Zahlreiche Absagen in der Theatersaison – Abos ruhen auch 20212/22
Pandemie fegt den Spielplan leer

Espelkamp - WB -

Als Erste raus und als Letzte wieder rein: Der Kultur – ebenso wie der Gastronomie – machen die Regelungen zum Schutz vor der Ausbreitung der Pandemie mächtig zu schaffen. Das betrifft auch das Theater Espelkamp.

Samstag, 23.01.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 23.01.2021, 06:02 Uhr
Im Sommer 2020 wurde das Theater Espelkamp rot angestrahlt, um auf die Probleme der Kulturszene hinzuweisen. Die Entwicklung ist seitdem nicht nur durch den zweiten Lockdown noch schwieriger. Im Theater wurde fast alles abgesagt.
Im Sommer 2020 wurde das Theater Espelkamp rot angestrahlt, um auf die Probleme der Kulturszene hinzuweisen. Die Entwicklung ist seitdem nicht nur durch den zweiten Lockdown noch schwieriger. Im Theater wurde fast alles abgesagt. Foto: Andreas Kokemoor

 

„Kultur ist für mich eine Herzensangelegenheit. Es ist das, was besonders fehlt“, sagt Bärbel Brandt, stellvertretende Vorsitzende des Volksbildungswerks Espelkamp, das das Theater managt. Entsprechend traurig ist sie, dass einmal mehr viele Planungen für die laufende Spielzeit umsonst gewesen sind. „Am vergangenen Samstag hätten wir eigentlich das Stück ‚Hexenjagd‘ aufführen wollen. Darauf hatte ich mich sehr gefreut“, sagt sie. „Jetzt mussten wir es absagen. Aber immerhin haben wir die Zusage, dass wir es in die übernächste Spielzeit verschieben können,“ sagt Bärbel Brand. Dieses Schicksal teilt das Stück mit vielen anderen in dieser Theatersaison.

Abos ruhen auch 2021/22

Nach und nach mussten bisher fast alle Aufführungen der laufenden Spielzeit abgesagt werden. „Das Stück ‚Willkommen bei den Hartmanns‘ war das einzige, das wir Anfang Oktober zeigen konnten“, sagt Gabi Kopp, Geschäftsführerin des Volksbildungswerks. Froh ist sie rückblickend über die Entscheidung des Vereins, alle Abonnements ruhen zu lassen und für die angesetzten Veranstaltungen nur Reservierungen vorzunehmen. „So mussten wir keine Eintrittsgelder zurückerstatten. Und die Kunden sind ganz entspannt“, sagt sie. Und Bärbel Brandt kündigt an, dass diese „Salamitaktik“, die auf Anregung des Vorsitzenden Ernst Becker umgesetzt wurde, auch für die nächste Spielzeit gelten wird: „Wir haben darüber im Vorstand gesprochen: Die Abos werden wir auch 2021/22 ruhen lassen.“ Das System mit den vorherigen Platzreservierungen habe sich bewährt, auch im Paket „Theater á la Carte“.

Für die nächste Spielzeit würde normalerweise zurzeit das Programmheft erarbeitet. Doch diesmal werde es wohl erst im Herbst veröffentlicht, sagt Brandt. „Wir haben viele Optionen für die folgende Saison bereits organisiert. Es werden viele der Stücke dabei sein, die schon einmal verschoben wurden“, sagt Gabi Kopp. Es bestünden noch vertragliche Verpflichtungen. Doch weil nicht alle Schauspieler oder Ensembles wieder zur Verfügung stehen, könne nicht alles verschoben werden. „Bis September müssen aber die Verträge abgesegnet werden.“

Neustart nicht forcieren

Auch Gabi Kopp ist überzeugt, dass man den „Neustart der Kultur“ nicht forcieren könne. „Als während des ersten Lockdowns sehr früh die ersten Vorschläge kamen, wie das Hochfahren umzusetzen wäre, bin ich fast vom Stuhl gefallen“, erinnert sie sich. Und bekanntlich waren die Zweifel berechtigt, denn trotz eines riesigen organisatorischen Aufwandes und eines ausgeklügelten Hygienekonzeptes, durfte das Theater Espelkamp statt der sonst möglichen etwa 600 Zuschauer im Oktober bei der einzigen Aufführung nur 178 einlassen.

Die damit einhergehenden geringeren Einnahmen stellen natürlich ein finanzielles Problem dar. „Aber wir sind vergleichsweise gut aufgestellt. Einerseits, weil die Espelkamper Politik im Herbst beschlossen hat, dass die heimischen Kulturvereine ihre Zuschüsse erhalten, auch wenn sie keine Veranstaltungen machen können. Das war enorm wichtig und es war das Signal an die Aktiven: Macht weiter, plant weiter“, sagt Gabi Kopp. Bärbel Brandt erinnert zudem an eine sehr großzügige Spende von Margrit Harting an das Volksbildungswerk (wir berichteten).

Finanzen

Die Auswirkungen der Krise im Kulturbereich haben sowohl Kopp als auch Brandt intensiv erlebt. Zum Beispiel in den Gesprächen mit den Agenturen. „So wie ein Kneipensterben zu befürchten ist, könnte die Krise es auch kleine Agenturen und Anbieter von Kulturveranstaltungen zur Aufgabe zwingen“, ist Gabi Kopp besorgt. „Nach manchen Gesprächen habe ich Tränen in den Augen gehabt“, sagt Bärbel Brandt. So habe beispielsweise das in Espelkamp sehr beliebte Projekt Theater total mit großen Problemen zu kämpfen. „Ich war sehr dankbar, dass viele unserer Zuschauer, als wir den Auftritt von Theater total absagen mussten, sich bereit erklärt haben, das Eintrittsgeld an die Truppe zu spenden.“ Aufgrund der langjährigen Verbundenheit sagt sie mit Blick auf die kommenden Monate: „Mein größter Wunsch ist, dass die Aufführung von Theater total im April stattfinden kann.“

Doch einig ist sie sich mit Gabi Kopp, dass der Neustart nicht übereilt werden sollte: „Es nützt nichts, wir brauchen Geduld. Es geht erst, wenn sich die Zuschauer im Theater wieder wohl und sicher fühlen.“

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