Mi., 25.03.2020

Der Jugendmigrationsdienst berät auf digitalen und auf ungewöhnlichen Wegen Kreativität in der Krise

Claudia Armuth vom Jugendmigrationsdienst berät auch in der Corona-Krise weiter junge Migranten – wenn auch derzeit schwerpunktmäßig nur per Handy. In ihren Bürofenstern hat sie zudem wichtige Infos zur Corona-Pandemie gehängt.

Claudia Armuth vom Jugendmigrationsdienst berät auch in der Corona-Krise weiter junge Migranten – wenn auch derzeit schwerpunktmäßig nur per Handy. In ihren Bürofenstern hat sie zudem wichtige Infos zur Corona-Pandemie gehängt. Foto: Felix Quebbemann

Von Felix Quebbemann

Espelkamp (WB). Langeweile kommt bei Claudia Armuth vom Jugendmigrationsdienst (JMD) in Espelkamp derzeit nicht auf. Ihren „normalen Arbeitsrhythmus“ habe sie aufgrund der außergewöhnlichen Situation, die der Corona-Virus mit sich bringt, drastisch verändern müssen. „Wir müssen schon eine gewisse Kreativität an den Tag legen“, erklärt sie. „ Aber wir betreuen weiter.“

Ihr momentan wichtigstes Kommunikationsmittel ist das Handy. Dort trudeln täglich unzählige Anfragen jugendlicher Migranten ein.

Sorgen und Nöte

Armuth weiß, dass die Sorgen und Nöte der jungen Menschen, die neu nach Deutschland gekommen sind, ja nicht einfach Halt machen aufgrund der Pandemie.

„Wir arbeiten mit allen jungen Migranten bis zum 27. Lebensjahr zusammen.“ Sie und ihr Kollege in Minden würden den gesamten Kreis Minden-Lübbecke, ausgenommen Bad Oeynhausen, betreuen. Da kommt schon einiges zusammen. „Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt 484 junge Menschen aus 37 verschiedenen Ländern betreut.“

Und die haben auch in Zeiten des Corona-Virus ganz alltägliche Probleme. Es habe viele Anrufe in den vergangenen Tagen gegeben, so Armuth. „Große Not hatte zum Beispiel eine junge Frau, die von ihrem Vermieter die Kündigung erhalten hat“, erläutert Armuth einen Fall. Die schwangere Frau sei bei der Miete in Zahlungsrückstand geraten. Anrufe bei verschiedenen offiziellen Stellen schlugen fehl. Also wandte sich die Mieterin in ihrer Verzweiflung an Claudia Armuth.

Offenes Ohr

Normalerweise hätte die mit der Migrantin in den Räumen des JMD in der Rahdener Straße einen Termin ausgemacht, um das Problem zu klären. Das aber geht wegen der Corona-Krise derzeit nicht. „Am Telefon habe ich mit der Frau 15 bis 20 Minuten geredet. Sie hat geweint und war sehr aufgeregt. Ich musste sie erst einmal beruhigen.“ Das Kündigungsschreiben hat sich Armuth dann per Handy schicken lassen, um schließlich ein Schreiben an den Vermieter aufzusetzen. Dies wurde – ebenfalls per Handy – an die Mieterin zurück gesendet.

Vor Ort

Die Arbeit ist für Armuth nicht leichter geworden. Aber sie ist vor Ort aktiv. Über Handy ist sie montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 0151/41983115 immer erreichbar. Dies ist auch notwendig. Ob Ärger mit dem Stromanbieter oder das Ausdrucken von Hausaufgaben – der JMD hat für alle Anliegen ein offenes Ohr. Armuth weiß, dass dies unabdingbar ist. So könne derzeit manch jugendlicher Flüchtling zum Beispiel die Fristen für den Identitätsnachweis nicht einhalten, „weil viele Botschaften geschlossen haben“.

In diesen und anderen Fällen melden sich die Hilfesuchenden dann häufig bei Claudia Armuth. Auch online gibt es die Möglichkeit, sich von ihr beraten zu lassen. „Da haben wir ebenfalls gute Erfahrung gemacht.“ (www.jugendmigrationsdienste.de).

Amtliche Formulare werden zurzeit schon mal per fernmündlicher Anleitung mit dem Hilfesuchenden ausgefüllt. „Wir versuchen, eine Begleitung zu geben“, sagt Armuth. Viele Ämter hätten zudem geschlossen, wie das Ausländeramt des Kreises. „Aber was ist, wenn die Aufenthaltsgenehmigung verlängert werden muss?“, fragt Armuth, die den vielen Hilfegesuchen gerne nachkommt.

Es gebe im Übrigen auch noch Jugendliche, die mit dem Thema Corona gar nicht so viel anfangen könnten. Die verweist Armuth auf die Homepage des Bundesintegrationsbeauftragten. Dort gebe es Informationen zur Epidemie – in den verschiedensten Sprachen.

Info-Fenster

Wer kein Internet hat, kann sich so manch wichtige Information über Corona auch direkt beim JMD in Espelkamp abholen. Die Einrichtung hat zwar nicht geöffnet. Armuth nutzt aber die Fensterfront ihrer Räume dazu, um wichtige Infos rund um die Pandemie ins Fenster zu hängen – ganz kostenlos und für jedermann einsehbar.

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