Di., 04.09.2018

Drei Morde in Hille: Zwei Männer stehen in Bielefeld vor Gericht – mit Video Am Grab der Opfer für Fotos posiert

Die Witwe Türkan Serhan ist Nebenklägerin.

Die Witwe Türkan Serhan ist Nebenklägerin. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Bielefeld (WB). 2017 posierten die beiden Männer lächelnd an dem Grab, das sie für zwei Mordopfer ausgehoben hatten. Sie fotografierten sich gegenseitig und verschickten die Bilder wie Trophäen über Whatsapp. Jetzt lachen die beiden nicht mehr:  Seit Montag stehen sie wegen Mordes vor dem Landgericht Bielefeld.

Ziegelsteine, zwei Maurerfäustel und ein Jagdmesser – das sind die Mordwerkzeuge, mit denen in Hille seit August 2017 drei unbescholtene Männer umgebracht wurden. Das Motiv? Offenbar ein paar tausend Euro.

Jörg Wallberg mit Anwälten Nicole Friedrich und Mirko Roßkamp.

 Als der Hauptangeklagte Jörg W. (51) am Montag in den Schwurgerichtssaal geführt wurde, brachen im Zuschauerraum viele schwarz gekleidete Frauen in Tränen aus. Es waren Angehörige des libanesischen Maurers Fadi S. (30), eines der Mordopfer. Lautes Wehklagen und verzweifelte Schreie erfüllten den Saal, die Angehörigen beruhigten sich nur langsam. Dann wurde auch der zweite Angeklagte hereingebracht – Kevin R. (24), Elektroniker und zuletzt Zeitsoldat. Er war der Ziehsohn von Jörg W. und dessen Ehefrau und lebte mit auf ihrem Reiterhof in Hille.

Gerhard F. als erstes Opfer

Staatsanwalt Christopher York brauchte eine halbe Stunde, um die Anklage vorzulesen. Danach soll Gerhard F. (71) das erste Opfer gewesen sein. Der Witwer hatte seinem Nachbarn Jörg Wallberg schon 2016 eine Kontovollmacht gegeben, damit der für ihn finanzielle Angelegenheiten regeln konnte. In der ersten Augusthälfte soll W. den alten Mann in dessen Haus die Kellertreppe hinuntergestoßen haben. Dann soll er ihm mit einem Ziegelstein den Kopf eingeschlagen haben, während Kevin R. den 71-Jährigen gewürgt haben soll. Die Männer ließen die Leiche zunächst im Keller liegen.

W. hob fortan monatlich 1250 Euro Rente vom Konto des Toten ab, und es soll beabsichtigt gewesen sein, dass Kevin R. in das Haus zog.

Mord an Joachim K.

Kevin Rahmacher mit Peter Jahn, einem seiner beiden Verteidiger.

Kurz darauf soll sich Jörg W. entschlossen haben, auch den Betriebshelfer Joachim K. (64) zu töten, der seit Jahren bei ihm auf dem Hof wohnte und 580 Euro Sozialleistungen im Monat bekam. Am 26. August 2017 soll Wallberg den ahnungslosen Mann mit einem Ziegelstein niedergeschlagen und ihm dann den Kopf zertrümmert haben. Kevin R. soll auf das Opfer eingetreten haben, und zum Schluss soll W. dem 64-Jährigen viermal ein Messer in den Rücken gestoßen haben. Der Tote soll dann in einer Zisterne zwischengelagert worden sein. Dann sollen die Täter das Zimmer des Mannes durchsucht und seine Ersparnisse von 3200 Euro an sich genommen haben. Insgesamt sollen die Täter die beiden älteren Männer um 15.840 Euro gebracht haben.

Das dritte Opfer war Fadi S. (30) aus Stadthagen. W. hatte im Januar 2018 mit dem Maurer vertraglich vereinbart, Immobilien zu kaufen und zu renovieren. Fadi Serhan gab Wallberg 5000 Euro Startkapital, doch der soll damit sein Girokonto ausgeglichen haben. Als der Libanese misstrauisch wurde, kam es am 4. März zu einem tödlichen Treffen in der Scheune des ermordeten Gerhard F.. Dort soll W. mit einem schweren Maurerfäustel von hinten auf den Kopf des zunächst arglosen Opfers geschlagen haben, und dann wieder und wieder.

Zweiter Maurerfäustel

Was Staatsanwalt York beim Verfassen der Anklage noch nicht wusste: Es gibt einen zweiten Maurerfäustel, an dem nach neuesten Untersuchungen ebenfalls das Blut des Opfers sichergestellt wurde – und die DNA von Kevin R.. Deshalb schließt das Gericht nicht aus, dass die Männer Fadi S. gemeinsam mit Hämmern erschlagen haben.

Während die Hinterbliebenen des Libanesen – er war verheiratet und hatte zwei kleine Kinder – schluchzend die Details hörten, war den beiden Angeklagten keine Regung anzumerken. Peter Jahn und Peter Wehn, die Verteidiger von Kevin R., sagten, ihr Mandant werde vorläufig schweigen. Gegenüber der Mordkommission hatte der Zeitsoldat ausgesagt, Jörg W. (den er Papa nannte) habe die drei Morde begangen, er selbst habe nur bei der Tat an Fadi S. geholfen.

Wallberg hatte bei der Polizei zugegeben, Fadi S. getötet zu haben und zu den anderen Morden nichts gesagt. Vor einigen Tagen nun behauptete er gegenüber der Gutachterin Sabine Novara, alle drei Morde seien von seinem Ziehsohn begangen worden. Ob W. im Prozess etwas sagen wird, wollen seine Verteidiger Mirko Roßkamp und Nicole Friedrich in Kürze entscheiden.

Während der Staatsanwalt Kevin R. bisher nur Mord, Beihilfe zum Mord und Totschlag vorwirft, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann gestern, auch R. könne eine Verurteilung wegen dreier Morde drohen. Außerdem sei es möglich, dass das Landgericht bei beiden Angeklagten eine besonders schwere Schuld feststellt – dann wäre eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen.

Fotografien als Beweismittel

Am Rande des Prozesses wurde bekannt, dass sich die Angeklagten gegenseitig fotografierten, als sie im September 2017 auf dem Reiterhof ein Grab für die ersten beiden Opfer aushoben. Die Bilder, die die Mordkommission auf dem Handy von Kevin R. gefunden hat, sollen per WhatsApp an die Ehefrau von Jörg W. gegangen sein. Ihr gegenüber soll Wallberg die Toten später in einer SMS als »die Kaputten« bezeichnet haben.

Das mögliche Wissen um drei Morde hat für die Ehefrau aber wohl keine juristischen Folgen. Eine Prüfung durch die Staatsanwaltschaft soll ergeben haben, dass die Frau nicht wegen Strafvereitelung verfolgt werden kann.

Der Prozess wird am 20. September fortgesetzt.

Hintergrund

Unsere bisherige Berichterstattung zum zu den drei Morden von Hille findet sich auf einer Themenseite: www.westfalen-blatt.de/OWL/Mordfall-Hille

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