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Fr., 20.10.2017

Forschungsprojekt zeigt Chancen biologischer Technologien für Mülldeponien auf Algen säubern Problemwasser

Setzen auf Algen zur Reinigung von Deponie-Sickerwässern aus der Pohlschen Heide (von links): Elke Meyerbröker (GVA), Johannes Weinig (Campus Minden), Stefan Pöschel (KAVG), Umwelt-Dezernent Lutz Freiberg und Chemiker Bernd Büscher.

Setzen auf Algen zur Reinigung von Deponie-Sickerwässern aus der Pohlschen Heide (von links): Elke Meyerbröker (GVA), Johannes Weinig (Campus Minden), Stefan Pöschel (KAVG), Umwelt-Dezernent Lutz Freiberg und Chemiker Bernd Büscher. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Von Hans-Jürgen Amtage

Hille/Minden  (WB). Algen »filtern« auf der Abfallentsorgungsanlage Pohlsche Heide in Hille Schadstoffe aus belastetem Deponie-Sickerwasser. Und das sowohl mit ökologischem als auch finanziellem Erfolg, wie das Projektteam um Prof. Dr. Johannes Weinig und Chemiker Bernd Büscher am Freitag auf der Deponie Pohlsche Heide präsentierte.

Unter dem Motto Forschung für Green Technology, für grüne Technologie, läuft das Projekt vom Fachhochschul-Campus Minden und dem Abfallentsorgungszentrum des Kreises Minden-Lübbecke seit zwei Jahren – zu Beginn unter Laborbedingungen, danach in einer Versuchsanlage auf der Deponie in Hille.

Zwei Algenarten geeignet

Alles begann mit Mischpopulationen von Algen. Also jenen Lebewesen, die in Asien vom Speisezettel nicht wegzudenken, für Freunde von Zierfischen eine Plage und für Badefreunde in offenen Gewässern oft eklig sind. Für das Klima aber sind sie unverzichtbar. Etwa 400.000 Arten gibt es wohl weltweit, nur ein Bruchteil aber davon ist bekannt. Und von denen galt es für das Fachhochschule-Team um Johannes Weinig jene Algen zu finden, die das Vorhaben möglich machten. Euglena und Chlorella vulgaris erwiesen sich schließlich als geeignet.

Für die biologische Reinigung wird das Sickerwasser aus der Deponie in flache Becken geleitet, in denen Bedingungen vorherrschen, die die Algen wachsen lassen, wie Bernd Büscher erläutert. Das zum Wachsen notwendige Kohlendioxid kommt aus dem Abgas des Blockheizkraftwerkes auf der Deponie. Das notwendige Licht spendet die Sonne. Dabei reichen auch die Sonnenstunden in den Wintermonaten, wie die zweijährige Versuchsphase gezeigt hat.

Einsparpotenzial bis 600.000 Euro

Beim Wachsen setzen die Algen Sauerstoff frei, der aus dem Wasser ausgast. Die Algenmasse wird geerntet und in einem anschließenden Faulprozess energetisch genutzt. Aus ihr wird Biogas gewonnen. Das Blockheizkraftwerk wird seinerseits wiederum mit Deponie- und Biogas betrieben. So entsteht eine Kreislaufführung der Ressourcen. Vor allem aber hat das Forschungsprojekt gezeigt, dass die Deponie-Sickerwässer mit Hilfe der Algen aufbereitet werden konnten und so Schad- und Störstoffe entfernt werden.

Der Einsatz dieser Technologie habe für das Entsorgungszentrum Pohlsche Heide einen unmittelbaren betriebswirtschaftlichen Vorteil, ist Kreis-Umweltdezernent Lutz Freiberg überzeugt. Die teure Behandlung von Deponie-Sickerwässern – bislang in der Spezialkläranlage auf der Altdeponie Heisterholz – sei zukünftig nicht mehr nötig. Das im »Algenreaktor« behandelte Sickerwasser könne in einer kommunalen Kläranlage so aufbereitet werden, dass die Grenzwerte für Indirekteinleiter erfüllt seien. Kostenersparnisse lägen bei etwa 70 Prozent der bisherigen Kosten für die Behandlung der Wässer, so der Dezernent. Das Einsparpotential liege zwischen 430.000 und 600.000 Euro im Jahr.

Bundesstiftung Umwelt fördert Projekt

Das in diesem Forschungsprojekt entwickelte Verfahren sei wirtschaftlich deutlich günstiger als herkömmliche Verfahren, betont auch Wissenschaftler Weinig. Die Umwelt werde nicht zusätzlich belastet. Die Projektpartner hoffen nun, dass diese Green Technology zum Realeinsatz kommt. »Wir stehen in den Startlöchern«, sagt Lutz Freiberg. Jetzt gelte es, die Schadstoffe fressenden Algen für die Wirtschaft interessant zu machen.

Gefördert wird das 225.000 Euro teure Forschungsprojekt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 125.000 Euro, den übrigen Betrag erbringen die Projektpartner Fachhochschule, Kreis-Abfallverwertungsgesellschaft und Gesellschaft zur Verwertung von Abfällen (GVA).

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