Verstärkte Betrugsanrufe in Stemwede und Umgebung – Nils Schröder rät:
Vor dem Auflegen ruhig unhöflich werden

Stemwede/Rahden/Lübbecke (WB/weh) -

Es sind dreiste Anrufe, die offenbar seit Tagen in einer heftigen Welle durch Stemwede und das Lübbecker Land schwappen.

Montag, 01.02.2021, 04:27 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 04:30 Uhr
Anonym und meistens im Ausland sitzen die kriminellen Anrufer, die derzeit viele Menschen im Kreis Minden-Lübbecke ziemlich nerven.
Anonym und meistens im Ausland sitzen die kriminellen Anrufer, die derzeit viele Menschen im Kreis Minden-Lübbecke ziemlich nerven. Foto: Jan-Philipp Strobel

Sie nerven total, und für ahnungslose Bürger können sie obendrein sogar noch gefährlich sein.

Mit einer oft sehr langen Nummer aus dem Ausland (zurzeit gern Italien) haben sich in den vergangenen Tagen unbekannte Frauen und Männer bei Bürgern in der Region gemeldet. Oft rauscht es im Hörer, wenn die Anrufer in grausam schlechtem Englisch das Gespräch eröffnen. Sie kämen „from Microsoft“ und schieben schnell hinterher: „Your Computer sends Virus“.

Weder sind diese Typen von der Firma Microsoft , noch schickt der eigene Computer bösartige Viren ins weltweite Netz. Wer sich auf das Gespräch einlässt, könnte schon den ersten Fehler begangen haben, denn die Unbekannten wollen während des Anrufs erreichen, dass man den eigenen Computer anstellt, die E-Mail-Adresse verrät und sich einen angeblichen „Reparatur-Link“ von „Microsoft“ zuschicken lässt. Dieser trifft auch Sekunden später ein. Öffnet man diesen Link allerdings, holt man sich dadurch einen im Hintergrund arbeitenden Virus in den bislang sauberen Rechner. Kriminellen steht dann Tor und Tür offen, um unter anderem Konto-Daten oder Passwörter abzugreifen.

Nils Schröder, Pressesprecher der Polizei Minden-Lübbecke, hat für solcher Anrufe eine kurze knappe Lösung parat: „Den Hörer auflegen, und dies so schnell wie möglich“. Wer Nils Schröder kennt, der weiß, dass er ein höflicher Mensch ist. Im Falle der kriminellen Anrufer rät er den Bürgern jedoch: „Seien Sie vor dem Auflegen ruhig mal unhöflich“.

In Stemwede, in Rahden oder Preußisch Oldendorf – überall berichten Leser dieser Zeitung von gehäuften Betrugsanrufen. Schröder warnt: „Niemals sensible Daten herausgeben, weder E-Mail-Adressen, Passwörter oder Auskünfte über die Vermögensverhältnisse. Nie Geld überweisen in Zusammenhang mit solchen Anrufen und niemanden in die Wohnung lassen.“

Auch solle man nicht auf vermeintlich verlockende Angebote reinfallen, wie Auskünfte gegen angebliche Gratis-Amazon-Gutscheine.

Derzeit versuchen Betrüger auch durch gefälschte SMS, die Geräte der Empfänger mit Viren zu verseuchen. Sie suggerieren, dass der Handybesitzer ein Paket bekomme. Näheres sei auf dem beigefügten Link zu erfahren. Auch hier gilt: Niemals den Link anklicken, sondern die SMS sofort löschen.“

Viele Bürger wundern sich, dass sie Betrugsanrufe bekommen, obwohl sie ihren Namen schon vor Jahren im Telefonbuch löschen ließen. „Manche Kriminelle arbeiten mit alten Telefonbüchern“, sagt Nils Schröder. „Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie die Telefonnummern aus dem Darknet, dem dunklen Teil des Internets, bekommen, wo es Unmengen von abgefischten Daten gibt. Datensätze sind dort Handelsware.“

Schröder warnt übrigens auch eindringlich davor, solche Telefonnummern zurückzurufen. „Man weiß nicht, welcher Anschluss dahinter steckt. Es könnten Programme sein, die die Telefonverbindung unterbrechen und Verbindungen zu teuren Sonderrufnummern aufbauen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7793023?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516048%2F
Laschet für Entscheidung über K-Frage noch am Abend
Armin Laschet (l) und Markus Söder wollen beide Kanzlerkandidat der Union werden.
Nachrichten-Ticker