Fr., 28.02.2020

Marco Hennig und Peter Kleine-Beek klären über neue Radregeln auf Die Sicherheit ist das Wichtigste

Das neue Radverkehrssicherheitskonzept hat schwerpunktmäßig die Sicherheit der Fahrradfahrer im Auge. Dabei werden alle Radler-Gruppen betrachtet – sowohl die schnellen wie auch die langsameren Pedalritter.

Das neue Radverkehrssicherheitskonzept hat schwerpunktmäßig die Sicherheit der Fahrradfahrer im Auge. Dabei werden alle Radler-Gruppen betrachtet – sowohl die schnellen wie auch die langsameren Pedalritter. Foto: dpa

Von Felix Quebbemann

Espelkamp (WB). Das Radverkehrssicherheitskonzept (RVSK) hat in den vergangenen Monaten hohe Wellen geschlagen. Marco Hennig und Peter Kleine-Beek vom Ordnungsamt in der Stadtverwaltung haben die Entwicklungen auf diesem Gebiet genau beobachtet – unter anderem Statements der Politiker aber natürlich auch besorgte Meinungen der Bürger.

Nun haben sie sich dazu entschieden, noch einmal einige Dinge zum Radverkehrssicherheitskonzept zu erläutern und deutlich zu machen. Die beiden zuständigen Verwaltungsexperten betonen zunächst einmal. „Am Ende steht für uns immer die Sicherheit der Bürger.“

Vorgaben

Viele Espelkamper haben das in den vergangenen Monaten nicht so gesehen, als sie gehört haben, dass der Fahrradverkehr schwerpunktmäßig auf die Fahrbahn gebracht werden solle.

Hennig ist durchaus bewusst, dass sich sowohl die Radfahrer wie auch die Autofahrer auf diese neue Situation einlassen müssen. Hennig und Kleine-Beek erläutern, dass dies keine exklusive Idee der Stadt Espelkamp sei. „Es gibt rechtliche Vorgaben der Straßenverkehrsordnung und der jeweiligen Regelwerke. Und das müssen wir umsetzen.“

Der Sachgebietsleiter betonte weiter, dass „wir großes Verständnis haben für ein Unsicherheitsgefühl bei den Fahrradfahrern“. Denn die hätten jahrelang auf einem gesonderten Weg fahren dürfen und müssten nun innerorts schwerpunktmäßig auf der Straßen radeln.

Zunächst aber räumte Hennig erst einmal mit einem Missverständnis auf, das ihm in den vergangenen Monaten häufig aufgefallen sei. Beim Radverkehrssicherheitskonzept handele es sich weder um das städtische Gesamtverkehrs- noch um ein Mobilitätskonzept. „Das Radverkehrssicherheitskonzept ist aus der politischen Diskussion entstanden.“ Hennig erläuterte, dass es sich lediglich um ein Teilprojekt des übergeordneten Gesamtverkehrskonzeptes für Espelkamp handele – was ausschließlich das Augenmerk auf die Sicherheit der Radler legt. „Es hat also nichts mit der Anbindung von Ortschaften an die Kernstadt zu tun“, stellte Hennig klar.

Ausnahmen

Bei dem RVSK habe Verkehrsplaner Dennis Stocksmeier von der Planersocietät am 8. November des vergangenen Jahres im Stadtentwicklungsausschuss (wir berichteten) zunächst einmal versucht, die verschiedenen Radler unter einen Hut zu bringen – ältere wie junge, schnelle wie langsamere Radfahrer genauso wie Pedelec-Nutzer.

Grundsätzlich gelte nach der Straßenverkehrsordnung (StVO), dass Radfahrer innerorts die Fahrbahn zu nutzen haben. Darüber hinaus wird in Espelkamp zusätzlich versucht, zulässige Fahrangebote auf Nebenanlagen zu ermöglichen. Dafür sind jedoch Mindestbreiten vorgeschrieben. Diese seien jedoch nicht immer vorhanden, sagte Hennig.

Aber es gibt natürlich Ausnahmen. So braucht man sich auf der Isenstedter Straße nicht umzustellen. Dort gibt es – farblich abgetrennt – einen Streifen für Fußgänger und Pedalritter, und zwar abgetrennt von der Fahrbahn. Ein Schild macht darauf aufmerksam, dass diese Option zu nutzen sei. Hennig spricht da von einer „Benutzungspflicht“ und erläuterte die Sonderstellung der Isenstedter Straße. Zum einen sei die Isenstedter Straße eine der Hauptverkehrsstraßen, zum anderen gebe es dort die baulichen Voraussetzungen für eine gemeinsame Benutzung. „Darüber hinaus gibt es sehr viel Schulverkehr aufgrund des Schul- und des Jugendzentrums.“ Eine solche Stelle gebe es im Stadtgebiet Espelkamp jedoch nur einmal, betonten die beiden.

Neuerungen

Die vorgestellten Neuerungen, so Hennig weiter, bezögen sich im Übrigen nur auf den innerörtlichen Bereich. Außerhalb Espelkamps sei sowieso ein vorhandener Radweg benutzerpflichtig.

Innerorts aber, und da wiederholte Hennig den Planer im Ausschuss, gebe es ein fünfmal höheres Unfallrisiko, wenn die Radfahrer auf einer Nebenanlage fahren würden. Dies besagten die Statistiken. Als Beispiel nannte er die Konfliktsituation zwischen Auto und Fahrrad an Einmündungen und Zufahrten, die vermehrt innerorts auftreten könnten.

Ein weiteres Missverständnis räumte Hennig ebenfalls aus. So habe es bei der Vorstellung des Konzeptes an einer Stelle geheißen, dass Radfahrer, die sich nicht so sicher fühlten – bei entsprechender Beschilderung – auch auf dem Radweg fahren dürften. Die Wahlmöglichkeit stehe aber natürlich allen Radlern zur Verfügung, betonte Hennig. „Wenn eine Anlage freigegeben ist durch ein entsprechendes Zeichen, darf sie auch von jedem Radfahrer genutzt werden“, fügte Kleine-Beek an.

Nadelöhr

Beide Verwaltungsexperten betonten, dass sich derzeit die Politik mit den vorgestellten Ideen des Planers beschäftige. Der politischen Entscheidung könnten sie nicht vorgreifen. Aber Pläne, wie es an der General-Bishop-Straße künftig für die Radler weiter gehe, gebe es natürlich schon.

Und auch an einem Nadelöhr in der Innenstadt, nämlich im Bereich der Kreuzung Rahdener Straße/Birger-Forell-Straße, werde sich künftig, nach dem Willen der Verwaltungsexperten, etwas ändern. Denn dort solle der Radfahrer ganz im Sinne der StVO auf die Straße gebracht werden (weiterer Bericht folgt).

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