Selbsthilfegruppe will Probleme aufzeigen – Ortstermin im Espelkamper Kino
„T(r)ollies“ weisen auf Hindernisse hin

Espelkamp (WB/aha). „Wie kommen wir ins Espelkamper Kino?“ Diese Frage ist eine von vielen, die sich Menschen mit Körperbehinderungen angesichts von Hindernissen in Espelkamp stellen.

Donnerstag, 24.09.2020, 22:23 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 22:30 Uhr
Mitglieder der Selbsthilfegruppe „T(r)ollies“ am Hintereingang des Mittwaldcenters (von links): Elke Bienek, Erika Schwarze, Edith Meinders, Helga Voigt und Martin Meinders. Foto: Arndt Hoppe
Mitglieder der Selbsthilfegruppe „T(r)ollies“ am Hintereingang des Mittwaldcenters (von links): Elke Bienek, Erika Schwarze, Edith Meinders, Helga Voigt und Martin Meinders. Foto: Arndt Hoppe

Daher war der fehlende Zugang zum Elite-Kino auch eines der Probleme, die die Mitglieder Selbsthilfegruppe „T(r)ollies“ kürzlich bei einem Gespräch mit Ratsfrau Stephanie Fischer und Bettina Benz vom Kompetenzzentrum Selbstbestimmtes Leben angesprochen haben (wir berichteten).

Kalbhenn lud ein

Daraufhin lud Georg Kalbhenn einige Vertreter der Selbsthilfegruppe zum Ortstermin in das Kino ein. Er ist Mitglied der Eigentümergemeinschaft des Hauses Wilhelm-Kern-Platz 4, in dem das Elite-Kino ist. Kalbhenn wollte aufzeigen, dass Behinderte, unterstützt von Begleitpersonen, dort durchaus einen Film anschauen können. Denn im Haus gibt es einen Aufzug, zu dem auch der Kinobetreiber einen Schlüssel hat. So trafen sich einige Mitglieder der Trollies mit Kalbhenn am Mitwaldcenter, um die Probe aufs Exempel zu machen.

Und schon zu Beginn taten sich die ersten Hürden auf. „Es gibt nirgendwo am Haus einen Hinweis auf diesen Aufzug. Weder vorne noch am Hintereingang, von wo aus man zum Lift gelangt. Ich wusste nicht, wo ich hin muss“, sagte Espelkamperin Elke Bienek, die auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen ist. Sie war mit Trollie-Sprecher Martin Meinders, dessen Frau Edith, die gehbehindert ist, und anderen Gruppenmitgliedern zu dem Ortstermin gekommen.

Keine Hinweisschilder

Damit ein Kinomitarbeiter kommt, um eine Person im Fahrstuhl auf die Ebene des Kinos zu begleiten, muss ein behinderter Kinobesucher auf jeden Fall im Elite anrufen. Doch auf dem Weg hinauf zum Kino gibt es weitere Probleme, wie Martin Meinders herausstellte. Zwar seien Aufzugtür und Lift breit genug für einen Rollstuhl, aber die nächste Hürde sei die Tür vom Flur nach draußen auf die Balustrade, wo es zum Kinoeingang geht. „Zum einen ist da eine kleine steile Schräge und eine Kante, die schwer zu überwinden ist, und zum anderen ist die Tür so schwergängig, dass ein Mensch mit Behinderung sie nicht öffnen kann. Das gelingt mir ja nur mit Mühe“, sagte Meinders.

Als er zusammen mit der Espelkamperin Helga Voigt, die im Rollstuhl sitzt, in das Foyer kommt, kommt die nächste Hürde. „Also hier geht gar nichts mehr“, sagt Helga Voigt am Fuß von vier Stufen. Normalerweise nehme sie eine Schiene mit, wenn sie wisse, dass irgendwo Treppen seien. „Ohne Schiene muss hier der Rollstuhl hochgetragen werden“, sagt Martin Meinders.

Schwierige Gänge

Wer es bis die Stufen hinauf geschafft hat, muss sich nach rechts orientieren, wenn sein Rollstuhl breiter als 70 Zentimeter ist. Denn die Gänge im Saal haben zwar nur ein leichtes Gefälle, aber nur der rechte ist aus Meinders Sicht mit 75 Zentimetern breit genug für einen Rollstuhl. Zudem gebe es keine ausgewiesenen Stellplätze für Rollstühle. „Das sind alles Probleme, die es abzustellen gilt“, sagt er. Und die Stadt, die auch Eigentümer des Kinos ist, auf solche Hindernisse für Behinderte in Espelkamp hinzuweisen, habe sich die Selbsthilfegruppe vorgenommen. „Davon gibt es in Espelkamp viele mehr“, sagte Meinders.

Kinobetreiber Karl-Heinz Meier betonte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er um die Probleme wisse: „Aber ich kann auf jeden Fall sagen: In all den Jahren, die hier bin, ist noch jeder Mensch, der bei uns einen Film sehen wollte, herein gekommen. Wir haben alles möglich gemacht.“

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