Fabbenstedter Sportverein bringt Festschrift zum Jubiläum heraus
VfB blickt 100 Jahre zurück

Fabbenstedt (WB). Brasiliens Fußballlegende Pelé stand einst direkt neben Fußballspielern des VfB Fabbenstedt – zumindest im Fußballmagazin Kicker. Das ist nur eine von vielen Erinnerungen, die in der Festschrift zum 100-jährigen Vereinsjubiläum festgehalten worden sind, die der 960 Mitglieder starke Sportverein jetzt vorgestellt hat. Was treibt die Sportler an, 100 Jahre lang einen Verein mit Leben zu füllen? Antworten auf diese Frage geben Norbert Zeller und Karl-Heinz Engelage in diesem sehr lesenswerten Meisterwerk auf 132 Seite. In mehr als 40 Kapiteln zeichnen sie die Vereinshistorie nach.

Donnerstag, 13.08.2020, 06:00 Uhr
Die ehemaligen und Ehrenvorsitzenden des VfB Fabbenstedt sowie die beiden Haupt-Akteure der Chronikerstellung, Norbert Zeller und Karl-Heinz Engelage, haben seine Festschrift zum 100-jährigen Vereinsjubiläum vorgestellt: (von links) Andreas Steinkamp, Karl-Heinz Engelage, Heinz-Dieter Grothe, Walter Riechmann, Jens Nickel, Norbert Zeller und Herbert Zahnhausen Foto: Andreas Kokemoor
Die ehemaligen und Ehrenvorsitzenden des VfB Fabbenstedt sowie die beiden Haupt-Akteure der Chronikerstellung, Norbert Zeller und Karl-Heinz Engelage, haben seine Festschrift zum 100-jährigen Vereinsjubiläum vorgestellt: (von links) Andreas Steinkamp, Karl-Heinz Engelage, Heinz-Dieter Grothe, Walter Riechmann, Jens Nickel, Norbert Zeller und Herbert Zahnhausen Foto: Andreas Kokemoor

Schwieriger Beginn

„Unter schwierigen Bedingungen wurde am 19. August 1920 von den Lehrern Paul Heemeyer und Wilhelm Greve der Verein für Bewegungsspiele gegründet“, beginnt die Chronik. Erster Vorsitzender war Paul Heemeyer, der auch den ersten Lederball stiftete. Auch als Spieler war er noch lange Zeit aktiv. Der erste (bekannte) Spielbericht im Westfalenblatt datiert vom 21. März 1921. In ihrem Jubiläumsbuch, kommen nicht nur die sportlichen Erfolge vom Liegerad-Weltmeister Matthias König oder auch Misserfolge der VfB-ler eine Rolle, sondern auch das gesellschaftliche Leben und die sozialen Aktivitäten.

Das Wappen, so fanden die Chronisten heraus, wurde im Jahr 1922 entworfen. Seit (fast) 100 Jahren sind die Farben schwarz und weiß – vorher war auch rot darin enthalten. Bekannt ist, dass der VfB zu Beginn in rotem Trikot und weißer Hose gespielt hat. Die Verfasser stießen auf Symbole, wie den Lorbeerkranz, Grüße und Lieder. Der Wandel der Sprache, insbesondere der Sportlersprache hat ein eigenes Kapitel erhalten. VfB-Originale werden vorgestellt.

6000 Quellen

Wenn Zeller und Engelage von ihren Recherchen in Zeitungsarchiven in 6000 Zeitungen und anderen Quellen erzählen, kommen sie ins Schwärmen, Staunen, Grübeln und werden auch nachdenklich. Wertvolle Fingerzeige hätten auch die akribisch geführten Kassenbücher gegeben.

