Corona-Krise: Zirkus bangt um seine Existenz und bietet alternative Angebote
Francalli-Familie am Abgrund

Espelkamp (WB). Schausteller, Künstler, Gastronomen – diese Berufe sind weiterhin extrem hart von der Corona-Krise und den damit einhergehenden Auflagen betroffen.

Montag, 27.04.2020, 21:00 Uhr
Der Zirkus Francalli hat sein Winterquartier in der Nachbarschaft aufgeschlagen. Von Wagenfeld aus wollten die Artisten, Akrobaten und Dompteure ihre Show im Frühjahr 2020 beginnen. Das Coronavirus hat der Familie und dem gesamten Team jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Foto:
Der Zirkus Francalli hat sein Winterquartier in der Nachbarschaft aufgeschlagen. Von Wagenfeld aus wollten die Artisten, Akrobaten und Dompteure ihre Show im Frühjahr 2020 beginnen. Das Coronavirus hat der Familie und dem gesamten Team jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Tolle Shows

Miguel Frank, Zirkusdirektor vom Zirkus Francalli, weiß das nur zu gut. Eigentlich wollte er nämlich mit seiner Familie und den Artisten im Frühjahr durchstarten und so manch tolle Show im Zirkuszelt in der näheren und ferneren Umgebung präsentieren. Das aber ist nun hinfällig. Das Verbot von Veranstaltungen und Treffen sowie das Kontaktverbot macht Francalli einen Strich durch die Rechnung.

Und dieser Zustand bedroht den Direktor, seine Familie und die Tiere des Zirkus in ihrer Existenz. „Im vergangenen Jahr sind wir noch im Tierpark Ströhen aufgetreten – im Rahmen des Weihnachtszirkus“, sagt Miguel Frank.

Eigentlich war vorgesehen, dass der Zirkus sein Winterlager in Wagenfeld aufschlägt, um von dort in die Frühjahrs-Saison zu starten. Auch die Indianershow Jamanti ist fertig und sollte im Tierpark Ströhen aufgeführt werden. Doch durch das Coronavirus kam alles anders. „Durch die Krise haben wir keinen einzigen Auftritt“, sagt Frank.

Die Francalli-Shows begeistern die Besucher unter anderem mit Andalusier-Pferden. Auch Kamele und Rinder, darunter Texas Longhorn, gehören zum Zirkus-Team und bereichern die Shows. Die Lamas Sophie und Ursula sind wie die Esel Geppetto und Pinocchio ebenfalls eine der Attraktionen. Hinzu kommen die vielen Artisten.

Die Idee

Doch nun ruht der Betrieb. Um seine Familie überhaupt ernähren zu können, musste sich Miguel Frank etwas einfallen lassen. Und das hat er nun getan. Denn wenn die Gäste nicht in den Zirkus kommen können, dann kommt der Zirkus halt zu den Gästen. Keine Sorge – Miguel Frank will keine Manege im Garten eines Hauses aufbauen. Das geht sowieso nicht aufgrund des Kontaktverbotes. Was der Zirkus aber anbietet ist, dass zum Beispiel zu einem Kindergeburtstag eine Hüpfburg im Garten aufgebaut wird.

„Wir übernehmen den Transport sowie den Auf- und Abbau gegen eine Spende“, sagt Frank, der vor allem auf die Fans und Unterstützer in und um Espelkamp setzt. Denn im nördlichen Ostwestfalen-Lippe habe der Zirkus durch seine Auftritte viele Fans gewonnen.

Abwechslung

In Espelkamp hat Francalli schon etliche Male auf dem Festplatz gastiert. Die Idee mit der Hüpfburg soll für Kinder, die in der Corona-Zeit ihren Geburtstag feiern, für Abwechslung sorgen. Schließlich ist auch der Nachwuchs vom Kontaktverbot betroffen.

Alternativ bietet der Zirkus auch an, einen seiner Clowns bei einem Kindergeburtstag vorbeizuschicken oder Ponys. Miguel Frank weiß, dass seine neunköpfige Familie in dieser schweren Zeit erfinderisch sein muss, damit wieder Geld in die Kasse kommt.

Ein weiterer Service soll darüber hinaus einen ganz praktischen Nutzen haben. Denn wer viel zu transportieren hat, kann die Zirkusfamilie ebenfalls kontaktieren. Sie stellen für den Transport schwerer Dinge ihren Lkw als „Packesel“ gerne zur Verfügung.

Etwas Entspannung gebe es derweil bei den Futterspenden für die Tiere. Viele tierliebe Bürger hätten bereits für die Vierbeiner gespendet. Aber auch da sagt Frank, dass jede weitere Spende sehr willkommen sei.

Laufende Kosten

„Wer uns helfen und spenden möchte, kann sich bei mir unter Telefon 0163/3405157 melden“, sagt der Direktor. Die Situation jedenfalls ist bei der neunköpfigen Zirkusfamilie ernst. „Momentan wissen wir nicht, wie wir es schaffen sollen“, sagt Frank. Die laufenden Kosten würden weiterhin anfallen. Der Direktor nennt unter anderem die Heizkosten.

Neben seiner Familie besteht der Zirkus normalerweise noch aus vielen Artisten. Die sind aber gar nicht erst zum Platz nach Wagenfeld gekommen, um von dort zur Tournee aufzubrechen.

„Wir appellieren an unsere Fans und Freunde, die uns unter anderem bei den Auftritten hier in der Umgebung kennen gelernt haben, uns zu helfen“, sagt Frank.

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