Polster Peper produziert Schutzmasken – Möbelhaus öffnet am Montag wieder
Die Näherinnen legen richtig los

Espelkamp (WB). Eigentlich näht Gerlinde Kirchner beim Unternehmen Polster Peper Bezüge für die verschiedenen Möbelstücke. Aber was ist in Zeiten der Corona-Pandemie schon normal. Daher ist die Näherin gerade dabei, einen Mundschutz herzustellen. Denn das Möbelhaus Polster Peper hat den bundesweiten Hilferuf wohl vernommen, dass an allen Ecken und Enden Mundschutz-Masken fehlen.

Freitag, 17.04.2020, 21:34 Uhr aktualisiert: 17.04.2020, 21:40 Uhr
Und schon wieder ist ein Karton fertig. Jutta Wiemann präsentiert die fertiggestellten Schutzmasken. Das Unternehmen will in der Corona-Krise helfen. Foto: Felix Quebbemann
Und schon wieder ist ein Karton fertig. Jutta Wiemann präsentiert die fertiggestellten Schutzmasken. Das Unternehmen will in der Corona-Krise helfen. Foto: Felix Quebbemann

Alle Hände voll zu tun

Während die Nähmaschinen laufen, betrachten die Unternehmensleiter Jutta Wiemann und Hermann Peper die bereits gefüllten Kartons mit Schutzmasken. Nur wenige Augenblicke später klingelt auch schon wieder das Handy von Hermann Peper.

Die beiden haben alle Hände voll zu tun. Und das, obwohl ihr Möbelhaus seit nunmehr vier Wochen aufgrund des Coronavirus geschlossen ist. Aber auch das wird sich Anfang der kommenden Woche ändern.

Denn dann darf das Traditionshaus wieder seine Pforten für die Kunden öffnen. Diese Sonderregelung in Nordrhein-Westfalen hat das Unternehmen mit Wohlwollen aufgenommen. „Wir freuen uns, dass wir endlich wieder Gas geben dürfen“, erklärt Jutta Wiemann im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Unternehmen habe vier Wochen lang zu gehabt und dementsprechend „keine Aufträge reingeholt“. Lediglich die Polsterei habe in den vier Wochen weiterhin geöffnet habt. „Das ist ja schließlich ein Handwerk.“ Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass auch im Traditionshaus Polster Peper Kurzarbeit gefahren wird.

Am Montag geht es aber allmählich zurück in die Normalität. Hermann Peper erläutert, dass man auch die 800-Quadrameter-Vorgabe auf der Ausstellungsfläche problemlos erfüllen könne. Denn die Hallen des Unternehmens können durch Trennwände separiert werden.

Die beiden Unternehmer haben sich, sobald sie von den Möglichkeiten der Wiedereröffnung gehört haben, mit dem Ordnungsamt der Stadt Espelkamp in Verbindung gesetzt. Und auch sei ihnen signalisiert worden, dass einer Öffnung am Montag nichts im Wege stehe.

Jutta Wiemann sagt erleichtert: „Gott sei Dank. Wir sind schon sehr glücklich, dass wir wieder aufmachen dürfen.“ Nächste Woche werde man zunächst mit reduzierter Mannschaft beginnen. Auch die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen sind bereits in Arbeit. Standard dabei ist natürlich der Desinfektionsspender am Eingang der Ausstellungshalle.

Wiemann und Peper legen ihr Augenmerk im Unternehmen aber nicht nur auf den Verkauf von neuen Möbeln. Die Polsterei ist schließlich ein weiteres Standbein des Möbelhauses. Und Jutta Wiemann weiß, dass es wichtig ist, nun auch wieder zum Kunden zu fahren, um dort Möbelstücke zu begutachten, die überholt werden müssen. Dafür müsse man eben in die Häuser zum Kunden, „um die Aufarbeitung auch kalkulieren zu können“.

Richtiger Stoff

Während sie die Vorbereitungen für den kommenden Montag erläutert, klingelt bei Hermann Peper erneut das Telefon. Es geht um den richtigen Stoff für den Mundschutz. Die Idee, die Masken zu produzieren, sei in den Wochen des Lockdowns geboren worden. Schnell waren sich Wiemann und Peper einig, dass sie mithelfen wollen, die riesige Nachfrage nach dem Mundschutz zu bedienen. Sie hätten im Unternehmen das Know-How und die Kapazitäten, die dringend benötigten Artikel herzustellen.

Seit Montag sind insgesamt vier Näherinnen im Einsatz. Zunächst soll der Bedarf in den hiesigen Pflegeheimen und Schulen gedeckt werden, erläutern die Unternehmenschefs. Hermann Peper fügt an, dass es dem Unternehmen nicht darum gehe, an dieser Produktion Gewinn zu machen. Vielmehr sollen die Masken verschenkt oder zum Selbstkostenpreis vergeben werden. Im Mittelpunkt stehe, in der Corona-Krise der Bevölkerung zu helfen. Und das gelingt dem Unternehmen. Denn täglich werden etwa 200 Mundschutzmasken produziert. „Wir fertigen sie in drei Größen an“, sagt Hermann Peper und informiert sich am Telefon über neuen Stoff für weitere Mundschutzmasken. Denn die Lieferkette dürfe nicht abreißen.

200 Masken am Tag

Näherin Gerlinde Kirchner fädelt derweil einen neuen Faden in ihre Maschine ein, um sich an die Produktion der nächsten Maske zu machen. Denn auch heute soll das Ziel von 200 Masken pro Tag erreicht werden.

Leider nicht stattfinden können zunächst einmal die Feierlichkeiten zum 90. Unternehmensgeburtstag. Diese sollten eigentlich im April beginnen. Nun werden sie erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben. Doch Jutta Wiemann und Hermann Peper sowie die Belegeschaft von Polster Peper ist zunächst einmal glücklich, dass sie am Montag wieder sagen können: „Es ist geöffnet.“

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