Paul-Gerhard Seidel ist Bürgermeisterkandidat der Unabhängigen in Espelkamp
Waschechtes Fiesteler Politik-Urgestein

Espelkamp-Fiestel (WB). Paul-Gerhard Seidel betrachtet sich das neue Wahlkampf-Plakat seiner Fraktion Die Unabhängigen. Er ist mit der Machart zufrieden, lehnt sich in seinem Schreibtischstuhl zurück und blickt in den Garten.

Mittwoch, 29.07.2020, 18:00 Uhr
Einer seiner Lieblingsplätze ist der eigene Garten am Elternhaus in Fiestel. Paul-Gerhard Seidel will es noch einmal wissen. Er tritt mit 67 Jahren als Bürgermeisterkandidat für die Fraktion Die Unabhängigen in Espelkamp an. Foto: Felix Quebbemann
Einer seiner Lieblingsplätze ist der eigene Garten am Elternhaus in Fiestel. Paul-Gerhard Seidel will es noch einmal wissen. Er tritt mit 67 Jahren als Bürgermeisterkandidat für die Fraktion Die Unabhängigen in Espelkamp an. Foto: Felix Quebbemann

Seidel ist ein waschechtes Fiesteler Kind und ein Espelkamper Politik-Urgestein. Noch heute wohnt der Bürgermeister-Kandidat der Unabhängigen in seinem Geburtshaus im Wacholderweg. „Der Dorfarzt Dr. Otten hat mich hier zur Welt gebracht“, sagt Seidel. Hausgeburten waren damals durchaus üblich.

Ahnen konnte damals jedoch noch niemand, dass Seidel über Jahrzehnte die Zukunft der Stadt Espelkamp mitgestalten würde. Als 17-Jähriger sei er das erste Mal mit der Politik konfrontiert worden. „Ich war Schülersprecher am Söderblom-Gymnasium“, erinnert sich der 67-jährige verheiratete Familienvater. An der Schule wollte man die Herausgabe von Molkereiprodukten wie Kakao und Milch in den so genannten Tetra-Paks vorbereiten. Dagegen aber setzte sich Seidel zur Wehr.

Geprägt

„Politisch bin ich sicherlich auch durch meinen Vater geprägt worden“, so Seidel weiter. Der sei damals unter anderem Amtsbürgermeister gewesen und langjähriges SPD-Mitglied. Auch Seidel trat in die SPD ein. Nach 30 Jahren aber konnte er sich nicht mehr mit den Zielen der Partei identifizieren und trat aus. „Fünf Jahre lang betrachtete ich mir die Politik von außen.“ Dann kam er mit den Unabhängigen zurück und sitzt für diese bereits seit vielen Jahren im Espelkamper Rat.

Mit 67 Jahren will der Großvater von sieben Enkeln nun noch einmal antreten, um das höchste Amt in Espelkamp zu bekleiden. Sollte er bei der Kommunal- und Bürgermeisterwahl im September die Nase vorn haben, sei es als „erstes notwendig, sich um die Folgen der Corona-Krise in Espelkamp zu kümmern“. Dies bezeichnete Seidel als eine wichtige Aufgabe. Denn auf der einen Seite werde es geringere Gewerbesteuereinnahmen geben. Auf der anderen Seite aber müssten gerade die Kommunen für Investitionen sorgen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Corona-Krise

Seidel sieht die Gefahr, dass durch die Corona-Krise nicht nur Investitionen wegbrechen sondern auch das Engagement im Ehrenamt. „Da müssen wir noch mehr unterstützen“, fügt er an und nennt unter anderem den Bürgerverein Gestringen mit seinem Präsidenten Addi Schaefer als Beispiel genauso wie das Volksbildungswerk und alle Sportvereine. Sollten diese weichen Standortfaktoren wegfallen, würde das letztlich die gesamte Gesellschaft verändern.

Er sieht aber auch eine Chance in der Corona-Krise. Umweltverträgliche und nachhaltige Arbeitsplätze könnten geschaffen und erhalten werden.

Politik, das gibt Seidel zu, bestimmt einen großen Teil seines Tagesablaufs – aber bei weitem nicht alles. Denn der 67-Jährige hat auch einige Hobbys, die seine Aufmerksamkeit fordern. So fotografiert er zum Beispiel leidenschaftlich gerne. Ob Landschaften, Tiere oder Architektur – Seidel versucht, jedes Motiv in das richtige Licht zu setzen. Und mit einem Lachen fügt er an, dass er im Urlaub auch schonmal die allseits beliebten Sehenswürdigkeiten fotografiert.

