Bürgermeister Vieker: „Unerträglich hohes Niveau“ - Kreis Minden-Lübbecke erlässt Einschränkungen
Dramatische Zahlen: Ab Samstag strengere Corona-Regeln für Espelkamp

Espelkamp -

Die hohen Coronazahlen haben einen erneuten Appell von Bürgermeister Henning Vieker an die Espelkamper Bürger nach sich gezogen. Der Kreis erließ gar aufgrund der Entwicklung eine Allgemeinverfügung.

Freitag, 27.11.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 22:44 Uhr
Die Coronazahlen in Espelkamp sind unverändert hoch. Aus dem Rathaus kam daher zum Wochenende ein erneuter, eindringlicher Appell, die privaten Kontakte auf den eigenen Haushalt zu minimieren.
Die Coronazahlen in Espelkamp sind unverändert hoch. Aus dem Rathaus kam daher zum Wochenende ein erneuter, eindringlicher Appell, die privaten Kontakte auf den eigenen Haushalt zu minimieren. Foto: WB

Seit Wochen sind die Coronazahlen in Espelkamp sehr hoch. Die Stadt hat nach Minden die meisten aktiven Fälle im Mühlenkreis mit 185 Infizierten. Während in den meisten Kommunen die Fallzahlen langsam nach unten gehen, wurden in Espelkamp immer wieder erhebliche Anstiege verzeichnet. Von Donnerstag auf Freitag gab es erneut elf neue Corona-Fälle.

Dies hat dazu geführt, dass der Kreis Einschränkungen für die Stadt Espelkamp (rund 25.000 Einwohner) per Allgemeinverfügung erlassen hat.

Bürgermeister Henning Vieker richtet daher einen Appell an die Bürger. Vor zwei Wochen hat er schon einmal zu diesem Mittel gegriffen. Nun unterstreicht er erneut, dass die Lage ernst ist und die Zahlen eine dramatische Entwicklung genommen haben.

Die Corona-Pandemie treffe Espelkamp besonders hart. „Die Zahl der Infizierten verharrt in Espelkamp auf einem unerträglich hohen Niveau.“ Vieker betont, dass „wir die Krise nur gemeinsam meistern können. Das Infektionsgeschehen lässt sich nur bremsen, wenn alle die geltenden Kontaktbeschränkungen ernst nehmen und streng einhalten“.

Viekers Appell lautet: „Minimieren Sie jeglichen Kontakt zu Personen außerhalb Ihres eigenen Haushaltes. Verzichten Sie auf private Besuche auch bei engen Freunden und Verwandten und verschieben Sie alle Termine, die nicht notwendig sind. Ab 1. Dezember gilt die Regel, dass private Zusammenkünfte mit Personen aus einem weiteren Haushalt auf maximal fünf Personen zu beschränken sind – Kinder bis 14 Jahre ausgenommen. Beherzigen Sie das bitte schon jetzt“, sagt der Bürgermeister.

Er führt weiter aus, dass Kontaktpersonen der Kategorie II, also solche, die keine Quarantäneverfügung erhalten haben, sich ganz besondere Zurückhaltung auferlegen sollten. „Das gilt insbesondere auch für Menschen mit Corona typischen Symptomen.“ Weitere Maßnahmen wegen der Infektionslage in Espelkamp seien mit dem Kreis abgesprochen und „werden sehr zeitnah veranlasst, beispielsweise eine Verringerung der erlaubten Personenzahl im Handel“.

Bürgermeister Henning Vieker (CDU)

Bürgermeister Henning Vieker (CDU)

„Diese Einschränkungen sind sicher schmerzhaft, aber jeder unterbliebene Kontakt ist ein wirksamer Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie“, stellt der Bürgermeister heraus.

Er nahm auch die Arbeitgeber in die Pflicht. Seine „dringende Bitte“ ist, durch „organisatorische Maßnahmen Arbeitskontakte nach Möglichkeit zu minimieren und auf Fortbildungen oder persönliche Besprechungen zu verzichten, wenn diese nicht erforderlich sind“.

Arbeitgeber schützten ihre Beschäftigten, indem sie darauf achten, dass alle in Innenräumen und Gemeinschaftsbüros einen Mund-Nasenschutz tragen. Das gelte auch für die An- und Abfahrt in Fahrgemeinschaften, egal ob beruflich oder privat. „Manche Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern kostenlose Corona-Tests an. Ich kann nur empfehlen, diese Angebote unbedingt wahrzunehmen“, so Bürgermeister Vieker.

Die von Bürgermeister Heinrich Vieker erläuterten Einschränkungen sind als Allgemeinverfügungen vom Kreis Minden-Lübbecke explizit für Espelkamp angeordnet worden – ein bis jetzt einmaliger Vorgang im Mühlenkreis während der Corona-Pandemie – und treten ab Samstag 28. November, in Kraft. Vieker betont, dass dies mit der Stadt abgestimmt sei.

Neben den erwähnten Einschränkungen im privaten Bereich und in den Unternehmen gilt für Handel und Dienstleistungen eine Beschränkung von einem Kunden pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche. In Heilberufen ist für alle Mitarbeiter das Tragen einer FFP-Maske vorgeschrieben. Bei Gottesdiensten über 100 Personen seine Sitzpläne und EDV-basierte Tabellen zur Rückverfolgbarkeit zu führen.

Diese Einschränkungen sind zwischen Kreis und Stadtverwaltung abgesprochen. Daher lautet Viekers abschließender Appell: „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, es liegen noch schwere Wochen vor uns, Wochen die allen viel abverlangen werden und die mit viel Verzicht verbunden sind. Ich wünsche uns allen von Herzen die dafür erforderliche Kraft. Denn je vorsichtiger und umsichtiger wir jetzt handeln, desto schneller werden wir wieder bessere Zeiten erleben.“

Stadt-Pressesprecher Torsten Siemon fügt im Gespräch mit dieser Zeitung an, dass auch weiterhin die Mittel der Information und der Kontrolle im Mittelpunkt stehen. Die Information müsse auf möglichst allen Wegen geschehen. Bei den Zahlen habe Espelkamp „einen hohen Grundsockel. Den bekommt man in kürzester Zeit nicht weg.“

Die Stadtverwaltung führe Gespräche mit dem Gesundheitsamt sowie mit Vertretern von Kirchengemeinden und anderen Vereinigungen.

Kontrollen unter anderem von Gottesdiensten werden seitens des Ordnungsamtes vorgenommen. Aufgrund der hohen Infektionszahlen fahre die Behörde personell aber bereits auf der Felge. Das Ordnungsamt sei zwar gut organisiert, dennoch wurden in der Verwaltung bereits Arbeitskräfte aus anderen Bereichen für Coronakontrollen abgestellt. Das Ordnungsamt informiert die Einzelhändler zudem über die neuen Beschränkungen.

Sollte sich die Lage nicht bald entspannen, „wird man das bewerten und entsprechend reagieren“, sagt Siemon. Er erklärt aber, dass die Verwaltung auf die Karte „Eigenverantwortung der Menschen“ setze. Siemon hofft, dass Aufklärung in Kombination mit den hohen Fallzahlen ein noch umsichtigeres Verhaltung der Bürger und somit ein Sinken der Fallzahlen bewirke.

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