Schloss Benkhausen: Archäologen nehmen Bodenproben vom Grabhügel
Bohrer geht Geschichte auf den Grund

Espelkamp-Gestringen (WB). Um den Grabhügel bei Schloss Benkhausen ranken sich zahlreiche Geschichten. Die Gräber der Familie von dem Bussche Münch sind stumme Zeugen einer vergangenen Epoche – und haben dennoch viel zu erzählen. Nun könnte ein weiteres Kapitel hinzukommen: Hat auf dem Grabhügel früher vielleicht eine Turmhügelburg (Motte) aus dem Mittelalter gestanden? Oder ist es sogar eine Grabstätte aus der Bronzezeit? Um Licht ins Dunkel zu bringen, hat nun ein Team von Wissenschaftlern Bodenbohrungen vorgenommen und Proben aus dem Hügel entnommen. Diese werden im Labor analysiert und sollen Aufschluss über die Vorgeschichte des Grabhügels geben.

Mittwoch, 23.09.2020, 06:00 Uhr
Gleich geht’s los: Mit dem Bohrer werden Andre Jepsen und Jens Christopheit dem Grabhügel gleich einige Bodenproben entnehmen. Gespannt verfolgen Dr. Steffen Schneider (von links), Angelika Gauselmann und Dr. Hans-Otto Pollmann die Aktion. Foto:
Gleich geht’s los: Mit dem Bohrer werden Andre Jepsen und Jens Christopheit dem Grabhügel gleich einige Bodenproben entnehmen. Gespannt verfolgen Dr. Steffen Schneider (von links), Angelika Gauselmann und Dr. Hans-Otto Pollmann die Aktion.

Älter als 500 Jahre?

Sollte sich die Vermutung bestätigen, würden nicht nur die Wurzeln von Schloss Benkhausen älter als 500 Jahre sein, die Ergebnisse wären auch ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte des Lübbecker Landes, dessen Historie im 12. und 13. Jahrhundert weitgehend im Dunkeln liegt. Die archäologischen Arbeiten werden von Paul Gauselmann privat finanziert. „Als heimatverbundener Mensch interessiere ich mich nicht nur für die Anfänge von Schloss Benkhausen, auch die Historie des Lübbecker Landes liegt mir am Herzen. Ich freue mich, wenn ich damit einen Beitrag zur Aufklärung leisten kann“, erklärt Gauselmann.

Um Licht in die Zusammenhänge zu bringen, haben fünf Wissenschaftler nun zu schwerem Gerät gegriffen. Mithilfe eines XXL-Bohrers wurden mehrere meterlange Metallrohre im Boden versenkt und wieder herausgezogen. An vier verschiedenen Stellen entstanden bierdeckelgroße Löcher, die bis zu sechs Meter in die Tiefe reichten. So konnten aus jeder Schicht des Erdhügels Proben entnommen werden, die nun gut verschlossen den Weg ins Labor antreten.

Drei Möglichkeiten

„Wir sind guter Dinge, dass wir Anhaltspunkte finden, die uns etwas über die Vorgeschichte des Grabhügels erzählen“, erläutert Dr. Hans-Otto Pollmann, wissenschaftlicher Referent von der LWL-Archäologie. Dr. Pollmann leitet das Projekt und arbeitet gemeinsam mit den Kollegen Dr. Frank Schlütz (Universität Göttingen) und Dr. Steffen Schneider (Osnabrück) daran, der Vorgeschichte auf den Grund zu gehen.

Was das sein könnte, dazu gibt es verschiedenen Theorien. Am wahrscheinlichsten ist, dass auf dem Hügel früher eine sogenannte Motte, eine Turmhügelburg, stand. Motten waren Vorläufer der befestigten Burgen und bestanden meist aus einem hölzernen Turm, der auf einem künstlich angelegten Erdhügel errichtet wurde. „Vieles spricht für diese Variante“, erklärt Dr. Pollmann. Ebenfalls nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um einen Grabhügel handelt, wie sie um 1500 vor Christus üblich waren. Auch Möglichkeit drei ist denkbar: Dann wäre es ein Hünengrab aus der Jungsteinzeit – und die Wurzeln des Hügels würden sogar bis 3000 vor Christus zurückreichen.

Kapitel Heimatgeschichte

„Es ist ein bisschen wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, erklärt Dr. Hans-Otto Pollmann. In den gezogenen Bohrkernen wird zunächst die Abfolge der einzelnen Schichten analysiert und auf aussagekräftige Eigenschaften hin untersucht. Lassen sich beispielsweise pflanzliche Überreste finden, wird die botanische Herkunft bestimmt und dann zur physikalischen Altersbestimmung genutzt. Mit der Radiokarbonmethode (C-14-Datierung) wird dann der bereits vergangene Zeitraum bestimmt, um die unterschiedlichen Erdschichten des Hügels früheren Epochen zuzuordnen. Die Analyse ist aufwändig, mit den Ergebnissen ist wohl erst zu Beginn des kommenden Jahrs zu rechnen. Erst dann wird man wissen, welches weitere Kapitel zur Heimatgeschichte hinzukommt – und welche Geschichten der Grabhügel vielleicht noch zu erzählen hat.

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