Fr., 20.03.2020

Corona-Krise: Espelkamper Unternehmerin Anne Tönsmann sitzt in Asien fest Gestrandet in Nepal

Anne Tönsmann hat sich mit Knüpfern in Nepal getroffen. Nun sitzt sie in dem Land fest, da es aufgrund der Corona-Krise keine Rückflüge mehr gibt. Sie steht in ständigem Kontakt mit der deutschen Botschaft in Kathmandu. Die jedoch hat erklärt, dass derzeit eine Ausreise aus Nepal nicht möglich ist. Zahlreiche Aushänge in der Botschaft informieren über die angespannte Reisesituation.

Anne Tönsmann hat sich mit Knüpfern in Nepal getroffen. Nun sitzt sie in dem Land fest, da es aufgrund der Corona-Krise keine Rückflüge mehr gibt. Sie steht in ständigem Kontakt mit der deutschen Botschaft in Kathmandu. Die jedoch hat erklärt, dass derzeit eine Ausreise aus Nepal nicht möglich ist. Zahlreiche Aushänge in der Botschaft informieren über die angespannte Reisesituation.

Espelkamp/Nepal (WB). Viele Deutsche sitzen aufgrund der Corona-Krise noch immer in den verschiedensten Ländern dieser Welt fest. Zahlreiche Flüge wurden gestrichen. Auch Unternehmerin Anne Tönsmann vom Espelkamper Teppichhaus Tönsmann ist in Nepal gestrandet. Mit der Junior-Chefin des Betriebes hat sich WB-Redakteur Felix Quebbemann unterhalten.

 

Wie lange sind Sie schon geschäftlich in Nepal und wo genau sind Sie?

Anne Tönsmann: Ich bin seit Ende Februar in Nepal und Kaschmir unterwegs, um dringende geschäftliche Absprachen mit unseren Knüpfern zu treffen. Vieles kann man zwar heutzutage per E-Mail oder Skype erledigen, doch ganz ohne persönliche Kontakte geht es einfach nicht. Momentan bin ich in der Hauptstadt Kathmandu bei unseren befreundeten Geschäftspartnern.

 

Ist in dem Land, das noch als Corona frei gilt, etwas von der weltweiten Angst rund um das Virus zu spüren?

Tönsmann: Natürlich. Nepal ist auf einem sehr hohen Informations-Standard. Aktuelle weltweite Neuigkeiten mit sämtlichen Zahlen von befallenen Regionen und gestorbenen Menschen aus jedem Land der Welt sind bekannt. Aus diesem Grunde wurden bereits frühzeitig Nepals Grenzen geschlossen, an jedem Flughafen wird Fieber gemessen und man muss Formulare ausfüllen, ob man irgendwelche Symptome hat. Zudem haben bereits vorsorglich die Schulen geschlossen und öffentliche Veranstaltungen wurden abgesagt.

 

Wird der Alltag in Nepal auch vom Virus bestimmt?

Tönsmann: Massiv. Der Tourismus ist völlig zusammengebrochen. Nur noch die Touristen sind im Land, die wie ich hier gestrandet sind. Sehr viele Hotels haben geschlossen oder werden bald schließen. Auch Restaurants werden wegen ausbleibender Touristen zu machen. Viele Arbeiter, die aus den Dörfern nach Kathmandu oder in andere touristische Gebiete fahren, zum Beispiel nach Pokhara oder Chitwan, um dort zu arbeiten, fahren wieder nach Hause, weil dort keine Arbeit mehr für sie ist. Selbst unsere Teppich-Knüpferfamilien arbeiten unter sehr erschwerten Bedingungen.

Reiseagenturen werden geschlossen, da keine Reisen mehr ins Ausland organisiert werden können. Reisen innerhalb Nepals sind wenig gefragt. Kathmandu, die Hauptstadt, wird zunehmend leerer.

 

Sie waren schon bei der deutschen Botschaft. Wie ist der Stand der Dinge. Wird es noch ein Flugzeug geben, das in Richtung Deutschland abhebt?

Tönsmann: Es gibt viele Aushänge an der Botschaft. Derzeit werden erst die Touristen aus den massiv betroffenen Ländern zurückgeholt, da Nepal nach wie vor als Corona frei gilt. Die ersten Flüge stehen ab 15. April wieder auf dem Plan, aber selbst das ist derzeit nicht sicher. Wir haben unsere persönlichen Daten inklusive Passkopie und Telefonnummer an die deutsche Botschaft gegeben, so dass wir sofort informiert werden, falls ein Flug stattfindet.

