Bullenstall-Pläne: „WIR in Oppenwehe“ in Stemwede übt scharfe Kritik an der Politik – Online-Petition im Internet läuft
„Solche Ställe heizen das Höfesterben an“

Stemwede (WB/weh) -

„Der Vorstand der Dorfgemeinschaft ‚WIR in Oppenwehe e.V.‘ macht sich große Sorgen hinsichtlich der Bullenstall-Pläne an der Tielger Allee.“

Mittwoch, 03.03.2021, 01:52 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 07:18 Uhr
Junge Bullen schauen in die Kamera. 599 Tiere sollen die Ställe beherbergen, die in Oppenwehe geplant sind.
Junge Bullen schauen in die Kamera. 599 Tiere sollen die Ställe beherbergen, die in Oppenwehe geplant sind. Foto: Ingo Wagner

Diese Stellungnahme gab der Verein, der in Oppenwehe ein Sprachrohr der Bürger, Gewerbetreibenden und der Vereine ist, am Dienstag ab.

Bekanntlich will ein Investor aus dem Kreis Soest einen gewerblichen Bullenstall für 599 Masttiere bauen. Vorgesehen ist ein Grundstück an der Tielger Allee, auf dem jetzt noch ein früheres Bauernhaus steht.

Das Vorhaben sorgt seit einigen Wochen für große Unruhe in Oppenwehe . Der Kreis Minden-Lübbecke als Baugenehmigungsbehörde hat bereits die Gemeinde Stemwede um ihr „gemeindliches Einvernehmen“ zu den Bullenstall-Plänen gebeten. Doch die Gemeinde ließ dies vorerst offen – sie hat dem Kreis weitere Fragen zu dem Projekt gestellt. Im Stemweder Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt war die Zurückhaltung angesichts der Riesenställe jedenfalls deutlich spürbar.

Eine Außenansicht vom Gehöft aus einer anderen Perspektive

Eine Außenansicht vom Gehöft aus einer anderen Perspektive Foto: Dieter Wehbrink

„Es ist nicht im Sinne zukunftsfähiger Landwirtschaft, wenn man auswärtigen Investoren ungehindert Stallbauten auf dem Lande ermöglicht“, schreibt Dirk Priesmeier, Vorsitzender von „WIR“, der auch Ortsheimatpfleger in Oppenwehe ist. „Die Konkurrenzsituation um Flächen und die Immissionsproblematik werden unnötig verschärft. Einheimische Landwirte und ihre Hofnachfolger werden in ihrer Entwicklung gehindert – das Höfesterben wird weiter angeheizt.“

Nach den aktuellen Plänen der Borchert-Kommission solle der Tierschutz und das Tierwohl gefördert werden (Anm. d. Red: Joachim Borchert, CDU, war ehemaliger Bundeslandwirtschaftsminister). „Das gelingt nur, wenn Bauernfamilien vor Ort bei der Umstellung begleitet und sinnvoll unterstützt werden“, betont Priesmeier. „Das Auftreten ortsfremder Investoren steht dazu im völligen Widerspruch. Für sie ist in erster Linie nur der schnelle wirtschaftliche Erfolg maßgeblich. Ein weiterer strategischer Ausbau der Kapitalanlage und der gesicherte Vermögensaufbau stehen im Vordergrund.“

Die Politik darf nicht tatenlos zusehen, dass die heimischen Landwirte zum Spielball namenloser Kapitalanleger werden

Dirk Priesmeier

Die Interessen der Anwohner vor Ort, ihre Wünsche für ihre Familien, der dörfliche Zusammenhalt durch Nachbarschaften und Vereine seien überregional agierenden Investoren fremd, heiß es in der Mitteilung von „WIR in Oppenwehe“. „Wenn diese Bullenstall-Pläne gewinnbringend umgesetzt werden, dürften sie beispielgebend für weitere Vorhaben dieser Art sein. Dann ist absehbar, dass sich neue Investoren Resthöfe schnappen und mehr Ställe bauen werden. Die Politik darf nicht tatenlos zusehen, dass die heimischen Landwirte zum Spielball namenloser Kapitalanleger werden“, fordert der Vereinsvorsitzende. „Daher ist es längst überfällig, dass Richtlinien und Gesetze zur Errichtung gewerblicher Ställe überarbeitet und korrigiert werden.“

 

Online-Petition gegen Stallpläne

Im Internet gibt es unter der Adresse www.change.org (Suchfeldeingabe: „Bullenstall“) eine Online-Petition gegen die Ställe. Die Unterschriften sollen an das Kreisbauamt weitergeleitet werden. Die Aktion trägt die Überschrift „Stoppt den Bullenstall für 599 Tiere in Oppenwehe – Petition gegen Bauantrag“. Der Text endet mit den Sätzen: „Versagt die Gemeinde ihr ‚Einvernehmen‘, kann der Kreis dasselbe einfach ersetzen, wenn keine triftigen Gründe zur Ablehnung des Bauantrages vorliegen. Aus diesem Grund wird deine Unterschrift und ein überregionales Aufsehen gebraucht, um den Antrag zu stoppen.“ Bis Dienstagmorgen, 2. März, hatten dort laut des Internet-Seitenbetreibers 255 Menschen unterschrieben.

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