Info-Veranstaltung zur geplanten Vererdungsanlage – viele Fabbenstedter dabei
Klärschlamm bereitet Sorge

Espelkamp (WB). Der ganz große Aufschrei blieb im Großen und Ganzen aus – doch von seinem selbst gesetzten Ziel, die Fabbenstedter von der geplanten Klärschlammvererdungsanlage zu überzeugen, musste sich Hartmut Rüter am Ende dann doch verabschieden.

Freitag, 25.09.2020, 22:29 Uhr
In Fabbenstedt ist die geplante Klärschlammvererdungsanlage ein Aufreger-Thema. Dennoch blieb die Diskussion bei der Informationsveranstaltung sehr sachlich. Viele Menschen waren dazu auf den Dorfplatz gekommen. Fotos: Florian Hemann

Der Chef des Espelkamper Abwasserbetriebes hat auf Einladung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes und des Ortsvorstehers August-Wilhelm Schmale auf dem Dorfplatz in Fabbenstedt Fragen von interessierten Bürgern zu einer solchen Anlage am Rande des Dorfes beantwortet. Rund 60 Personen waren vor Ort und gaben mal lauter, mal leiser ihre Meinung ab.

„Klimaschutz ist ein Hauptgrund“

Vor der Diskussion erklärte Rüter, warum die Stadt Espelkamp überhaupt eine Vererdungsanlage für den Klärschlamm plane. So würden etwa Novellen von Dünge- und Klärschlammverordnung die Stadt zu einem Umdenken zwingen. „Wir haben ein Verfahren gesucht, das günstig für den Bürger ist“, argumentierte er und verwies auch auf Umweltaspekte. „Klimaschutz ist ein Hauptgrund, warum wir überhaupt so eine Anlage planen“, sagte Rüter und nannte 50 bis 60 Tonnen CO 2 , die jährlich eingespart würden. Auch versuchte er, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. So seien Hygienebinden, Kunststoffe oder Schwermetalle längst kein Teil des Klärschlammes mehr.

In der Diskussion war vor allem der Standort immer wieder Thema. „Gibt es keinen Platz, der näher dran ist?“, wollte ein Anwohner wissen und meinte damit ein Gebiet am Espelkamper Klärwerk. Hier erinnerten Schmale und Rüter noch einmal an den ursprünglich angedachten Standort, der jedoch in einem Wasserschutzgebiet gelegen hätte. „Auch da wäre es genehmigungsfähig gewesen. Aber da hat der Rat unisono gesagt: Das wollen wir nicht“, erinnerte August-Wilhelm Schmale. „Es geht hier um die Wasserversorgung von ganz Espelkamp“, pflichtete auch der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Fabbenstedt Karl-Heinz Hemann dieser politischen Entscheidung bei. „Wenn wirklich Flüssigkeit austreten sollte, dann hätten wir an dem Standort ein riesiges Problem.“

Kritik am Standort

Die Kritik am Standort bezog sich auf unterschiedliche Aspekte. Manchen ging es um die Versiegelung der Fläche, andere sorgen sich um die Natur, einzelne hinterfragten die Kostenkalkulation und wieder andere gingen auf das angrenzende Naherholungsgebiet ein. „Es ist eine Masse an Leuten, die da laufen geht“, sagte eine Anwesende beispielsweise. Doch der wesentliche Knackpunkt ist der Geruch. „Wir leben hier das ganze Jahr“, unterstrich ein Anwohner. „Wenn Sie mir schriftlich geben, dass es da 365 Tage im Jahr nicht riecht, kann ich heute Nacht gut schlafen“, wurde er in Richtung von Hartmut Rüter deutlich.

Der führte unter anderem die Insel Norderney und die dortige Anlage („seit 30 Jahren störungsfrei“) als Argument heran. „Wenn da kein Schilf drauf stehen würde und kein Zaun drum herum wäre, würde es keinem auffallen“, so Rüter. Er sprach von einem erdigen Geruch, aber es stinke nicht. „Es ist keine Organik mehr da, die faulen könnte.“ Er ist überzeugt, dass auch aus ökologischer Sicht mit keinen Problemen zu rechnen sei. Zwar werde der Bereich umzäunt, aber so, dass Tiere darunter hindurch kämen. Auch für Insekten und Vögel sei die Fläche ideal.

Fortsetzung soll folgen

Ortsvorsteher August-Wilhelm Schmale will den Dialog auf jeden Fall fortsetzen und setzt auf eine gemeinsame Fahrt zu einer bestehenden Klärschlammvererdungsanlage. „Wenn wir da hin fahren und es stinkt, sieht die Beschlusslage anders aus“, wurde Schmale deutlich.

Überhaupt nannten er und Rüter diesen Punkt immer wieder: Es gehe aktuell noch um die Grobplanung. So oder so werde es weitere Informationsveranstaltungen und Bürgerbeteiligungen geben. „Wenn das nicht wirtschaftlich oder ökologisch zu betreiben ist, dann werden wir das auch nicht machen“, so Hartmut Rüter.

„Man kauft doch nicht ohne Grund ein Grundstück“, entgegnete ein Anwesender. „Doch“, sagte Schmale. Das sei nichts Außergewöhnliches. Die Stadt halte immer gewisse Flächen bereit. Warum man erst so spät davon erfahren habe, wollte eine Bürgerin zudem wissen. Hier warb Schmale um Verständnis, dass Grundstückskäufe immer nicht-öffentlich behandelt würden. Darüber öffentlich zu sprechen, stehe unter Strafe. Er dankte allen Anwesenden abschließend für den sachlichen Austausch: „Ich habe das bei so einem emotionalen Thema auch schon anders erlebt.“

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