 

Wie genau sehen an Nepals Grenzen die Kontrollen aus?

Tönsmann: Bei der Rückreise aus Kaschmir mussten wir uns einem Gesundheitscheck unterziehen. Dabei wurde auch geprüft, ob wir eines der markanten Symptome haben. Darüber hinaus wurde Fieber gemessen. Es stehen überall Handdesinfektionsmittel bereit. An den Eingängen der Hotels wird einem dieses direkt in die Hände gesprüht. Zudem wird jede Straße und jeder kleine Feldweg, der ins Land hineinführt, vom Militär bewacht.

 

Wie fühlt man sich in einem Land, das noch nicht vom Virus heimgesucht wurde?

Tönsmann: Wir verfolgen natürlich täglich die Nachrichten, was bei uns in der Heimat los ist und fühlen mit. Internetverbindungen sind hier deutlich besser als in Deutschland, so dass ich ständig per Whats-App-Call und Video-CaIl mit Familie, Freunden und Mitarbeitern in der Firma in Kontakt stehe. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es uns hier derzeit um Längen besser geht als den meisten Deutschen zu Hause. Besonders bedingt dadurch, dass wir in Nepal viele langjährige Geschäftskontakte haben, die inzwischen zu Freunden geworden sind. Wir stehen in engem sozialen Kontakt. Auch hier ist man vorsichtig. Es wird darauf hingewiesen, Menschenmassen zu vermeiden. Wenn man in Nepal einen anderen Menschen versucht anzurufen, gibt es automatische Hinweise per Bandansage über Sicherheits- und Verhaltensweisen bezüglich Covid-19. Ich persönlich empfinde das als sehr vorausschauend und fortschrittlich.

 

In Nepal wird das alltägliche Leben wahrscheinlich noch relativ normal weiterlaufen. Haben die Einzelhändler, die Clubs und die Bars noch geöffnet?

Tönsmann: Restaurants und Hotels leiden unter dem ausbleibendem Tourismus. Viele haben daher schon geschlossen. Ab sofort werden große Bars und Diskotheken auch schließen, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Im privaten Bereich wurde darum gebeten, sich nicht mit mehr als 20 Personen zu treffen.

Seit Donnerstagabend sind alle Clubs und Bars in Thamel, dem touristischen Ausflugsziel für Party und Shopping in Kathmandu, geschlossen worden. Nur noch maximal die Hälfte aller Geschäfte hat geöffnet. Besonders die Läden für Trekkingbedarf und Anbieter für touristische Touren wie Trekking, Mountainrafting und Paragliding haben geschlossen.

Natürlich haben wir ein sehr mulmiges Gefühl. Was passiert, wenn auch hier Fälle bekannt werden. Es stehen Hotels und Appartements bereit, falls auch Nepalesen in Quarantäne gebracht werden müssen. Dann werden die genannten Räumlichkeiten als Quarantänestation gratis hergegeben.

 

Haben Sie ein mulmiges Gefühl, wenn Sie bald nach Deutschland kommen sollten?

Tönsmann: Auf jeden Fall, bei dem, was ich von allen schon gehört habe, wird das eine ganz große Veränderung sein, da ich nicht hautnah von Anfang an alles mitbekommen habe.

 

Werden Sie von den Einwohnern Nepals gefragt, wie die Situation in Deutschland derzeit rund um den Corona-Virus ist?

Tönsmann: Natürlich, wir unterhalten uns täglich darüber. Auch in Nepal gibt es fast kein anderes Thema. Jeder sorgt sich, ist aber gleichzeitig sehr dankbar dafür, dass Nepal noch nicht betroffen ist. Sie sorgen sich natürlich auch um uns, um unser Wohlergehen und sind sehr freundlich, fürsorglich und hilfsbereit.

Ich sorge mich auch um unseren Betrieb. Von meinen Mitarbeitern habe ich gehört, dass wir zum Glück unseren Reinigungsbetrieb aufrecht erhalten können, auch mit unserem Abhol- und Bringdienst. Ich hoffe, dass wir diese schwere Zeit überbrücken können.

Kommentare

Grüße an Anne Tönsmann

Liebe Anne Tönsmann, wir grüßen Sie ganz herzlich aus Mecklenburg. Wir hoffen das Sie bald wieder in Espelkamp sein können. Liebe Grüße Petra und Hans-Werner Wolff sowie von Henning Wolff.Wir denken gern an unsere gemeinsame Buchlesung in Ihrem Hause im September 2019 zurück.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7336580?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F