Espelkamper Aufbaugemeinschaft stellt Projekt „Welcome-Haus“ vor
Die neue Art des Wohnens

Espelkamp (WB). Das Wohnen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. „Zwei Zimmer, Küche, Bad“ – das reicht heute nicht mehr. Wohnen ist mehr als ein Lebensgefühl geworden – es soll ein Erlebnis sein. Das gilt auch oder gerade für wissenschaftliche Fachkräfte, die im Industrie- und Technologiestandort Espelkamp einen Job gefunden haben.

Donnerstag, 09.07.2020, 21:24 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 21:30 Uhr
Sie haben das Projekt des Welcome-Houses, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mittwald-Hotel, vorgestellt: Andreas Durczok (von links), Hans-Jörg Schmidt, Uwe Stark, Alexander Lang, Lea Ewert (alle Aufbau) und Annette Nothnagel. Foto: Andreas Kokemoor
Sie haben das Projekt des Welcome-Houses, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mittwald-Hotel, vorgestellt: Andreas Durczok (von links), Hans-Jörg Schmidt, Uwe Stark, Alexander Lang, Lea Ewert (alle Aufbau) und Annette Nothnagel. Foto: Andreas Kokemoor

Soziale Kontakte

Erste soziale Kontakte entstehen zum einen im neuen Betrieb. Die Aufbaugemeinschaft will nun dazu beitragen, dass auch das Wohnen die gesellschaftliche Integration nicht nur unterstützt, sondern maßgeblich kreiert. Was vor Jahrzehnten noch „Wohnen beim Chef“ oder „Werkswohnung“ hieß, bekommt heute den Namen „Welcome-House“. Entstehen soll das Haus im Ostland-Park (wir berichteten). Damit will man den Fachkräften eine „passende“ Wohnung anbieten, die mitten im Herzen Espelkamps liegt.

Die Vorstellung

„Das Modell ‚Welcome-House‘ ist eine neue Art des Wohnens und vor allem etwas für Personen, die nicht aus der Region stammen“, erklärte der Geschäftsführer Hans-Jörg Schmidt. Dass er auf dem richtigen Weg ist, beweist die Unterstützung durch eines der bedeutendsten Regionalförderprojekte, die NRW zu vergeben hat: Die „Regionale 2022“ soll dazu beitragen, Ostwestfalen-Lippe voranzubringen. Annette Nothnagel, Leiterin der Gesellschaft zur Förderung der Region, und Melanie Adriaans besuchten die Aufbaugemeinschaft nun bei der Vorstellung des Projektes.

Die Zukunft

„Wie wollen wir in Zukunft wohnen?“ ist eine zentrale Frage für die „Regionale 2022“ die unter der Überschrift „Das neue Urban-Land“ läuft. Es steht für eine neue Balance zwischen Stadt und Land“, erläuterte Nothnagel.

„Wir wollen bis zum Jahr 2022 ein komplexes Infrastrukturprogramm für OWL umsetzen, das für die Zukunft unserer Region wichtig ist und den Menschen in OWL gute Bedingungen zum Leben und Arbeiten garantiert”, erläuterte Nothnagel. „Das Welcome-House kann ein Vorzeige-Beispiel für andere werden.“

Das Espelkamper Konzept sei überzeugend, befand Nothnagel. IHK, Bezirksregierung und Hochschulen seien schon jetzt Multiplikatoren für diese Meinung.

Die Qualität

Melanie Adriaans ergänzte: „Um die Qualität der Projekte zu gewährleisten, durchlaufen potenzielle Regionale-Projekte für Ostwestfalen-Lippe ein dreistufiges Auswahl- und Qualifizierungsverfahren vom C-Status bis zum A-Status.“ Anschließend werde aus den Ideen ein Regionale-2022-Projekt. „Aktuell gibt es 117 eingereichte Projektideen, 7 davon sind bereits Regionale-Projekt.“

Das Welcome-Haus Espelkamp habe bereits den C-Status erhalten. „Damit wird Ideen das Potenzial bescheinigt, zur Gesamtstrategie beizutragen“, sagte Adriaans.

Da die Aufbaugemeinschaft keinen Finanzierungsbedarf habe und das Projekt sehr weit fortgeschritten sei, wird das Entscheidergremium der Regionale 2022, das Urban-Land-Board, am 3. September darüber beraten, ob das Welcome-Haus Espelkamp direkt den A-Status erhalten kann.

Der Spatenstich

Der Spatenstich für das Welcome-House soll am Freitag, 7. August, erfolgen. Im November des kommenden Jahres sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. 15 Wohneinheiten werden entstehen, die 40 bis 50 Quadratmeter groß sein werden. Workshops unter Mitarbeitern und Umfragen in Unternehmen, die mit der Universität Bochum vorgenommen wurden, haben ergeben, dass neben den vier eigenen Wänden Gemeinschaftsflächen mit Küche sowie gemeinsamer Waschraum und Dachterrasse gewünscht werden. Schnelles Internet sei eine Grundvoraussetzung.

Das Lebensumfeld

Eine große Rolle bei der Jobwahl spiele das Lebensumfeld. Der ländliche Raum habe dabei für den einen oder anderen vielleicht Nachteile. Wer einen Großteil seiner Ausbildung an Universitäts- und Hochschulstandorten verbracht hat, zögere deswegen vielleicht mit einem Umzug nach Espelkamp. Die Befragungsergebnisse haben ergeben, dass sich die unter 30-Jährigen eher vorstellen könnten, nach Espelkamp zu ziehen, wenn sie in ihrem Wohnumfeld mehr Miteinander unter Gleichgesinnten erfahren.

Federführend

Die Aufbau ist federführend bei dem Projekt hat aber auch Firmen wie Harting und Mittwald CM Service mit ins Boot genommen. Schmidt erläuterte, dass die Wohnungen an die Unternehmen vermietet werden. Die Betriebe ihrerseits vermieten die Wohnungen an ihre Mitarbeiter weiter. Wird eine Wohnung frei, kann die Firma mit entscheiden, wer Nachmieter wird.

Bereits seit vielen Jahren stellt die Aufbaugemeinschaft in Kooperation mit den Espelkamper Unternehmen die Frage: „Wie sieht die Wunschwohnung aus?“ Die wirtschaftliche Situation in Espelkamp sei gut. Arbeitsplätze sind vorhanden. „Doch kaum eine junge Fachkraft möchte nach Espelkamp ziehen. Für so manchen Arbeitgeber ist dies, gerade wenn es um Akademiker geht, ein Manko. Unternehmen ringen um ihre Fachkräfte“, so Schmidt.

Die Mitarbeiter der Espelkamper Unternehmen sollten sich auf Anhieb in ihrer Stadt wohlfühlen, ihr Privatleben in der jungen Stadt gestalten wollen und nicht lange nach Nachbarschaft suchen müssen, erhofft sich Schmidt.

Zweiter Bau

„Die Wohnungen sollen ein Brückenkopf für eine lange berufliche Bindung in Espelkamp sein“, sagte er. Sollte das Welcome-House ein Erfolg werden, hat die Aufbaugemeinschaft bereits vorgesorgt. Denn es ist bereits ein zweites baugleiches Welcome-House in direkter Nachbarschaft in Planung.

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