Unterwegs war er erst vor Kurzem. Ziel war das Ferienhaus in Holland, im Südosten des Ijsselmeeres. Seidel ist ein großer Holland-Fan. „Die Lebensart dort gefällt mir sehr gut. Und es geht nicht ganz so hektisch zu.“

Erfahrung

Hektik wird der 67-Jährige in den kommenden Wochen wohl nicht aufkommen lassen. Aber ein Mehr an Arbeit und Terminen wird auf ihn zukommen, auch wenn der Wahlkampf in Coronazeiten anders werden wird. Seine Politik-Erfahrung werde dabei aber sicherlich kein Nachteil sein.

Dem Thema Klimaschutz misst Seidel zudem eine große Bedeutung bei. „Obwohl in Espelkamp schon viel gemacht wurde.“ Um aber weiter das Klima möglichst zu schonen, befürwortet Seidel unter anderem den Anschluss der Gabelhorst an das Fernwärmenetz. Die neuen Siedlungsgebiete sollen mit der umweltfreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung versorgt werden. Zudem sprach er die Pläne zur Verwertung von Klärschlamm an. Seidel will auch endlich die Flächennutzungspläne mit den Vorzugsflächen für Windenergie vorantreiben. Darüber hinaus denkt der Fiesteler über ein Dachflächenkataster nach. Dieses soll Auskunft darüber geben, auf welchem Dach sich eine Solaranlage lohnt.

Ein mobiles Leben ohne Auto in Espelkamp und Umgebung – das sieht Seidel in absehbarer Zeit zwar nicht. Er hat sich aber durchaus Gedanken darüber gemacht, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) besser zu gestalten. Dabei macht Seidel vor dem Gedanken nicht Halt, eine ÖPNV-Gesellschaft zu gründen und diese unter dem Dach der AöR anzusiedeln.

Inhalte

Seidel mahnt, dass der Flächenverbrauch „unbedingt eingeschränkt werden muss. Der Landwirtschaft darf nicht zu viel Fläche entzogen werden.“ Alte Areale müssten genutzt werden. Eine mehrstöckige Bebauung mit vier, fünf, sechs Stockwerken werde es in Espelkamp nicht geben.

In seiner Zeit als Ratsmitglied habe es viele Entscheidungen gegeben. Als Fehler bezeichnet er, die großen Discounter an den Rand der Stadt zu legen. Damit sei Kaufkraft aus der City gezogen worden. Aber er sagt auch: „Das war damals schlichtweg gar nicht zu verhindern.“ Was er aber bis heute noch kritisch sieht ist, dass die Stadt es versäumt habe, eine weiterführende Schule in städtischer Trägerschaft zu behalten. „Das ist für eine Stadt wie Espelkamp einfach notwendig.“

Hobby-Koch

Wer sich so intensiv mit Politik beschäftigt, bekommt auch über den Tag Hunger. Da trifft es sich gut, dass Paul-Gerhard Seidel ein begeisterter Hobby-Koch ist. Auf seinem Speiseplan stehen Kohlrouladen, das griechische Moussaka oder auch ganz einfach Sauerkraut ganz oben. Und Seidel hat auch noch einen heißen Tipp für alle Gourmets parat.

Doch erst wendet er sich einem anderen Thema zu: Den Radfahrern. Es sei schon lange überfällig, dass es eine gute Radverkehrsverbindung nach Alswede gebe. Zudem müssten sich auch Radler in Richtung Levern auf einem Radweg wohlfühlen.

Seine politische Erfahrung könne ihm auch zugute kommen, wenn die Umsatzsteuerpflicht für die Kommunen in Kraft tritt. Dies mache für eine Stadt wie Espelkamp Kosten in Höhe von mehreren 100.000 Euro jährlich aus.

Die Verwaltung sei ansonsten jedoch gut aufgestellt was Arbeit und Organisation betrifft. Dort müsse der Fokus auf Ausbildung und Qualifizierung im eigenen Rathaus gelegt werden. Und er mahnt: „In der Vergangenheit haben wir schon gesehen, dass gute Leute von größeren Städten einfach abgeworben wurden.“

Eintreten will Seidel in jedem Fall für transparente und übersichtliche Entscheidungswege in den Verwaltungsangelegenheiten. Für außergewöhnlich wichtige Themen, wie zum Beispiel im Bildungswesen, seien Bürgerentscheide notwendig und sinnvoll.

Ein Tipp

Nach diesen Worten widmet er sich wieder einem seiner liebsten Hobbys – dem Kochen. Und da hat er für alle Gourmets einen heißen Tipp parat. „Eine ordentliche Prise Zimt an den Grünkohl“. Dies soll das Traditionsgericht noch leckerer machen. Dazu noch kleine gebratene Kartoffel-Bällchen mit etwas Puderzucker und Paul-Gerhard Seidel, der Bürgermeisterkandidat der Fraktion Die Unabhängigen, verspricht einen absoluten Gaumenschmaus.

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