Selbsthilfegruppe T(r)ollies spricht über den Behindertenbeirat
„Wir wollen eine Stimme haben“

Espelkamp (WB/ko) „Wann wird es einen Behindertenbeirat in Espelkamp geben?“ fragte Martin Meinders, Sprecher der Selbsthilfegruppe T(r)ollies, während eines Treffens der Gruppe im Nachbarschaftszentrum.

Donnerstag, 17.09.2020, 15:54 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 15:58 Uhr
Stephanie Fischer, CDU-Ratsfrau (links), und Bettina Benz vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmtes Leben (rechts) haben Antworten auf Fragen der Selbsthilfegruppe T(r)ollies gegeben. Die Gruppe hat sich im Nachbarschaftszentrum getroffen. Foto: Andreas Kokemoor
Stephanie Fischer, CDU-Ratsfrau (links), und Bettina Benz vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmtes Leben (rechts) haben Antworten auf Fragen der Selbsthilfegruppe T(r)ollies gegeben. Die Gruppe hat sich im Nachbarschaftszentrum getroffen. Foto: Andreas Kokemoor

Bei dieser Zusammenkunft waren auch Stephanie Fischer, CDU-Ratsfrau aus Espelkamp, und Bettina Benz vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmtes Leben zugegen. Meinders hatte ihnen im Vorfeld einige Fragen zu verschiedenen Themen zugeschickt.

Runder Tisch

Die Gründung eines Behindertenbeirates stand dabei an erster Stelle. „Der Rat der Stadt Espelkamp hat sich intensiv mit der Gründung eines Behindertenbeirates auseinander gesetzt“, erklärte Fischer. In einer Sitzung Anfang dieses Jahres sei beschlossen worden, zunächst einen „Runden Tisch“ zu gründen, an dem alle Beteiligten zu Wort kommen sollen“, erklärte Stephanie Fischer. „Wir setzen uns für die Rechte von Menschen mit Behinderung und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ein“, erklärte Bettina Benz die Rolle des Kompetenzzentrums mit Sitz in Bielefeld.

Meinders erläuterte die Rolle der T(r)ollies: „Unsere Gemeinschaft versteht sich als Freundeskreis aktiver Körperbehinderter. „Wir sind Behinderte, die gemeinsam mit Nichtbehinderten dazu beitragen wollen, die Sonderstellung von Behinderten in unserer Gesellschaft zu normalisieren“, erklärte Meinders. Sein Anliegen zur Gründung eines Behindertenbeirates sei in Espelkamp und bei Verwaltung und Politik bekannt.

Das Grundgesetz

„Ein Behindertenbeirat versteht sich als Mittler und Kümmerer für Behinderte. Er hat Antrags- und Rederecht in den Fachausschüssen des Rates einer Stadt. Er ist Mittler zwischen Behinderten und Gesunden. Bei Fragen, mit denen sich Behinderte nicht direkt an die Stadt wenden können, kann der Behindertenbeirat als Mittler agieren“, erläuterte er die Kompetenzen eines Behindertenbeirates.

Martin Meinders erinnerte an den Artikel 3 des Grundgesetzes, in dem es im ersten Absatz heißt: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“ und in Absatz drei heißt es: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

„Wir wollen eine Stimme haben“, fordert Meinders. Fischer sagte zu, dass sich noch in diesem Herbst Vertreter aller Selbsthilfe-Gruppen, Vereine und Verbände, die mit Behinderten zu tun haben, an einen „Runden Tisch“ setzen werden, um ihre verschiedenen Perspektiven vorzustellen. Dazu sollten die Sozialverbände, der Ludwig-Steil-Hof, der Wittekindshof und weitere Gruppen eingeladen werden. Dies solle geschehen, sobald der neue Rat und der neue Bürgermeister ihre Arbeit aufgenommen hätten.

Meinders erinnerte zudem an die Worte von Reinhard Rödenbeck, Vorsitzender des Seniorenbeirates, dass eben dieser nicht die Belange eines Behindertenbeirates mitvertreten könne.

Im Laufe der Veranstaltung ging Meinders auf weitere Missstände in der Stadt ein. So beklagte er, dass „der Wochenmarkt nur unter erschwerten Bedingungen mit dem Rollstuhl zu besuchen“ sei. Auch am Zebrastreifen vor dem Atrium sei das Kopfsteinpflaster ein Hindernis, lautete ein weiterer Kritikpunkt.

Des Weiteren bemängelte Meinders, dass der Zugang zum Rathaus vom Parkhausparkplatz für Rollstuhlfahrer nur unter erschwerten Bedingungen möglich sei. Ein einfacher Schalter an der Tür würde helfen.

Großes Problem

Als größeres Problem sehen die T(r)ollies den nicht vorhandenen Zugang zum Kino an. Stephanie Fischer erklärte, dass die Verwaltung für die Umgestaltung des Wilhelm-Kern-Platzes an einer Lösung arbeite. Bettina Benz hörte aufmerksam zu. Sie erfahre so viele „kleine“ Dinge, auf die ein Nichtbehinderter gar nicht kommen würde. Genau um diese Probleme zu erfahren, biete sich ein „Runder Tisch“ an.

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