Von Anfang an spielte auch die Leichtathletik eine Rolle beim VfB Fabbenstedt. So wird von Wettkämpfen unmittelbar vor dem Anpfiff eines Fußballspiels berichtet, so wie sie in den 20-er und 30-er Jahren ausgetragen wurden. Fabbenstedt spielte früher gegen Dörfer wie Destel, Twiehausen oder Westrup, die heute keine eigenen Vereine mehr haben.

Als ein wichtiges Kapitel beschreibt der VfB die heutige Fußball-Jugendspielgemeinschaft mit dem SC Isenstedt und TuRa Espelkamp. Seit fast 50 Jahren gehören auch Turnen und Handball zum VfB. Als Fabbenstedt zum ersten Mal Handball spielte, sollen in der Tabelle nach vier Spielen 1:5 Tore zu Buche gestanden haben, erzählen die Chronisten. Seit 1996 gibt es auch im Handball eine Kooperation – mit dem HV Espelkamp. Zu Wort kommen auch die VfB-Breitensportgruppen „Very Fit Bodys“ und „Very Flotte Beine“.

Mannschaft der Woche

Dass Pelé und die Fabbenstedter C-Junioren-Fußballer zusammen kamen, geschah im Jahr 2002. Damals wurde die C-Jugend-Spielgemeinschaft unter dem Namen SC Isenstedt mit 54:0 Punkten und 146:0 Toren Meister in der 1. Kreisliga. Das Team wurde von Deutschlands größter Fußballzeitschrift zur „Mannschaft der Woche“ gekürt und mit Foto verewigt. Direkt daneben stand ein Bericht über Fußball-Idol Pelé, der ein Museum gebaut hatte.

Dankbar ist der VfB Fabben­stedt über seine Gruppe Kunterbunt. Sie ging 1973 aus der Leichtathletikabteilung hervor. In der Sportgruppe sind seit 47 Jahren auch geistig behinderte Menschen des Wittekindshofes vertreten. Gemeinsam mit Nicht-Behinderten spielen sie regelmäßig Fußball. „Es ist ein schillerndes, wunderbares Mosaiksteinchen meines Lebens und ich bin dankbar dafür“, sagt Addi Alexis Schaefer, der Leiter der Gruppe.

Ausblick

Mit Humor und Weitsicht widmen die Autoren zwei Seiten im Buch der Frage: „Wie sieht der Sport im Jahr 2120 aus? Fantasie und „Spinnerei“ sind erlaubt: Sport- und Freizeitparks lösen Vereine ab, Sportler lassen ihre Klone oder Avatare für sich aktiv werden, Sport wird zum großen Teil mit einer VR-Brille ausgeübt.

Bewusst wollten die Jahrbuchschreiber aber auch noch einmal auf die dunklen Kapitel aus der Zeit des ersten und zweiten Weltkrieges eingehen. Die bis jetzt erschienenen Vereinschroniken seien „stiefmütterlich mit Erinnerungslücken“ umgegangen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Beisammensein

Kurz vor Fertigstellung der Chronik – also noch im Zeitfenster der 100 Jahre – kam der Coronavirus mit Einschränkungen und Auswirkungen auf das sportliche und gesellschaftliche Leben. Nach langer reiflicher Überlegung entschied der Vorstand, auf dieses „Kapitel“ im Buch nicht einzugehen. Die letzte Seite ist komplett schwarz, zeigt eine Silhouette des Vereinswappens und den Schriftzug „Black­livesmatter“. Sie steht für die Anliegen des Vereins: Verantwortung – Fürsorge – Beisammensein. Eine Jubiläumsfeier soll nachgeholt werden. Geplant ist auch eine Blutspendeaktion. Das Fabbenstedter Bouleturnier wird am 23. August veranstaltet.

Erhältlich ist das Buch bei Lienstädt & Schürmann in Espelkamp, bei der Drogerie Emmerling in Gestringen, bei Skribo Schreibwaren am Gänsemarkt in Lübbecke und am Fabbenstedter Sportplatz während der Heimspiele der Seniorenmannschaften.

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