Langjähriger Stadtheimatpfleger verlässt mit Ehefrau Lieselotte die Stadt Espelkamp
Karl-Heinz Hentschel sagt „Servus“

Espelkamp -

Karl-Heinz Hentschel, langjähriger Stadtheimatpfleger, verlässt Espelkamp. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Lieselotte zieht er dieses Wochenende um – in die Nähe von Berlin.

Freitag, 04.12.2020, 18:06 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 18:08 Uhr
Die Umzugskartons sind gepackt, die Bücherregale leer. Bereits an diesem Wochenende zieht Karl-Heinz Hentschel um. Mit seiner Ehefrau Lieselotte zieht er nach Königs Wusterhausen.
Die Umzugskartons sind gepackt, die Bücherregale leer. Bereits an diesem Wochenende zieht Karl-Heinz Hentschel um. Mit seiner Ehefrau Lieselotte zieht er nach Königs Wusterhausen. Foto: Felix Quebbemann

Es gibt wohl nur wenige Menschen in Espelkamp, die mehr über die Geschichte der Stadt, über die Gründung und ihre Entwicklung wissen als Karl-Heinz Hentschel.

Er war nicht nur mehrere Jahrzehnte in der Stadtverwaltung tätig. Der 83-Jährige war auch von 2007 bis 2020 Stadtheimatpfleger. Wenn man sagen würde: Karl-Heinz Hentschel kennt Espelkamp wie seine Westentasche, wäre das wohl eine Untertreibung – eine sehr große Untertreibung.

Nun verlässt der 83-Jährige Espelkamp. Seit einigen Wochen sind er und seine Ehefrau dabei, die Koffer zu packen. Es habe gesundheitliche Gründe, sagt Karl-Heinz. Er hat gerade eine schwere Augenoperation hinter sich. Seine Frau Lieselotte ist nicht mehr so gut zu Fuß – Arthrose. Und da hat die Schwiegertochter vorgeschlagen, sie sollten doch in ihre Nähe ziehen.

Dies aber ist nicht in Ostwestfalen, sondern in der Nähe von Berlin – genauer gesagt in Königs Wusterhausen: „Dort haben wir uns einen Bungalow angeschaut.“ Mit mehreren Parteien werde das Haus geteilt. Die Nachbarn haben die Hentschels bereits kennen gelernt – und sie haben sich gut verstanden.

Aber leicht – nein leicht gefallen ist den beiden diese Entscheidung nicht. Und sie musste schnell getroffen werden. Denn die Wohnung sei kurzfristig zu haben gewesen. Bereits an diesem Sonntag werden die Hentschels in Richtung Osten aufbrechen und ihre Wohnung in der Birger-Forell-Straße verlassen. „Das ist schon eine Umstellung – von 110 auf 52 Quadratmeter“, sagt Karl-Heinz. Von vielen Büchern musste er sich trennen. Kein Platz sei dafür im neuen Domizil. Es sei gar nicht so einfach gewesen, für die Literatur Abnehmer zu finden.

Nun sind die Bücherregale in der Wohnung aber beinahe leer und die Kartons sind gepackt. Erinnerungen an die Anfänge Espelkamps kommen in Hentschel hoch.

In Böhmischdorf in Schlesien wurde er 1937 geboren. Zehn Jahre später wurden sie in der Nachkriegszeit vertrieben. Im Kreis Bitterfeld zwischen Halle, Leipzig und Dessau fand seine Familie eine neue Heimat. Er ging dort zur Schule. Doch suchte er 1954 sein Glück in Ostwestfalen. Über Hövelhof in Paderborn, wo er Verwandte hatte, kam er im April 1955 nach Espelkamp. Und diese junge Stadt sollte bis 2020 seine Heimat bleiben. Nachdem er seinen Schul-Abschluss auf dem Söderblom-Gymnasium gemacht hatte, trat er seine Arbeit in der Amtsverwaltung Rahden, Außenstelle Espelkamp, an.

Er kümmerte sich um die Bereiche Schule, Kultur, Jugend und Sport. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, ich habe mich nie um ein anderes Amt bemüht.“ Er hat viele historische Ereignisse in der Stadt hautnah mit erlebt. Die Ausamtung, der Besuch hoher Politiker. Und er hat unzählige Menschen persönlich kennen gelernt oder mit ihnen gearbeitet, die die Geschichte Espelkamps mitgeschrieben haben – von Wilhelm Kern über Bischof Hermann Kunst bis hin zu Dr. Horst Eller und Heinrich Vieker.

Plötzlich fängt er an zu lächeln. Er erinnert sich daran, als er im Jahr 1969 mit dem damaligen Stadtdirektor Dr. Horst Eller nach Bonn in die Villa Hammerschmidt gefahren ist – zur Vorbesprechung des Besuchs von Bundespräsident Heinrich Lübke in Espelkamp. Von dessen Sekretär seien sie damals empfangen worden und dieser fragte die beiden Gäste unumwunden: „Wann wollt‘ern denn haben?“ Mit so einer direkten Frage konfrontiert entfährt es den Espelkampern: „13 Uhr.“ Und es habe auch alles reibungslos funktioniert, sagt Hentschel.

Er schaut wieder auf die gepackten Kisten und Umzugskartons. Wenn auch nicht alle Bücher mitkommen, so doch die 43 Fotoalben, die die Geschichte der Hentschels erzählen.

Geschichte ist sowieso sein Steckenpferd. Nach seiner Pensionierung hat Karl-Heinz in der Volkshochschule mitgewirkt bei der Entstehung der Abhandlungen über den Mühlenkreis.

Viele Jahre war er in der Martinskirchengemeinde als Presbyter tätig, ebenfalls in der Kreissynode und im Kuratorium des Ludwig-Steil-Hofes. Mit seinen Ausstellungen über die Geschichte Espelkamps hat er viele Besucher begeistert. Nicht zuletzt ist er Mitbegründer des Geschichtskreises.

In seiner neuen Heimat will Karl-Heinz Hentschel „auch mal beim dortigen Heimatverein vorbeischauen“, wie er mit seinem ihm innewohnenden trockenen Humor erklärt. Schließlich sei ja die Gegend ebenfalls geschichtlich sehr interessant. Den Kontakt nach Espelkamp werden weder Karl-Heinz noch seine Frau Lieselotte abbrechen lassen.

Er werde sicherlich weiterhin mit dem Geschichtskreis Kontakt haben. Und die Mitglieder werden bestimmt gerne das Geschichtswissen Hentschels mal „anzapfen“.

Der Telefonanschluss im neuen Haus ist auch schon freigeschaltet. Dies freue seine Frau sehr, sagt der 83-Jährige. Sie telefoniere nämlich sehr gerne. Karl-Heinz Hentschel hingegen gestaltet Telefonate gerne kürzer.

Bücher hingegen ziehen seine Aufmerksamkeit an. Seine Lexika hat er daher eingepackt – als Nachschlagewerke. Mit Computer hat es Karl-Heinz Hentschel nicht so, wie er sagt. Sowieso kann kein Computer dieser Welt die Geschichte der Stadt so unterhaltsam erzählen wie das 83-jährige Espelkamper Urgestein. Auf Wiedersehen, Lieselotte und Karl-Heinz!

 

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