Gauselmann spendet 86.000 Euro an die Andreas-Gärtner-Stiftung
Unternehmer helfen Kindern

Espelkamp (WB). Von der Corona-Pandemie werden auch Stiftungen getroffen, die Gutes tun – und die das jetzt nicht mehr im gewohnten Umfang können. „Wir bekommen im Durchschnitt jeden Tag zwei bis drei Briefe von Eltern mit geistig behinderten Kindern, die Hilfe brauchen”, sagt Porta-Möbel-Mitbegründer Hermann Gärtner (86). „Aber die Haupt-Einnahmequellen der Andreas-Gärtner-Stiftung sind durch Corona versiegt.”

Samstag, 15.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 15.08.2020, 05:02 Uhr
Hermann Gärtner hilft behinderten Kindern. Hier besuchte er 2017 Jan Olly auf dem Wittekindshof in Bad Oeynhausen. Foto: Oliver Schwabe
Hermann Gärtner hilft behinderten Kindern. Hier besuchte er 2017 Jan Olly auf dem Wittekindshof in Bad Oeynhausen. Foto: Oliver Schwabe

Doch am Freitag hatte der Mitbegründer der Porta-Möbel-Gruppe Grund zum Strahlen: Der Espelkamper Spielgeräte-Unternehmer Paul Gauselmann übergab ihm 86.000 Euro für die Stiftungsarbeit. Gauselmann: „Letztes Jahr bin ich 85 geworden und habe 85.000 Bäume für Aufforstungen im Wiehengebirge gespendet. Ende des Monats werde ich 86 – deshalb die 86.000 Euro.”

„Ich bin glücklich”, sagt Hermann Gärtner. Gauselmann sei der größte Mäzen im ganzen Kreisgebiet. „Paul hilft, wo er kann.” Bekannt werden oft nur die großen Zuwendungen, die von dem Unternehmer oder der Paul-und-Karin-Gauselmann-Stiftung getätigt werden, wie eine 100.000-Euro-Spende an die Deutsche Krebshilfe oder die Anschaffung teurer Untersuchungsgeräte für Krankenhäuser. Aber Paul Gauselmann wirkt gelegentlich auch im Kleinen, im Verborgenen. So kaufte er dem Betreiber einer örtlichen Kleinkunstbühne kurzerhand ein Klavier, als er von dessen Bedarf erfuhr. Und half jüngst einer Rentnerin, die ihren Strom nicht mehr bezahlen konnte, aus ihrer Not. „So lange es nicht an die finanzielle Substanz geht, sollte jeder von uns helfen, wo er kann”, sagt der fast 86-Jährige.

Mehr als 14 Millionen Euro ausgeschüttet

1993 hatte Hermann Gärtner die nach seinem behinderten Sohn Andreas (1959-1998) benannte Stiftung gegründet, die nicht nur auf Geld der Familie Gärtner, sondern immer auch auf Spenden der Mitinhaber-Familie Fahrenkamp zählen konnte. Bis heute hat die Stiftung mehr als 14 Millionen Euro ausgeschüttert, um geistig behinderten Kindern zu helfen – mit Therapien, die die Kassen nicht zahlen, Zuschüssen für rollstuhlgerechte Autos und behindertengerechte Badezimmer. Aber auch mit Geld für Verbrauchsmaterial wie Windeln, wenn das Kontingent der Kostenträger nicht ausreicht.

Haupteinnahmequelle der Stiftung war bisher der Porta-Cup – ein Golfturnier, das Brigitte Gärtner organisiert und das jährlich bis zu 130.000 Euro einspielt. „Das mussten wir diesmal wegen Corona absagen”, sagt Hermann Gärtner. Aber etwa ein Dutzend Spieler habe ihm trotzdem Geld geschickt. „Das hat mich sehr bewegt.” Eine weitere Einnahmequelle, die der Stiftung bisher jedes Mal etwa 100.000 Euro einbrachte, war der im November durchgeführte Second-Hand-Basar, für den Brigitte Gärtner und ihre Freundinnen Haute Couture zur Verfügung stellten. „Aber auch das muss in diesem Jahr ausfallen”, sagt die Organisatorin.

„Ich freue mich, dass ich der Stiftung in dieser schwierigen Situation unter die Arme greifen kann”, sagt Paul Gauselmann. „Eine Gesellschaft kann nur bestehen, wenn wir zusammenhalten und uns unterstützen.”

Unternehmer kennen sich seit 60 Jahren

Die beiden Unternehmer – die Firma des einen macht etwa eine Milliarde Umsatz, die des anderen etwa drei Milliarden – kennen sich seit etwa 60 Jahren. „Wir haben beide mit Nichts angefangen”, sagt Paul Gauselmann. Vor Jahren hatten die beiden Handballfans mal beraten, ob der TuS Nettelstedt und Grün-Weiß-Dankersen nicht fusionieren sollten, um mit einem entsprechenden Etat an Erfolge vergangener Zeiten anzuknüpfen. „Aber dann hatte Nettelstedt einen Lauf, und den Fans wäre eine Fusion nicht zu vermitteln gewesen”, sagt Gärtner. Er war mit „Porta” sogar mal Trikotsponsor von Nettelstedt. „Das war in den 70ern oder 80ern. Eines Tages rief mich das ZDF an und sagte, es wolle das Finale des DHB-Pokals übertragen, aber nur, wenn die Spieler werbefreie Trikots tragen. Natürlich habe ich zugestimmt. Sport ohne Werbung – das wäre heute doch undenkbar.”

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