NRW startet Verkaufsprozess für landeseigene Casino-Gruppe – Gauselmann bekräftigt „grundsätzliches Interesse“
Bieter-Poker um Westspiel eröffnet

Bad Oeynhausen/Espelkamp (WB/dpa) -

Der Verkauf der bisher landeseigenen Casino-Gruppe Westspiel mit rund 900 Beschäftigten an den vier Spielbankenstandorten Aachen, Bad Oeynhausen, Dortmund und Duisburg hat begonnen.

Freitag, 18.12.2020, 22:56 Uhr aktualisiert: 19.12.2020, 00:02 Uhr
Die Spielbank in Bad Oeynhausen. In den nächsten Monaten wird entschieden, wer künftig Konzessionär der Westspiel-Gruppe wird.
Die Spielbank in Bad Oeynhausen. In den nächsten Monaten wird entschieden, wer künftig Konzessionär der Westspiel-Gruppe wird.

Das seit 2018 geplante Bieterverfahren sei mit der Bekanntmachung im EU-Amtsblatt eingeleitet, teilte das NRW-Finanzministerium am Freitag mit. Bieter müssen selbst schon seit drei Jahren im Spielbank-Geschäft aktiv sein und über mindestens 20 Millionen Euro Eigenkapital verfügen. Die Glücksspielgruppe Gauselmann in Espelkamp (Kreis Minden-Lübbecke) bekräftigte am Freitag auf Anfrage ihr „grundsätzliches Interesse“. Erwartet wird in Branchenkreisen ein Wettstreit von einer Handvoll Bieter.

Der Gesamtwert der Westspiel-Gruppe wird – über die vorgesehene Konzessionsdauer von 15 Jahren – in den Ausschreibungsunterlagen mit 2,7 Milliarden Euro taxiert. Über einen möglichen Kaufpreis sagt die Summe aber wenig aus. Denn tatsächlich hatte Westspiel 2019 das erste Mal seit Jahren mit knapp 3,2 Millionen Euro überhaupt einen Konzernjahresüberschuss erzielt, wie es im Abschlussbericht hieß. Aus dem Betriebsrat und der Landtagsopposition war an dieser Darstellung in der Vergangenheit aber immer wieder Kritik laut geworden, da vor dem Ergebnis ein Teil der Einnahmen an das Land und die Standortkommunen ausgeschüttet wird.

Diese so genannten Spielbankabgaben an die öffentliche Hand stiegen im vergangenen Jahr um rund 13 auf knapp 59 Millionen Euro. Mit dem Geld werden unter anderem soziale Aufgaben finanziert. 2018 hatte Westspiel einen Bruttospielertrag von 107 Millionen Euro erzielt und zahlte über die Spielbankabgabe mehr als 50 Millionen.

Der Westspiel-Verkauf ist seit Jahren umstritten. „Es ist gut, wenn der Staat nicht am Roulettetisch sitzt“, hatte Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) mehrfach betont. Die SPD hatte die Pläne kritisiert. Lienenkämper teilte dem Landtag am Freitag mit, das Bieterverfahren sei als „diskriminierungsfreies, transparentes und europaweites Konzessionsvergabeverfahren ausgestaltet.“ Interessenten müssen sich in einer ersten Phase bis zum 1. Februar anmelden, um sich für die dann folgende Angebots- und Verhandlungsphase zu qualifizieren. Wirksam werden könnte die Konzessionsvergabe mutmaßlich Anfang 2022.

Als Interessenten neben Gauselmann rechnen Branchenkenner mit dem Erzrivalen Novomatic aus Österreich, mit dem Gauselmann in Berlin gemeinsam Spielbanken betreibt, sowie dem Wiener Unternehmen Casinos Austria, das 2004 die zehn Spielbanken in Niedersachsen für 90 Millionen Euro übernahm. Als Kandidat galt auch der in Malta ansässige Sportwetten- und Onlinecasino-Anbieter Tipico. Es ist aber fraglich, ob er alle Anforderungen erfüllt.

Der Ausschreibung zufolge soll eine Konzession erteilt werden, die den Betrieb von bis zu sechs Casinos umfasst – es könnten also zwei weitere Standorte eröffnet werden. Möglich ist auch, dass ein Konsortium aus mehreren Partnern den Zuschlag erhält.

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