach die Gründung einer Klimaallianz und betonte die Relevanz konstruktiver Gespräche.

Rainer Meyer übernahm nach den Grußworten der stellvertretenden Bürgermeisterin in Espelkamp, Christel Senckel, das Mikrofon und widmete sich einem der Hauptthemen des Abends – dem Grundwasserschutz. Meyer betonte, die Landwirtschaft werde sich dort, wo „wir nachweislich zu viel Nitrat in das Grundwasser einbringen, verbessern“. Denn: „Wir Bauern wollen den Grundwasserschutz.“ Er sprach sich beim Nitrataustrag aber ganz klar gegen „die pauschale Einschränkung in den Gebieten ‚Roter Grundwasserkörper‘“ aus. Dies sei unverhältnismäßig.

Launige Rede

Heinen-Esser führte dieses Thema in ihrer launigen Rede zur „Zukunftsfähigen Landwirtschaft in NRW“ fort. Es würden 200 zusätzliche Grundwasser-Messstellen in Nordrhein-Westfalen aufgestellt, denn es gebe bereits Hinweise darauf, dass nicht an allen aufgestellten Messstellen – zurzeit sind es 1500 – valide Ergebnisse hervorgebracht werden. Sie bot an, bei zweifelhaften Messergebnissen ihr Ministerium zu kontaktieren. Diese Gelegenheit nahm ein Espelkamper Landwirt, der „nachweislich“ unter den Nitratrichtwerten liege, gleich wahr. Heinen-Esser nahm diesen Einwurf auf, und sagte dem Landwirt zu, er solle bei ihrem im Bürgerhaus anwesenden Mitarbeiter seine Daten hinterlassen. „Wir kommen raus.“

Die Politikerin wusste, mit Schlagfertigkeit und guter Laune durchaus Optimismus bei den hiesigen Landwirten zu verbreiten. Sie bat die Bauern darum, noch dieses Jahr durchzuhalten. Denn dann wären wichtige Richtlinien und Gesetze – unter anderem zur Düngemittelverordnung, zur Biodiversität und zum Tierwohl – auf den Weg gebracht. Sie setzt dabei unter anderem große Hoffnung auf die deutsche EU-Ratspräsidentschaft von Ursula von der Leyen.

Biodiversität

Die NRW-Ministerin sah die Landwirtschaft bei einigen Themen natürlich auch in der Pflicht. Im Rahmen der Biodiversität (biologischen Vielfalt) stellte sie jedoch auch die Frage. „Warum wachsen Industriegebiete immer in die Breite und nicht in die Höhe?“ Auch Bürger und Kommunen müssten etwas tun. Es gebe immer mehr Schottergärten. Sie könne nur die Gemeinden motivieren, die Vorgaben zu verändern, um die Gestaltung der Vorgärten anders zu gestalten. Sonst funktioniere Klimaschutz nicht.

220.000 Hektar Vertragsnaturschutzmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen zeigten im Übrigen das große Interesse, sich mit dem Thema Naturschutz auseinanderzusetzen.

Klartext

Bei der Tierhaltung sprach sie ebenfalls Klartext. Es gebe bei den beiden Themen „Tierwohl“ und „Baurecht“ einen klaren Zielkonflikt. Derzeit werde unter anderem an einem Stall der Zukunft geforscht.

Sie lobte die private Initiative Tierwohl, die sich für eine genaue Kennzeichnung von Fleisch eingesetzt habe. Es sei aber nicht vereinbar, dass ein regionales Produkt, das unter dem Gesichtspunkt des Tierwohls entstanden ist, neben der sehr viel günstigeren Aktionsware im Supermarkt liege. Sie kritisierte in diesem Zusammenhang explizit die vier großen Handelsketten in Deutschland und sagte, dass eine Kennzeichnung „nur mit dem Handel funktioniert“. Sie forderte in diesem Zusammenhang auch Preisbeobachtungen.

Zudem würde in vielen Ländern für Lebensmittel weitaus mehr Geld ausgegeben, als in Deutschland. „Wir müssen dem Verbraucher klar machen, was der Wert des Essens ist“, betonte Heinen-Esser und sprach eine Herausforderung für die Landwirtschaft der Zukunft an. Das Regionale müsse mehr Gewicht bekommen. Heinen-Esser ist sich aber sicher, dass sich die Gesellschaft genau in diese Richtung bewege. Sie forderte, mehr Werbung der Landwirtschaft, die auch den Wert der Produkte und die Qualität an sich in den Mittelpunkt stellt.

Kennzeichnung

Die Kennzeichnungsverordnung sei eine Möglichkeit, die Interessen der Landwirtschaft zu wahren. „Machen Sie weiter. Bleiben Sie bei der Stange“, forderte die Ministerin die Landwirte auf. „Wenn wir dieses Jahr durchstehen, gehe ich davon aus, dass die wichtigsten Vorgaben klar sind. Wir versuchen alles zu regeln, damit Sie Perspektive haben.“

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