Gerhard Könemann übersetzt Buch der Schwedin – Vorstellung in Alt-Espelkamp
Anna Söderblom – eine starke Frau

Espelkamp-Altgemeinde (WB). Die Beziehung von Espelkamp zu Schweden ist in der Gründerzeit der Stadt eine ganz wichtige gewesen. Namen wie die Birger-Forell-Straße oder auch das Söderblom-Gymnasium – benannt nach dem schwedischen Theologen und Erzbischof Nathan Söderblom – legen bis heute Zeugnis von dieser fruchtbaren Beziehung ab.

Donnerstag, 15.10.2020, 18:00 Uhr
Gerd Könemann hat im Dorfgemeinschaftshaus Alt-Espelkamp das Buch „Auf des Lebens Gehweg“ von Anna Söderblom vorgestellt. Er hat das Werk übersetzt. Anna Söderblom ist die Ehefrau von Nathan Söderblom, dem Namensgeber des Gymnasiums. Foto: Andreas Kokemoor
Gerd Könemann hat im Dorfgemeinschaftshaus Alt-Espelkamp das Buch „Auf des Lebens Gehweg“ von Anna Söderblom vorgestellt. Er hat das Werk übersetzt. Anna Söderblom ist die Ehefrau von Nathan Söderblom, dem Namensgeber des Gymnasiums. Foto: Andreas Kokemoor

Gerhard Könemann, ehemaliger Physiklehrer am Söderblom-Gymnasium und Mitglied des Geschichtskreises, hat sich jetzt intensiv mit dem Leben der Ehefrau von Nathan Söderblom auseinandergesetzt. Könemann übersetzte das Werk „Auf des Lebens Gehweg“ der schwedischen Lehrerin und Autorin.

Lebenserinnerungen

Zum 150. Geburtstag von Anna Söderblom hat er seine deutsche Übersetzung ihres Buches im Dorfgemeinschaftshaus Alt-Espelkamp präsentiert. Darin stellt Anna Söderblom „Ereignisse und Menschen vor, die sie im Leben kennengelernt hat“. Könemann beschreibt das Werk als „hohe Literatur“. Er informierte in Text-Auszügen und Bildern unter anderem über Anna Söderblom, ihre Mutter und über Nathan Söderblom.

Nathan Söderblom heiratete im Jahr 1895 Anna Forsell (1870 bis 1955), die Tochter eines Kapitäns aus Stockholm, die in Uppsala Geschichte studierte und zwar auf der gleichen Universität wie Nathan Söderblom. Er studierte Theologie.

Anna Söderblom hat das Buch mit dem Originaltitel „På livets trottoir“ mit Lebenserinnerungen, ihrem persönlichen Entwicklungsgang sowie Darstellungen zeitgeschichtlicher Ereignisse noch im Alter von 78 Jahren geschrieben. Sie war zu dem Zeitpunkt schon 17 Jahre Witwe eines Erzbischofs – und somit nicht ganz unbedeutend und unbekannt in Schweden gewesen.

In einem kleinen Rahmen stellte Könemann das Buch vor, für das er das antiquarische schwedische Original als Vorlage hatte. „Wer plattdeutsch gut lesen und schreiben kann, der hat mit der schwedischen Sprache beim Übersetzen wenig Probleme“, sagte der Pensionär aus Hille. Er habe sich Geduld und Zeit beim Lesen genommen, aber vor allem genoss er es.

Es sei Anna Söderbloms Überzeugung im Leben gewesen, die Dinge und die Menschen nicht von oben zu betrachten, sondern sie zu durchschauen, immer mit einer gewissen Distanz. So schreibt sie in der dritten Person über sich und ihren Mann. Sich selbst stelle sie dabei in den Hintergrund, obwohl sie Geschichte studiert habe und mit Englisch, Deutsch und Französisch drei Fremdsprachen fließend sprechen konnte.

Rat und Hilfe

„Jeden Tag habe ich eine Seite übersetzt“, sagte Könemann. Natürlich komme Anna Söderblom immer wieder auf ihren Mann Nathan zu sprechen. Sein Einsatz für die Ökumene und für den Weltfrieden sei 1930 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.

Doch all dies musste sich Nathan Söderblom auch schwer erarbeiten und konnte dabei immer auf Rat und Hilfe seiner Frau bauen. So hat Könemann recherchiert, dass die erste Doktorarbeit Nathan Söderbloms zerrissen worden sei. Er sei ein großer Redner gewesen – aber kein guter Schreiber, sagte Könemann. „Vor der Abgabe der zweiten Arbeit soll Anna Söderblom dann ein Auge darauf geworfen haben.“

Einen breiten Teil des Buches nehme Annas Leben als Pastorenfrau ein. So erinnert sich Anna Söderblom an die Reaktion der Menschen in Paris – ihr Mann war dort als Auslandspfarrer tätig. „Der Pastor ist ja nur ein junger Student und seine Frau ein Kind.“

Namensgebung

Obwohl Söderblom bereits im Jahr 1931 an den Folgen einer Operation starb, sei er in Schweden „noch heute ein geschätzter Mensch des Landes“, sagte Könemann. International wirkte Söderblom vor allem mit seinem Einsatz für die christliche Einheit und den Weltfrieden. „Schweden ist bis heute seit mehr als 206 Jahren ohne Krieg“ betonte Könemann.

Der Experte erläuterte weiter, dass das Söderblom-Gymnasium aus Dankbarkeit für die schwedische Aufbauhilfe nach dem Zweiten Weltkrieg den Namen des berühmten Theologen angenommen habe.

Der schwedische Pastor Birger Forell, der maßgeblich an der Gründung Espelkamps beteiligt gewesen ist, habe Söderblom übrigens als Mentor gehabt und sei somit ebenfalls ein Baustein des Gymnasiums, erläuterte Könemann.

Nathan und Anna Söderblom hatten sechs Kinder. Ihre Tochter Britta sei zuvor über die Pläne zur Namensgebung des Söderblom-Gymnasiums informiert und gefragt worden, ob dies in ihrem Sinne sei. Sie war bei der Einweihung des Schulneubaus dabei.

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