Glücksspielbranche leidet unter Lockdown – erster Jahresverlust in der Firmengeschichte der Espelkamper
Rote Zahlen bei Gauselmann

Espelkamp (WB/ef/OH) -

Die Glücksspielgruppe Gauselmann mit der Marke Merkur ist im Corona-Jahr 2020 in die roten Zahlen gerutscht. Das bestätigte ein Sprecher des Espelkamper Familienunternehmens am Montag. Europaweit sind fast alle 700 selbst betriebenen Spielhallen und Casinos des Unternehmens wegen der Lockdowns geschlossen.

Dienstag, 09.02.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.02.2021, 09:42 Uhr
Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann muss das erste Verlustjahr in der 63-jährigen Firmengeschichte verbuchen.
Glücksspiel-Unternehmer Paul Gauselmann muss das erste Verlustjahr in der 63-jährigen Firmengeschichte verbuchen. Foto: Oliver Schwabe

Auch das Geschäft als Automatenhersteller schwächelt in der Krise. Die meisten der 14.000 Gauselmann-Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. „Unser Umsatz im Jahr 2020 war knapp 30 Prozent geringer als im Jahr zuvor.

Dass das die Reserven gewaltig in Anspruch nimmt, brauchen wir nicht zu sagen“, zitiert die „Wirtschaftswoche“ Inhaber Paul Gauselmann (86). 2019 hatte seine Unternehmensgruppe noch einen Innenumsatz von 3,42 Milliarden und einen Außenumsatz von 2,58 Milliarden Euro erzielt.

Der Unternehmer fügte hinzu: „Die Gauselmann-Gruppe hat erstmalig in ihrem 63-jährigen Bestehen rote Zahlen nicht vermeiden können, zumal die zugesagten 75-Prozent-Hilfen für November und Dezember für Großunternehmen stark eingeschränkt sind. Daher müsse man „hier wahrscheinlich noch lange kämpfen“, um wegen der Bürokratie überhaupt angemessene finanzielle Hilfen zu bekommen, erklärte Gauselmann.

Er kritisierte zudem die angeordneten Schließungen als unverhältnismäßig und völlig undifferenziert. Es sei „unerträglich“, dass dabei nicht auf die Besonderheiten von Spielstätten eingegangen werde. „Bei uns steht genug Raum zur Verfügung, sodass man zwei Meter Abstand halten kann.“ Maskenpflicht und Hygienevorschriften könnten zudem auch vollständig eingehalten werden. „Obwohl es alles ganz offensichtlich ist, finden diese Fakten bisher keine Berücksichtigung, da die Politik pauschal entscheidet“, beklagt Gauselmann.

Er hoffe auf politische Einsicht und die Wiedereröffnung am 15. Februar. Er sei sich überzeugt, dass die Spielfreude der Menschen durch Corona nicht leiden werde. Das sei auch nach dem ersten Lockdown so gewesen. Nach einer Phase der Vorsicht sei im Oktober der Umsatz des Vorjahres fast wieder erreicht gewesen.

Der Dachverband „Deutsche Automatenwirtschaft“, der Betreiber von Spielhallen und Geldspielautomaten vertritt, warnt derweil vor einem Kahlschlag in der Branche. „Wir müssen mit Betriebsschließungen rechnen“, sagte dessen Vorstandssprecher Georg Stecker. Der zweite Lockdown „bedeutet eine dramatische Situation für unsere Unternehmen in allen Branchenstufen – also Industrie, Großhandel und Automatenaufstellung. Bei einigen sind die Reserven langsam, aber sicher aufgebraucht“, sagte Stecker. Für den Bereich der Automatenaufstellung gehe er für 2020 „von einem Umsatzrückgang von etwa 50 Prozent aus“.

Die Auswirkungen auf die Industrie und den Großhandel lägen auf der Hand. „Bundesweit arbeiten 70.000 Menschen in der Automatenbranche“, Kurzarbeit sei derzeit „die einzige Möglichkeit, diese Jobs zu erhalten“, so Stecker.

Neben den Coronafolgen drohen der Branche neue gesetzliche Regulierungsauflagen, die in vielen Bundesländern „zu einer massiven Reduktion von Spielhallen-Standorten führen könnte“, warnte Stecker.

Die Krise könnte auch Konsequenzen für die gerade gestartete Privatisierung der landeseigenen Spielbankengesellschaft Westspiel in NRW haben. Gauselmann soll einer der Interessenten sein. Die Gebote dürften niedriger ausgefallen als vor Corona. Den Ausschreibungsunterlagen zufolge erwartete das Land für 2020 um 20 Prozent auf 81,4 Millionen Euro und einen Verlust von 11,5 Millionen nach einem Vorjahresgewinn von 5,3 Millionen Euro.

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